Der Ball ist rund

Das österreichische Nationalteam soll nach den jüngsten Erfolgen in der EM-Vorbereitung nun gegen Regionalauswahlen Selbstvertrauen sammeln. Gut so.

Meine Damen und Herren, liebe Fußballfreunde, ich melde mich aus der Klärschlamm-Arena in St. Radegund am Autobahnzubringer, wo heute Nachmittag jenes Spiel stattfindet, über das man in und um St. Radegund schon seit dem Vormittag geredet hat: Heute gastiert hier die österreichische Nationalmannschaft.

Viel ist geschrieben, vieles ist kritisiert worden, aber was soll ich Ihnen sagen, meine Damen und Herren: Hier und heute gibt der österreichische Fußball ein kräftiges Lebenszeichen – die Klärschlamm-Arena ist nämlich restlos ausverkauft, ja der mögliche 27. Zuschauer, Herr Adolf Oberunter, der extra aus dem benachbarten Hirning angereist war, bekam sogar keine Eintrittskarte mehr, musste also unverrichteter Dinge wieder den beschwerlichen Rückweg nach Hirning antreten und hat jetzt lange zweieinhalb Kilometer Zeit, darüber nachzudenken, warum um Gottes willen er denn nicht schon im Vorverkauf zugeschlagen hat.

Das Spiel selbst hätte dramatischer nicht verlaufen können, wir stehen nunmehr in der 89. Minute, und das Nationalteam führt gegen die aufopfernd kämpfende Regionalauswahl des hinteren Surmtales mit 17:1 – in der Foulstatistik. Auch bei den Outeinwürfen konnte sich das Team, das mit dieser Leistung fraglos einen großen Schritt Richtung EM-Reife macht, bereits einen klaren Vorsprung erarbeiten, unsere Statistik beweist auch, dass beinahe die absolute Mehrheit all dieser Einwürfe sogar bei einem Mitspieler landete. Hier sieht man also schon deutlich die Handschrift von Teamchef Pepi Hickersberger, der im letzten Teamcamp hinter verschlossenen Türen – es hatten sich nämlich Spione aus England angekündigt – genau das immer und immer wieder üben ließ.

Dass das Spiel selbst knapp vor Schluss immer noch 0:0 steht, liegt zum einen an der ausgezeichneten Leistung von Teamtorhüter Jürgen Macho und möglicherweise auch daran, dass Karl Grobgschnitzter, der doch auch schon 46-jährige Starstürmer der Surmtaler, gestern Abend beim allwöchentlichen Bauernschnapsen beim Heimlicher-Wirt einen Lauf hatte wie noch nie und sich darob gezwungen sah, 14 Vierteln roten Sturm zu konsumieren.

Achtung, jetzt hat Hiden den Ball, er legt ihn sich weit vor, läuft an und – jawoll! Eine herrliche Aktion des kompromisslosen Verteidigers, der das ganze Spiel über ein Turm in der Schlacht war und mit diesem Abstoß den Ball über – ja, meine Damen und Herren, Sie hören schon richtig: über! – die Mittellinie befördert hat! Dort greift jetzt Leitgeb ins Spiel ein, er …, er …, er schaut seinen Gegenspieler böse an, na servas! Das sind genau die Aktionen, die wir von unserem Team sehen wollen, das ist international übliche Härte, da werden sich auch die Herren Gattuso oder van Nistelrooy warm anziehen müssen, so viel ist gewiss.

Zum bisherigen Spielverlauf ist zu sagen, dass sich die beherzte Surmtaler Auswahl, angetrieben von einem frenetischen Publikum, zu Beginn leichte Vorteile erspielte und bei vier Latten-, drei Stangenschüssen und zwei von Grobgschnitzter neben das Tor gesetzten Elfmetern vielleicht auch ein wenig Pech hatte.

Aber bereits so um die 80. Minute fand das Nationalteam in einen besseren Rhythmus. Da wurde flüssig kombiniert – so spielten einmal Fuchs und Garics mit einem Doppelpass, den ich gern auf Video hätte, am eigenen Sechzehner Aufhauser schwindlig –, Ball und Gegner laufen gelassen – nun, der Gegner vielleicht nicht so sehr, denn die Surmtaler spürten offenbar langsam doch ihr als Vorspiel ausgetragenes Meisterschaftsmatch gegen die Lokalrivalen aus Schasbach –, und da fand man dann auch Chancen vor. Roland Linz nützte seine – er lief vor fünf Minuten beleidigt direkt in die Kabine, weil er schon zum wiederholten Male einen Laufpass bekommen hatte.

Zu den Besten in den Reihen der Nationalmannschaft zählten heute auch, wenn ich kurz rekapitulieren darf, Mörz, der vor 30 Sekunden für den brandgefährlichen Kuljic eingewechselt wurde, dann natürlich wieder einmal Ivanschitz, der wegen seiner Verletzung nicht spielte, ebenso wie Säumel, der bei der Abfahrt des Teams in den falschen Bus einstieg und sich nunmehr auf einer Heizdecken-Werbefahrt nach Tschechien befindet, sowie der Masseur, der das Kopfweh des Teamchefs in der Pause mit Akupressur fast wegbekam.

Generell muss man sagen, dass es eine hervorragende Idee der Verantwortlichen des ÖFB war, sich nach den letzten doch eher unerfreulichen Ergebnissen mit Spielen gegen Regionalauswahlen wieder das völlig unnötigerweise verloren gegangene Selbstvertrauen zurückzuholen, das ist sicherlich der richtige Weg, und da halten wir auch alle zusammen, und ich bin sicher, dass wir bei der EM im eigenen Land eine gute Figur machen werden, und daran ändert sich auch nichts dadurch, dass Grobgschnitzter jetzt soeben das glückliche 1:0 für die Surmtaler erzielt hat.