Das Sündenregister

Was sich Aufsichtsräte, Vorstände und Minister sonst noch leisteten.


ÖIAG

  • Das Finanzministerium beauftragte nicht den Billigstbieter für Aufsichtsratskandidatensuche, sondern (um 138.078 Euro) die um 27,8 Prozent teurere Agentur Egon Zehnder International. Dortiger Geschäftsführer: Joachim Kappel, Ehemann der Büroleiterin von FP-Granden Thomas Prinzhorn.
  • 44 Kandidaten wurden präsentiert, allerdings ohne Begründung ihrer Qualifikation.
  • Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Heinzel verdient um 77 Prozent mehr als sein Vorgänger, die Vergütung seiner Stellvertreter steigerte sich um 85 Prozent.
  • Die Aufsichtsratsgagen verdoppelten sich (insgesamt 156.241 statt 77.942 Euro), die Reisespesen stiegen um das 20fache (von 1579 Euro 1999 auf 32.505 Euro 2001).
  • Heinzel verrechnete der ÖIAG zwar keine Dienstgespräche vom Handy, ließ sich aber ein Büro zahlen, das er auch für seine anderen Geschäfte nutzen darf.
  • Vorstandsvorsitzender Peter Michaelis verdient (mit rund 680.000 Euro) rund das Doppelte seines Vorgängers Rudolf Streicher.
    Asfinag
  • Ein Vorstandsmitglied wurde vorzeitig abgelöst. Kosten dabei: 137.524 Euro.
  • Die Vorstandsverträge legten nicht fest, welches Ziel erreicht werden muss, um die erfolgsabhängige Vergütung auszuzahlen (bis zu 14 Prozent des Jahresbezugs).
    Bundesforste
  • Für die Besetzung der Vorstände begnügte sich der Aufsichtsrat mit dem Angebot eines einzigen Personalberaters (ohne Vergleichsofferte), den er anschließend mündlich beauftragte. Auftragswert: 40.002 Euro.
  • Das anschließend durchgeführte Hearing wurde laut Rechnungshof nicht protokolliert.
    Postbus AG
  • Ein Vorstand hatte der Postbus AG eine Flugreise mit seiner Ehefrau in Rechnung gestellt, die er aufgrund einer beruflichen Terminverschiebung nicht hatte wahrnehmen können. Nach den Erhebungen des RH und der Revision der ÖIAG zahlte er diese aber wieder zurück.
    ÖBB
  • Für die Zusammenstellung des neuen Aufsichtsrats und Vorstands der ÖBB wurden (noch von FP-Ministerin Forstinger) insgesamt 287.232 Euro an Honoraren für Personalberater genehmigt.
  • Die Kriterien bei der Vergabe des Beraterauftrags für die Vorstandssuche sind für den Rechnungshof nicht nachvollziehbar.
  • Auch die Auswahl der Vorstände ist nicht nachvollziehbar, da in den Aufsichtsratssitzungen keine Protokolle angefertigt wurden.
    Österreich Werbung
  • Bei der Kür des Geschäftsführers kam ein Personalberater zum Zug, mit dem schon vor Vergabe verhandelt und ein Honorar von 32.703 Euro vereinbart worden war. Vergleichsofferte lagen nicht vor.
  • Der Vertrag des Österreich-Werbung-Chefs Arthur Oberascher enthält eine Wertsicherung des Bezugs, die rechtswidrig ist.
    Verbund
  • Vergleichsmäßig bescheidene 4360 Euro verrechneten Personalberater dem Ministerium für die Evaluation der Aufsichtsratskandidaten. Die Grundlage ihrer Tätigkeit: eine einzige Liste aus dem Wirtschaftsministerium. Schriftlich formulierte Anforderungsprofile gab es auch hier nicht.
  • Mit auf der Liste: der Ministervertreter, der sich selbst in den Aufsichtsrat wählte.