Der Entertrainer

Rainer Nikowitz über Hans Krankls denkwürdigen TV-Auftritt nach dem 3:3 gegen Nordirland: eine Sternstunde der Fernsehunterhaltung.

Friedrich Stickler und Herbert Prohaska wären, ihren betretenen Mienen nach zu schließen, bei dieser Sternstunde des österreichischen Unterhaltungsfernsehens vermutlich lieber nicht dabei gewesen.

Und ORF-Reporter Rainer Pariasek erst recht nicht, denn er musste befürchten, von einem schnaubenden und dampfenden Hans Krankl vor laufender Kamera ungespitzt in den Boden gerammt zu werden – obwohl er eigentlich gar nichts angestellt hatte.

Österreich hatte eben im WM-Qualifikationsspiel gegen Nordirland in Belfast in der 94. Minute den Ausgleich zum 3:3 hinnehmen müssen. Das war natürlich schon per se eine Ungerechtigkeit sondergleichen und ermunterte Krankl im anschließenden Interview denn auch zu einem Kabarettauftritt, der möglicherweise der einzige Moment in seiner Teamtrainer-Karriere sein wird, an den man sich auch in zehn Jahren noch gerne erinnert. Hier noch einmal die schönsten Auszüge:

I bin stolz auf meine Mannschaft. Diese Mannschaft is kolossal. Jetzt müssen auch die Dümmsten verstehen, was diese Mannschaft für an Charakter hat!

Schließlich hat es diese Mannschaft zuwege gebracht, sich von den Nordiren, die sich hauptsächlich in der dritten englischen Liga verdingen, gerade einmal drei Tore schießen zu lassen. Also nur um eines mehr, als die seit drei Jahren sieglosen Giganten vorher in insgesamt elf Spielen zustande gebracht hatten. Daran war aber klarerweise nicht die von Krankl hervorragend eingestellte österreichische Abwehr schuld.

Des dritte Tor der Nordiren war irreregulär, weil der Feldhofer net auf den Platz zurückgelassen wurde. Dieser Schiedsrichter hat in Europa nix verlorn. So einen Schiedsrichter aus Austraaalieeen zu hoin, oiso da muaß se de UEFA was überlegen. Oba i waaß eh, was si de überlegen, da geht’s um andere Dinge.

Huh, da war also auch noch eine Verschwörung im australischen Busch!
Dann erlaubte sich Pariasek, zart darauf hinzuweisen, dass der Rückstand auf Polen, den vermeintlichen Hauptkonkurrenten um Platz zwei, nun schon vier Punkte betrage – und lernte Folgendes:

De vier Punkte san mir wurscht. Schlag ma halt Wales zwamoi und Polen auswärts.

Wissen die das schon?

Wann i siech, wie der 33-jährige Kühbauer 70 Meter geht in an Konter in der 88. Minuten – lacht da net an jeden des Herz in Österreich?

Einer der zweifellos besten österreichischen Fußballer, voll austrainiert und mit reichlich internationaler Erfahrung, der zwei Minuten vor Schluss noch nicht tot am eigenen Sechzehner liegt. Unfassbar eigentlich.

Und da denk i jetzt dran, dass ma a Punkt fehlt oder zwa Punkte fehlen oder vier Punkte fehlen in der WM-Qualifikation? Des interessiert mi jetzt net.

Hand aufs lachende Herz: Schließlich interessieren sich ja nur die Dümmsten für so eine völlig nebensächliche WM-Qualifikation. Aber interessieren wir uns vielleicht für Fehler?

I red da jetzt net über de Fehler, i bin gezeichnet von an Match dreidrei, des ma gwunna ham.

Das war in der Geschwindigkeit nicht ganz korrekt formuliert. Es hätte heißen müssen: ... das wir 3:3 gewonnen haben.

Es zählt kein Fehler bei dieser Moral aner Mannschaft, bei diesen Kampfgeist, bei diesen spielerischen Vermögen. Welche Mannschaft hat denn heut gspüt?
Nordirland. Zum Fürchten, wie gesagt.

Mir ham fünf Leut, mir ham den Stranzl müssen a Minuten vor Beginn ersetzen, denkt an des amoi aner? Dass der Feldhofer-Ferdl zum ersten Mal spüt gegen ein Ungeheuer mit der Nummer zehn, der a Rugbyspieler is und ka Fußballspieler?

Ungeheuer gehören nun wirklich nicht hierher, sondern eher nach Australien. Da muss sich die UEFA was überlegen – aber wir wissen eh, was sich die überlegen.

Was da passiert is, is extremst net in Ordnung, noch amoi, das ist irreregulär. Ende.

Sprach’s und knallte übervoll von gerechtem Zorn das Mikrofon auf den Tisch.
In allen Internet-Abstimmungen nach dem Spiel sprachen sich übrigens stets mehr als 60 Prozent der Voter dafür aus, dass Krankl Teamchef bleiben solle. Weil wenn wir schon nichts gewinnen, dann wenigstens lustig.