<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Im Namen der Nutzer

Warum wir eine Interessenvertretung für Internetnutzer brauchen.

Interessieren Sie sich für Netzpolitik? Zum Beispiel für den neuen weltweiten Telekommunikationsvertrag ITR? Oder für die jüngsten Entwicklungen in der Urheberrechtsdebatte? Geht so, werden Sie vermutlich sagen. Zwar wissen Sie, dass all diese Fragen ziemlich wichtig sind. Dass die Zukunft des Internets davon abhängt. Aber man kann sich nicht um alles kümmern. „Netzpolitik interessiert nur Leute, in deren Alltag spitze Klammern eine Rolle spielen“, meint der deutsche Blogger Sascha Lobo auf „Spiegel Online“. Die „spitzen Klammern“ beziehen sich auf Programmierer und sonstige Computerspezialisten. Wer schon das nicht weiß, kann wahrscheinlich auch mit ICANN (InternetCorporation for Assigned ­Names and Numbers) – einer Organisation, die für die Vergabe von Internetadressen zuständig ist – wenig anfangen.

Die meisten von uns nutzen das Netz wie die Wasserleitung: Hauptsache, es kommt warmes Wasser raus. Wo es herkommt, von wem und wie es bereitgestellt wird, interessiert in unserer Wohlstandsgesellschaft kaum jemanden. Mit dem Netz ist es ähnlich. Die meisten verlassen sich darauf, dass es irgendwelche kompetenten Leute gibt, die sich um alles kümmern. Gleichzeitig schreien wir aber auf, wenn es irgendwo Probleme gibt – siehe Datenschutz. Was wir eigentlich bräuchten, wäre eine Interessenvertretung der Internetnutzer, folgert Lobo. Die Idee macht Sinn. Zweck einer Interessenvertretung ist ja, dass sie die Interessen von Leuten vertritt, die keine Zeit oder Lust haben, ihre Interessen selber zu vertreten. Es gibt ja auch andere Interessenvertretungen, von der Schülervertretung bis zur Arbeiterkammer. Sollen sich doch unsere Nutzervertreter mit den Feinheiten des IPv6-Protokolls beschäftigen. Oder Klagen gegen Facebook und Google einbringen. Man kann sich nicht um alles kümmern!

thomas.vasek@profil.at