Das Lampen-Komplott

Das Lampen-Komplott

Seit 1. September ist die Glühbirne ein Fall fürs Museum. Dank einer europäischen Politik, die sich den Begehrlichkeiten der Industrie beugte. Statt den Konzernen die Weiterentwicklung effizienter Technologien aufzutragen, werden die Konsumenten gezwungen, giftige Energiesparlampen zu kaufen. All das um den Preis von Arbeitsplätzen, die längst verloren sind – während bei Philips und Osram das Geschäft brummt.

Deutschland, in den ersten Septembertagen des Jahres 2009. Die Wahlen zum Bundestag stehen unmittelbar bevor, die Politik gibt sich bürgernah. So auch Sigmar Gabriel, Sozialdemokrat. Um das Volk auf seine Ziele einzuschwören, hat sich der seit 2005 amtierende Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit etwas ganz Besonderes ausgedacht. Er lässt auf Wahlveranstaltungen Energiesparlampen verteilen, 5000 an der Zahl. Natürlich nicht irgendwelche. Gabriel tourt als selbst ernannter Handelsvertreter für die Osram AG, eine Tochter des Siemens-Konzerns, durch seinen Wahlkreis. Zu diesem Zeitpunkt ist Stufe eins des von der EU-Kommission verfügten fünfteiligen Stufenplans 2009–2016 in Kraft, an dessen Ende der Glühbirne in Europa das Licht ausgehen soll. Schon seit 1. September 2009 dürfen in der EU klare Lampen mit einer Leistung von 100 Watt aufwärts sowie ausnahmslos alle Produkte mit mattem Glas nicht mehr erzeugt und neu in den Handel gebracht werden. Gabriel gilt als einer der geistigen Väter des Projekts. Er hat auf EU-Ebene unermüdlich auf das Verbot hingearbeitet. Und blickt längst in eine strahlende Zukunft. Gegenüber „Spiegel TV“ preist er umstandslos die Vorzüge der „Osram Duluxstar 14 Watt“: „Die, die wir hier herausgeben, hat eine exzellente Wirkung.“

Europa, drei Jahre danach. Seit 1. September 2012 ist Stufe vier von fünf in Kraft – und sie hat das Aus der konventionellen Glühbirne besiegelt. Bis auf Restposten dürfen EU-weit keine Lampen gleich welcher Leistungsstufe mehr produziert und regulär verkauft werden ...

Lesen Sie die Titelgeschichte von Tina Goebel, Christina Hiptmayr und Michael Nikbakhsh in der aktuellen Printausgabe oder in der profil-iPad-App.