<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Datenwahnsinn

Warum wir im Alltag so sorglos persönliche Informationen preisgeben.

Ein kleiner Selbsttest, bevor Sie weiterlesen: Geben Sie bei Google mal einen unanständigen Suchbegriff ein. Irgendeine Wortkombination, die Ihnen normalerweise nicht über die Lippen kommt. Klicken Sie auf „Google ­Suche“. Nun achten Sie auf Ihre Reaktion. Fühlen Sie sich überwacht? Haben Sie wenigstens ein flaues Gefühl im Bauch? Oder denken Sie gar nicht darüber nach, was Sie da eigentlich tun? Die allermeisten Menschen überlegen keine zwei Sekunden, wenn sie eine Google-Suchab­frage starten. Und sie grübeln auch nicht hinterher darüber nach, was mit ihren Daten auf den Google-Servern passiert – und ob da eventuell ein paar Geheimdienste mitlesen. Hauptsache, die Suchmaschine spuckt ein brauchbares Ergebnis aus. Das rechtfertigt natürlich nicht Prism & Co. Die Spähprogramme der Geheimdienste sind ein Skandal.
Aber ein paar Fragen sollten die Nutzer auch sich selbst stellen. Wir alle füttern Internetkonzerne wie Google täglich mit unseren Daten. Niemand zwingt uns dazu. Wir tun es aus Bequemlichkeit – und oft genug aus Gedankenlosigkeit. Die meisten Menschen schrei­ben unverschlüsselte E-Mails, obwohl jeder halbwegs informierte Nutzer weiß, dass Mails ganz leicht mitgelesen werden können. Dabei könnte sich jeder kostenfrei das Open-Source-Verschlüsselungsprogramm PGP (Pretty Good Privacy) herunterladen, um seine Mails vor dem Zugriff anderer zu schützen. Aber das tut kaum jemand, weil es eben etwas mühsam ist. Lieber benutzen die Leute Gmail. Und niemand regt sich darüber auf, dass die Google-Rechner jedes Mail nach Stichworten scannen, um entsprechende Werbung zu platzieren.

Aus all dem kann man nur schließen, dass es den meisten Leuten relativ egal ist, was mit ihren Daten passiert. Der alltägliche Datenwahnsinn zeigt sich nicht zuletzt in sozialen Netzwerken. Um Geheimnisse über Durchschnittsbürger zu erfahren, müssen die Dienste wirklich keine Glas­faserkabel anzapfen. Ein Blick auf Facebook genügt.

thomas.vasek@profil.at