<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Im Nachrichtenstrom

Wie News-Apps unser Informations­verhalten verändern.

Nicht das Web bringt die gedruckte Zeitung um. Es sind die Apps. Die News-Anwendungen für mobile Geräte werden immer smarter und komfortabler. Aggregatoren wie „Google News“ tragen Meldungen aus Nachrichtenquellen in aller Welt zusammen. „Pulse News“ bündelt Zeitungsinhalte, Blogposts oder ­Facebook-Updates auf einer schick designten Oberfläche. „Summly“ kürzt News automatisch auf 400 Zeichen, also etwa die Größe eines ­iPhone-Bildschirms. Und mit Apps wie „Reeder“ oder „Pocket“ können Nutzer Webinhalte speichern, um diese später zu lesen.

Apps verändern die Art, wie wir Nachrichten konsumieren. Man liest Artikel nicht mehr im eigentlichen Sinn, sondern klinkt sich gleichsam in den laufenden Nachrichtenfluss ein – und zwar egal, wo man sich befindet. Mit dem ­normalen Zeitungsleserverhalten hat das nichts mehr zu tun. Ich selbst screene oft nur Überschriften und Kurzfassungen von Meldungen, wie bei der genialen App „Summly“. Nur wenn mich etwas besonders interessiert, schaue ich überhaupt noch in die Langfassung des Artikels. News-Apps haben drei entscheidende Vorteile. Erstens muss man sich nicht mühsam durch eine Website klicken, um irgendeinen interessanten Artikel zu finden. Die Nachricht kommt vielmehr automatisch zum Empfänger. Zweitens lassen sich Meldungen ganz schnell mit anderen teilen, etwa über Facebook oder Twitter. Der dritte Vorteil ist natürlich, erraten: News-Apps kosten nichts (oder fast nichts).

Es gibt noch einen weiteren Effekt, der bisher wenig beachtet wurde. News-Apps „verflüssigen“ die Inhalte: Meldungen kondensieren zu Tröpfchen im globalen Nachrichtenfluss, die jeweilige Quelle spielt keine Rolle mehr. Das muss nicht schlecht sein für die Zeitungen. Aber wer die Tragweite des Wandels nicht begreift, wird im Nachrichtenfluss untergehen.

thomas.vasek@profil.at