Die seltsamen Geschäfte des Dietmar Wassermann

Sie münden in Exekutionen und Sachverhaltsdarstellungen: Die seltsamen Geschäfte des Dietmar Wassermann.

Der protzige 200.000-Euro-Bentley, die auffällige, aber wenig geschmackssichere Brille, die immer mit einem dicken Packen Geld gefüllte Hosentasche: Ein gewisses Faible für den großen Auftritt und den schönen Schein kann man Dietmar Wassermann nicht absprechen. Jetzt, als Zeitungsmacher, darf er auch auf den Kärntner gesellschaftlichen Großevents nicht fehlen. Wenn beim Konzert des Nockalm Quintetts, beim Winter-Open-Air von "Wenn die Musi spielt“ oder zuletzt beim Beachvolleyball-Turnier Fotos mit Prominenten wie Jean-Claude van Damme oder Christian Clerici rausspringen, ist das dem eigenen Image zumindest nicht abträglich. Im Kärntner Biotop ist der Unternehmer, der bis vor seinem Einstieg bei der "Kärntner Tageszeitung“ ("KTZ“) keine Größe der besseren Gesellschaft war, mittlerweile allseits bekannt. Wenngleich argwöhnisch beäugt.

Und das kommt nicht von ungefähr. Denn um den 52-Jährigen ranken sich wilde Gerüchte, vor allem, was seine unternehmerische Vergangenheit mit einer Gewinnspielfirma in Deutschland betrifft. Aber man muss sich gar nicht erst vom harten Boden der Tatsachen wegbewegen, um Wassermanns geschäftliche Aktivitäten - vorsichtig ausgedrückt - etwas seltsam zu finden.

Da wäre zum einen seine unklare Rolle bei der "KTZ“. Eine offizielle Funktion nimmt er dort nicht ein. Formaler Geschäftsführer ist Werner Bilgram. Der ehemalige langjährige, einst von Jörg Haider protegierte Chef der Kärnten Werbung ist aber laut eigenem Bekunden "seit Monaten nicht mehr operativ tätig“. Stattdessen trifft Wassermann alle Entscheidungen. Auch bei der Eigentümergesellschaft der "KTZ“, der MS4 Consulting, ist Wassermann offiziell nicht involviert. Sie steht im Eigentum von Martin Staudacher, einem ehemaligen Mitarbeiter Wassermanns. Staudacher ist inzwischen Herr über ein nicht unbeeindruckendes Firmengeflecht: Neben der "KTZ“ gehört ihm die DW Baugesellschaft (steht für Dietmar Wassermann, der die Geschäftsführung innehat) sowie die Payment Partner Solutions und der Dialog Medienverlag, bei denen Wassermanns Sohn Daniel die Geschäfte führt. Außerdem hält die MS4 75 Prozent an der BB & Partner Vermögens- und LiegenschaftsgesmbH.

Von reger Betriebsamkeit, die man angesichts der zu managenden Unternehmen vermuten würde, ist jedoch am Firmensitz der MS4 - einem Wohnhaus in der Klagenfurter Universitätsstraße - keine Spur. Kein Türschild, keine Klingel weisen den Weg. Einzig auf einem Briefkasten ist ein Hinweis auf das Unternehmen zu finden.

"Staudacher ist lediglich ein Strohmann für Wassermann“, ist von allen Seiten zu hören.

