<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Der Beuschelkaiser

Im Goldenen Bründl (I): Landessieger im Lungenfach.

Dieses Vogelgezwitscher, man versteht ja sein eigenes Wort nicht mehr. Na, dann zwitschern wir doch auch, eine Bouteille aus der respektablen Weinkarte, mitten im Rohrwald, in diesem herrlichen Gastgarten des „Goldenen Bründl“ nahe der Burg Kreuzenstein. In eine Gegend wie diese muss man schon wollen; da kommt man nicht zufällig vorbei, und Gründe für einen vorsätzlichen Besuch liefert das Haus im Wald in letzter Zeit allemal. Seit zwei Jahren kocht hier Norbert Steiner, der zuvor, im Alter von 22 Jahren, Küchenchef im „Tulbinger Kogel“ und später im „Gut Oberstockstall“ war, bevor er in die Nachbarschaft von Fuchs und Hase wechselte. Im Jahr darauf war das „Goldene Bründl“ Sieger der niederösterreichischen Top-Wirte, und Patron Gerhard Knobl meinte, dass es an der Zeit sei, den Plan eines Kochbuchs umzusetzen, „sonst brauchen wir es gar nicht mehr tun“. „Es lebe die Küche“ dürfte das Gasthaus endgültig in den grünen Imagebereich hieven. Eine empfehlenswerte Adresse war die ehemalige Jausenstation nämlich nicht immer. Knobl hatte, als er das Etablissement 2000 kaufte, sogar überlegt, den Namen zu ändern; er war aber dann doch zu geschichtsträchtig. Schließlich spielt hinter dem Haus die Sage vom goldenen Bründl, die sich etwa so zusammenfassen lässt: Habsburger Rudolf durstig wegen des Kriegs gegen Böhmenkönig Ottokar – entdeckt im Rohrwald eine Quelle und einen goldenen Becher – will ihn einstecken, Quellnixe fleht, er soll ihn doch da lassen – Rudolf, ehrlich, kriegt dafür einen Ring geborgt, der so lange Glück bringt, wie männliche Thronfolger da sind – Kaiserin Maria Theresia, auch ehrlich, retourniert den Ring – seither sieht jeder ihn am Quellgrund strahlen, der noch nie gelogen hat. Na ja, so sind Sagen halt.

Und jetzt zum Wesentlichen. Im Rohrwald gibt es seit 2008 wieder einen Kaiser – den niederösterreichischen Beuschelkaiser Norbert. „66 Beuschel haben teilgenommen“, sagt er, und unter den sechs Finalisten waren immerhin Fixsterne des niederösterreichischen Landgasthaushimmels. Heißt also schon was. Deshalb wagen wir uns diesmal – in zwei Teilen – an die zweitägige Zubereitung des Landessiegers im Lungenfach. Verkostet habe ich das Siegerbeuschel, und allemal, kein Schmäh: ein würdiger Gewinner. Was hat denn da am Grund der Quelle geblitzt? Nächste Woche: die Finalisierung von Norbert Steiners Kalbsbeuschel

klaus.kamolz@profil.at