<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Ungebetene Gäste




Wie Facebook unsere Smartphones kapern will.

Parasiten leben bekanntlich von anderen Organismen. Im Tierreich kann das eine effiziente Überlebensstrategie sein. Ganz ähnlich versucht es Facebook nun mit An­droid. Die eben vorgestellte Anwendung Facebook Home kapert gleichsam die Benutzeroberfläche von Googles mobilem Betriebssystem. Schon auf dem Startbildschirm bekommt der Nutzer künftig Bilder und Status-Updates von Freunden zu sehen, für ein „Like“ genügt ein Doppelklick. Eigentlich hatte man ja erwartet, Facebook würde ein ­eigenes Handy präsentieren. Die Erfolgschancen galten allerdings als eher zweifelhaft. FB Home ist der wesentlich interessantere Ansatz, um die Facebook-Präsenz auf Android-Geräten zu erhöhen. Die neue Software ist nämlich keine „App“ im eigentlichen Sinn, sondern unterwandert gewissermaßen das Betriebssystem, ohne dessen Funktionalität zu beeinträchtigen. Das US-Technologiemagazin „Wired“ nennt das ein „apperating system“. Ähnlich funktioniert auch Amazons Software für den Kindle Fire, der ebenfalls unter Android läuft. Technisch möglich ist das, weil Android Anpassungen der Gerätehersteller erlaubt.

FB Home hat allerdings eine neue Qualität. Die Anwendung verwandelt ein Smartphone de facto in ein Facebook-Phone. Facebook-Gründer Mark ­Zuckerberg rechtfertigt dies damit, dass Smartphone-Nutzer angeblich 20 Prozent ihrer Zeit auf Facebook verbringen. Also sollen die FB-Fans eben auch gleich direkt auf ihr Netzwerk zugreifen können. Und vermutlich wird Facebook auch versuchen, auf der „Home“-Oberfläche Werbung zu platzieren. FB Home könnte Google auf die Dauer ernsthaft schaden, indem es sich gleichsam vor das Android-Angebot drängt. Der Suchmaschinen-Konzern wird sich das kaum gefallen lassen. Ein Teil der Nutzer vermutlich auch nicht. Die Facebook-Oberfläche könnte einfach nur nerven – als hätte man auf seinem Smartphone einen ­ungebetenen Dauergast.

thomas.vasek@profil.at