<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Google vs. NSA

Warum der Internetkonzern Google gegen den Geheimdienst NSA gewinnen wird.

Die NSA hat offenbar die Nutzer von Google und Yahoo ausgespäht. Nach jüngsten Enthüllungen zapft der Geheimdienst dazu die unverschlüsselten Datenleitungen zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne an. In den gigantischen Serverfarmen werden alle Nutzerdaten gespeichert, von Suchabfragen bis zu Fotos und E-Mails. Das Spähprogramm „Muscular“ ist die bislang vielleicht folgenreichste Enthüllung zur NSA-Affäre. „Ungeheuerlich“ sei es, wenn sich die NSA tatsächlich zwischen Googles ­Datenzentren geschaltet habe, erklärte Ex-Google- Chef Eric Schmidt, heute Verwaltungsratsvorsitzender des Konzerns. Die Empörung ist glaubhaft. Vermutlich beruht sie weniger auf der Freiheitsliebe des Google-Managements als auf dessen wirtschaftlichen Interessen. Die NSA-Datenspionage ist schlecht für ein Business, das auf massenhaftem Datensammeln beruht. Der staatliche Zugriff auf die Daten untergräbt das Vertrauen der Nutzer. Es ist eine Sache, Google mit den eigenen Daten zu füttern. Etwas anderes ist es, wenn man als Nutzer fürchten muss, dass auch der mächtigste Geheimdienst der Welt auf die Daten zugreift.

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Die neuen Enthüllungen könnten sich als Wendepunkt in der NSA-Affäre erweisen – und vielleicht sogar in der gesamten Datenschutzdebatte. Wenn Google klug ist, dann nutzt der Internetkonzern die Aufregung, um sich als potentester Anwalt der Nutzerinteressen zu profilieren – und als Speerspitze des Datenschutzes. So könnte Google eine Art Konsortium initiieren, das eine neue Privacy-Architektur für das Netz und alle internetfähigen Geräte entwickelt. Das wäre natürlich nur glaubwürdig, wenn es offen und transparent geschieht – und Google auch die eigene Datensammelei einschränkt. Das Profitinteresse der Internetindustrie wird sich gegen den staatlichen Überwachungswahn am Ende durchsetzen und zwar aus einem sehr einfachen Grund: Das Misstrauen der Nutzer können sich Google & Co. nicht leisten. Wie denken Sie darüber?

thomas.vasek@profil.at