<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Netz kauft Print

Warum Amazon-Gründer Jeff Bezos die „Washington Post“ retten wird.

Jeff Bezos hat also die „Washington Post“ gekauft. Für die berühmte Zeitung, so behaupte ich, gibt es wahrscheinlich keinen besseren Besitzer. Manche meiner Print-Kollegen werden das vielleicht etwas zynisch finden. Der „Post“-Deal hat natürlich eine tiefe Symbolik. Internet kauft Print: Deutlicher könnte die Zeitungskrise kaum zum Ausdruck kommen. Doch das kann man auch ganz anders sehen. Der „Post“-Verkauf an Bezos zeigt immerhin, dass es Leute gibt, die noch in Print investieren wollen. Der Kaufpreis von 250 Millionen Dollar ist für Bezos natürlich ein Schnäppchen, das entspricht gerade mal einem Prozent seines Privatvermögens. Der Mann steckt sein Geld auch in philanthropische Projekte. Doch es gibt Hinweise, dass ihm die Zeitung wirklich etwas bedeutet. In einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ hatte Bezos vor einiger Zeit noch behauptet, in 20 Jahren werde es „keine gedruckten Zeitungen mehr geben“.

Aber 20 Jahre sind eine lange Zeit. Bezos hat die „Post“ mit Sicherheit nicht gekauft, um sie kaputtzusparen oder einzustellen, wie das derzeit viele Verlage machen. Erstens kann er es sich leisten, die Zeitung als eine Art Hobby zu betreiben. Zweitens würde es schlecht zu Bezos passen, wenn er keine Vision für deren Zukunft hätte. Auch das unterscheidet ihn von manchen Verlagsmanagern. Einer der größten Fehler der Printbranche war immer, die Internet-Leute für unkultivierte Techniktrottel zu halten, die nur in Bits und Bytes denken können – und an Printprodukten ohnehin kein Interesse haben. Ob es den traditionellen Verlagen passt oder nicht: Keiner hat für die Verbreitung des gedruckten Wortes in den vergangenen Jahren mehr getan als der Amazon-Gründer. Mein Tipp lautet: Ausgerechnet Jeff Bezos wird die „Post“ retten – und damit ein ehrwürdiges Symbol des Qualitätsjournalismus. Und das wird an­dere Internetmogule auf den Geschmack bringen. Mal sehen, wann die Google-Gründer den „Spiegel“ übernehmen. Und sei es nur als philanthropisches Projekt.

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