Auch Hansjörg Berger hat erhebliche Zweifel an der Eigentümerschaft des Steirers. Der Werbeunternehmer Berger hatte die "KTZ“ 2010 mittels seiner BB & Partner von der SPÖ übernommen. Später holte er Wassermann ins Boot, der erst mit einer Finanzspritze aushalf und im Jänner 75 Prozent der BB-Anteile - über die DW Invest, die damals Sohn Daniel gehörte und heute als MS4 firmiert - übernahm. Berger, selbst kein unbeschriebenes Blatt - die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Untreue im Zusammenhang mit Scheinrechnungen für freiheitliche Politiker -, wurde offenbar ordentlich verschaukelt: "BB & Partner, also Wassermann, hat die "KTZ“ ohne Zustimmung meines Mandanten und ohne Durchführung einer Unternehmensbewertung um einen Euro - das ist aktenkundig - an die MS4 Consulting verkauft“, erklärt Bergers Anwalt, Bernhard Hundegger. Im Ergebnis bedeute dies, dass Wassermann die Zeitung um den symbolischen Betrag an seinen Sohn, oder, wenn dieser Strohmann ist, an sich selbst verkauft hat.

Wenn hinter der MS4 Wassermann selbst steht, bestehe der Verdacht einer ungerechtfertigten Bereicherung; wenn sie seinem Sohn gehört, der Verdacht der Untreue, legt Hundegger seine Rechtsmeinung dar. "Wir haben eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung eingebracht. Nun muss die Staatsanwaltschaft prüfen“, so der Anwalt.

Die Behörde hat derzeit gut zu tun. Bereits seit März ermittelt sie aufgrund einer Anzeige gegen Wassermann. Inzwischen liegen bei der Staatsanwaltschaft Klagenfurt mehrere Sachverhaltsdarstellungen vor. Unter anderem auch wegen des Verdachts auf schweren gewerbsmäßigen Betrug und Geldwäsche. "Wir werden die Vorwürfe einer eingehenden Prüfung unterziehen“, sagt Sprecherin Gabriele Lut-schounig.

Auch an anderen Fronten droht Ungemach. Geschäftspartner der zahlreichen Firmen aus dem Dunstkreis Wassermanns berichten von einer mehr als laxen Zahlungsmoral. Eine Werbeagentur hat deshalb eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachtes gewerbsmäßiger strafbarer Handlungen an die Staatsanwaltschaft Wien beauftragt. Und die Kärntner Gebietskrankenkasse (KGKK) will noch Ende dieser Woche über die Einbringung eines Konkursantrages gegen die "KTZ“ entscheiden. "Zwar wurde eine Vereinbarung über Ratenzahlungen getroffen, doch für Juli sind noch 34.000 Euro offen“, erklärt KGKK-Chef Johann Lintner. Weitere 29.000 Euro, allerdings nicht rechtskräftig, fordert die Krankenkasse aufgrund unkorrekter Anmeldungen von Mitarbeitern ein. Für die wird die Situation langsam existenzbedrohend. Manche werden seit Monaten nicht bezahlt. Stattdessen wurden einigen ungefragt "kurzfristige Darlehen“ von einer Evi GmbH überwiesen, die im Eigentum Wassermanns steht. Warum die "KTZ“ ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt, ist nicht wirklich erklärbar. Denn erst kürzlich gingen auf ihre Konten über 400.000 Euro an Presseförderung ein.

Die finanzielle Situation bei den anderen Wassermann-Unternehmen dürfte ebenfalls nicht rosig sein: Auch die DW Bau musste mit der Krankenkasse Ratenzahlungen über ausstehende Beiträge vereinbaren. Die Handel-Marketing-Service GmbH (HMS), die von Wassermanns Tochter Cynthia geführt wird, ist mit über 70.000 Euro im Rückstand. Die KGKK hat hier bereits Exekutionen durchgeführt und mit Insolvenzantrag gedroht. Bei ihren Kunden stößt die HMS - das Unternehmen vertreibt unter anderem Elektrozigaretten, Potenzpillen und Zahnaufhellungssysteme über das Web - auf mäßige Begeisterung. Diverse Internetforen sind voll mit Beschwerden über die Qualität der Produkte, nicht erreichbare Ansprechpartner, nicht oder zu spät erfolgte Lieferungen.

profil übermittelte Wassermann einen umfangreichen Fragenkatalog. Doch die angekündigte Stellungnahme des Unternehmers blieb bis Redaktionsschluss aus.