Das Kreuz des Südens

In Teil zwei der schon jetzt markerschütternden Serie nie geführter Wahl-Interviews: Jörg Haider, Original.

profil: Herr Landeshauptmann, Sie treten laut eigener Aussage als Kanzlerkandidat an und sagen gleichzeitig, Sie blieben auf jeden Fall
Landeshauptmann. Ist das nicht irgendwie ein zarter Widerspruch?
Haider: Ja, und? Wie lange kennen Sie mich jetzt?

profil: Aber es könnte ja theoretisch jemand wirklich wollen, dass Sie Kanzler werden. Und Sie dann irrtümlich wählen.
Haider: Dann mach i den Kanzler halt nebenbei. Wenn der Gusenbauer dafür sechzehn Stund’ braucht, isses für mi maximal a Halbtagsjob.

profil: Aber sehr viel wahrscheinlicher kriegt doch der arme BZÖ-Wähler für seine Stimme dann wieder nur den Westenthaler als Klubobmann.
Haider: Der Peter Westenthaler ist ein verdienter …, äh, und jeder BZÖ-Wähler kann sich glücklich …, ding …

profil: Sie erkennen das Dilemma.
Haider: Na sicher ist das ziemlich Sadomaso. Aber man muss das so sehen: Es reicht ja auch völlig, wenn mein Geist über allem schwebt.

profil: Das sehen außer Ihnen komischerweise wohl vor allem ihre Gegner so.
Haider: Aber schauen Sie sich das Land doch an: Schwebt mein Geist nicht seit 15 Jahren sowieso irgendwie über allem? Ich habe doch schon gewonnen!

profil: Na ja. Irgendwie eh. Aber wären Sie nicht doch noch einmal gern nicht nur heimlicher Kanzler – sondern endlich auch einmal unheimlicher?
Haider: Mein Freund! In so manch kalter Nacht schreib ich bittere Verse, die damit möglicherweise zu tun haben.

profil: Und müssen im wirklichen Leben die Wähler daran erinnern, wer bei Strache und Ihnen das Original und wer die Kopie ist.
Haider: Falls sich tatsächlich jemand unsicher sein sollte: Ich bin der mit dem Hirn. Und meine Jeans sitzen besser.

profil: Und dennoch ist die Kopie dreimal so groß wie Sie.
Haider: Größe ist bekanntlich nicht alles.

profil: Wenn Sie als das Original mehr zu bieten haben, wie ist es damit: Strache will im Wesentlichen aus der EU austreten. Was bekomm ich bei Ihnen als europapolitisches Extra?
Haider: Na, meinen guten Namen! Da kann sich der Mölzer im Europaparlament noch so sehr an den Vlaams Blok und wie die Koffer alle heißen, ranschleimen – wenn in Europa jemand für den schiachen Österreicher steht, dann aber bitte immer noch ich.

profil: Strache legt in der sonstigen Außenpolitik sein Hauptaugenmerk auf Südtirol – und in Österreich wahlberechtigte serbische Nationalisten. Inwiefern macht mich hier der Vergleich sicher?
Haider: Ich hab schon mit verdienten Südtirol-Aktivisten Rezepte getauscht, da hat der Herr Strache noch nicht einmal gewusst, wie man „Bumser“ schreibt. Wobei – vermutlich weiß er das ja heute auch noch nicht.

profil: Und wie toppen Sie die Serben?
Haider: Nur so viel: Dieser Ahma­dinejad hat irgendwie ehrliche
Augen.

profil: Hat er?
Haider: Ja. Und das wird irgendwann einmal auch der Ostküste einschießen.

profil: Hmm. Glauben Sie wirklich, dass das bei den im dritten Lager versammelten ständigen Viertplatzierten des Lebens viele Punkte bringt? Sind so viele persische Schläfer wahlberechtigt?
Haider: Das nicht.

profil: Aber?
Haider: Aber Sie vergessen die vielen … Westküstler.

profil: Westküstler?
Haider: Westküstler. Die nicht von der Ostküste sind.

profil: Das sollen Westküstler ja öfter einmal sein.
Haider: Sie sagen es. Und die Westküstler sollen wissen, dass ich sie
verstehe.

profil: Das Deportieren von Flüchtlingen von Kärnten nach Niederösterreich war ja schon einmal kein schlechter Anfang – aber mit welchen Aktionen wollen Sie noch unter Beweis stellen, dass Sie fremdenpolitisch ein noch überzeugterer Höhlenmensch als Strache sind?
Haider: Ich bitte Sie! Wem muss ich diesbezüglich noch was beweisen? Aber wenn Sie am 12. September vormittags nichts Besseres vorhaben, kommen Sie doch nach Ferlach, dort eröffnen wir die Säuglingsabteilung des mittlerweile bewährten Schubhaft-Prangers. Das verfaulte Gemüse, das die Leute dort auf die Asylanten schmeißen können, wurde auf unsere Initiative hin aus dem Landesbudget bezahlt, weil nachher dürfen sie es auch gratis mit nach Hause nehmen und essen. Das ist nämlich der Kärntner Weg, den wir auf ganz Österreich übertragen wollen – hart, aber mit sozialem Gewissen.

profil: Haben Sie eine Wunschkoa­lition?
Haider: Eine, die mich ernst nimmt. Und die Farbkombi sollte zu meiner Lieblingskrawatte passen.

profil: Darf da Blau mit dabei sein?
Haider: Wer einmal in einem Blue Movie die Hauptrolle gespielt hat, der kann nicht mehr aufhören.