<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Nackter Wahnsinn


Wie Apples Tugendwächter gegen nackte Haut vorgehen.

Ein Kurzvideodienst für Twitter – das klingt eigentlich nach einer tollen Idee. Mit der iOS-Video-App „Vine“ können Nutzer sechs Sekunden lange Videos aufnehmen und direkt auf Twitter hochladen, wo man sie direkt betrachten kann, ohne auf eine andere Website zu wechseln. Im Prinzip ein herrliches Spielzeug für Kreative und solche, die sich dafür halten. Nur leider hat „Vine“ ein Porno-Problem. Schon kurz nach dem Start am 24. Jänner waren einschlägige Clips bei Vine aufgetaucht, einer wurde versehentlich sogar von der Redaktion empfohlen, wofür sich Twitter mittlerweile entschuldigt hat. Einschlägige Suchanfragen werden zwar seither blockiert. Aber wenn das nichts fruchtet, könnte Twitter bald Schwierigkeiten mit Apple bekommen. Der Konzern duldet nämlich keine nackte Haut in seinem App Store. Erst kürzlich hat Apple 500px gesperrt, eine professionelle Foto-App, die gerne von Fotografen genutzt wird. Der Grund war offenbar, dass man mit der App auch nach Aktfotos suchen konnte. Ap­ple selbst erklärte, man habe die App wegen „pornografischer Inhalte“ gesperrt, ­zudem war von möglicherweise kinderpornografischem Material die Rede.

Selbstverständlich darf Apple keine gesetzeswidrigen oder menschenverachtenden Inhalte in seinem Store dulden. Allerdings fragt sich, wo die Grenzen zu ziehen sind – und nach welchen Kriterien. Das gilt im Besonderen für Suchanwendungen. Selbst wenn man mit „Vine“ oder 500px auch pornografische Inhalte findet, spricht das noch lange nicht gegen den Dienst selbst. Über Google und jeden Webbrowser gelangt man ebenfalls an einschlägiges Material. Um konsistent zu bleiben, müsste Apple also auch diese Anwendungen aus dem App Store schmeißen. Und das können selbst die Tugendwächter in Cupertino nicht ernsthaft wollen.

thomas.vasek@profil.at