<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Ohne Worte

Wie digitale Gadgets im Alltag unsere Gesprächskultur verändern.

Im Urlaub beobachtete ich ein junges Paar bei einer besonderen Art der nonverbalen Kommunikation. Ob beim Frühstück, am Strand oder beim Abendessen: Man sah die beiden eigentlich nur gemeinsam über ihr iPad gebeugt. Sie schauten, sie tippten, sie kicherten. Doch kaum je fiel ein Wort. Hilfe!, ruft der Kulturkritiker in mir: Die digitalen Menschen von heute haben einander nichts mehr zu sagen. Die Technik entfremdet uns. Statt ein vernünftiges Gespräch zu führen, statt sich voll und ganz aufs Gegenüber zu konzentrieren, daddeln die Leute nur noch stumpfsinnig auf ihren Gadgets herum, mehr abwesend als anwesend.

Doch wir sollten es uns nicht zu einfach machen. Zum einen neigt man ja dazu, den Wert normaler Gespräche ein bisschen zu überhöhen. Gespräche können furchtbar öde und langweilig sein. Die Geschichten und Anekdoten wiederholen sich, und oft genug fällt einem einfach nichts Vernünftiges ein, über das man einen Abend lang reden könnte. Zum anderen sind digitale Gadgets wie das iPad nicht so asozial, wie es manchmal den Anschein hat. Man kann zusammen Videos schauen, Games zocken oder Facebook-Nachrichten von Freunden lesen. Oder man schaut sich im Urlaub zusammen die Fotos an, die man tagsüber so gemacht hat, so wie das Paar, das ich beobachtet habe. Das kann unterhaltsam und sogar ­äußerst kommunikativ sein. Eine solche multimediale Konversation hat den Vorteil, dass der Gesprächsfaden nie abreißt. Irgendeine lustige App gibt es immer.
Ich habe schon hochgebildete Menschen erlebt, die ­einen ganzen Abend lang mit einer App zubrachten, mit der man verschiedene Gesichter „morphen“ kann. Jedenfalls hat das Paar in meinem Urlaub, soweit ich erkennen konnte, viel und herzlich gelacht. Nein, man muss nicht immer reden. Man kann auch einfach nur auf dem iPad daddeln. Was ist Ihre Meinung? Wie verändern digitale Gadgets unsere ­Gesprächskultur?

thomas.vasek@profil.at