<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Prism, NSA: Kein Vertrauen?

Warum Paranoia die falsche Antwort auf Prism & Co. ist.

Für die NSA wäre ich ein leichtes Ziel. Weder verschlüssele ich meine E-Mails, noch benutze ich Anonymisierungs-Tools, um unerkannt durchs Netz zu surfen. Ich habe ein ganz normales Google-Konto und einen Facebook-Account, Pseudonyme benutze ich so gut wie nie. Meine Privatsphäre ist mir wichtig. Aber ich möchte keinen großen Aufwand treiben, um sie zu schützen. Im Offline-Leben mache ich es nicht anders. Ich gehe ja auch nicht vermummt auf die Straße, weil überall Videokameras sein könnten. Ich suche nicht im Hotelzimmer nach Wanzen, jedenfalls nicht nach elektronischen. Und ich treffe meine Freunde nicht an geheimen Orten, sondern im Wirtshaus, wo uns jeder sehen kann. Paranoia ist die falsche Antwort auf Prism & Co. Die Lösung des Datenschutzproblems liegt nicht im sicherheitstechnisch hochgerüsteten Nutzer, der seine Mails mit unknackbarer Kryptografie verschlüsselt. Wir brauchen selbstbewusste Netzbürger, keine Heimlichtuer, die nur noch damit beschäftigt sind, ihre Datenspuren zu verwischen. Das schafft nur neues Misstrauen - und einen weiteren Vorwand für Geheimdienste, die Überwachung noch weiter auszudehnen. Wer seine Mails verschlüsselt, signalisiert der NSA damit erst recht, dass er etwas zu verbergen hat. Der Schutz vor Überwachung ist kein individuelles Problem. Die Lösung liegt nicht darin, Nutzer zu Kryptografie-Experten auszubilden. Sie liegt auch nicht in anonymen Schattennetzwerken, wie manche glauben. Was wir brauchen, das sind wirksame Gesetze, Kontrollmechanismen und technische Infrastrukturen, die unsere Privatsphäre im Netz schützen. Ich habe keine Lust, Geheimdienstmethoden anzuwenden, um mich dem Zugriff von Geheimdiensten zu entziehen. In einer freien Gesellschaft möchte ich einfach darauf vertrauen können, dass man mich in Ruhe lässt. Wie denken Sie darüber? Bitte schreiben Sie mir unter thomas.vasek@profil.at .