<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Google: Wir sind Werbung!

Wie der Suchmaschinenkonzern Google uns alle vereinnahmen will.

Haben Sie schon einmal Werbung für Kaffeemaschinen, Fußpilzsalbe oder Klopapier gemacht? Wahrscheinlich nicht. Doch das könnte sich bald ändern. Ab 13. November kann Google nämlich Ihren Profilnamen und Ihr Foto in Online-Anzeigen verwenden, zusammen mit Empfehlungen und Produktbewertungen, die Sie im Netz abgegeben haben. So könnte sich etwa Ihre +1-Empfehlung eines Restaurants in einer Anzeige wiederfinden, die das Restaurant bei den verschiedenen Google-Diensten schaltet – und die wiederum Ihre Freunde zu sehen bekommen, wenn sie zufällig in der Nähe sind. „Geteilte Empfehlungen“ nennt Google das neue Werbeformat.
Die Datenschützer reagierten auf die Ankündigung ­naturgemäß empört, schließlich handle es sich um die kommerzielle Verwendung von Nutzerdaten. Allerdings müssen die Nutzer volljährig sein und explizit selbst festlegen, ob ihr Profilname und ihr Foto in Google-Anzeigen ­verwendet werden dürfen, aber das zerstreut nicht alle Daten­schutzbedenken. Interessanter ist jedoch die Frage, was Googles neues Anzeigenformat für die Zukunft der Online-Werbung bedeutet. Bereits heute dominiert Google den Markt zu 80 Prozent. Zugleich verfügt der Suchmaschinenkonzern wegen seiner schieren Datenmassen über
konkurrenzlose Möglichkeiten, das Verhalten seiner Nutzer zu analysieren.
„Soziale Werbung“ beruht vordergründig auf der Annahme, dass Konsumenten auf persönliche Empfehlungen von Bekannten eher reagieren als auf klassische Anzeigen. Solche Werbeformen werden auch von Facebook und Twitter eingesetzt. Der Erfolg hält sich bislang allerdings in Grenzen. Eine der Fragen ist, was Online-Bewertungen überhaupt wert sind. Schließlich kennt auch Google nicht die wahren Gründe, warum jemand irgendetwas empfohlen hat. Wenn Ihnen also in Zukunft ein entfernter Bekannter auf Google eine neue Fußpilzsalbe empfiehlt, sollten Sie ruhig einmal nachfragen. Vielleicht wird er ja dafür bezahlt.

thomas.vasek@profil.at