<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Der Mittelmeermann

Zu Gast bei Wiens einstigem Jungstar Christian Voithofer (I).

Münchendorf ist ein Straßendorf südlich von Wien. Dort runterbremsen? Ja, aber nur wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung im Ortsgebiet. Christian Voithofer hat Münchendorfs Exposition vor vier Jahren nicht davon abgehalten, hier ein Gasthaus zu pachten, um der Gegend mit dem Restaurant „Iuno“ ein wenig kulinarischen Glanz zu verleihen. „Ich gebe zu, der Anfang war hart, Münchendorf kennt echt kein Mensch“, sagt er.

Draußen im Garten kreisen Libellen über dem Biotop; an der Hauswand prangt, in nicht ganz uneitlen Dimensionen, seine Referenz: riesige Fotos mediterraner Interpretationen – Pasta, Pizza, Beef ­Tatar. Dass er solche Standards pflegt, mögen die ­Restaurantkritiker – ständig auf der Suche nach Neuem – nicht besonders; dass er die reine Gourmetküche in deren Augen verwässert, indem im „Iuno“ ständig was los ist, vom Spanien-Abend bis zur Grillsause (und das alles zu schwer nachvollziehbaren Kampfpreisen), auch nicht. Voithofer, 32, gibt sich darüber gelassen: „Den Leuten hier am Land muss man etwas bieten, und meine zwei Hauben hab ich schon gehabt.“ Tatsächlich ist der Koch und Wirt nicht irgendwer. Mit 18 Jahren war Voithofer der jüngste Haubenkoch Österreichs, 1995 wurde er in die neue „Cantinetta Antinori“ engagiert; mit von der Partie: Wiens späterer Stargastronom Fabio Giacobello. Wenige Jahre später gründete er das reichlich gehypte „Chrinor“, und im „Hansen“ in der Börse hinterließ er Spuren in Form von Mitte der neunziger Jahre als ausgeflippt geltenden Gerichten wie Kalbszunge mit karamellisiertem Tintenfisch oder mit Garnelen gefüllter Perlhuhnbrust auf Vanilletomaten.

„Extrem crazy“, sagt Voithofer über die Kreationen von damals und bittet zu berücksichtigen, dass das zwölf Jahre her ist. Da kocht er heute doch lieber gleich so wie vor 14 Jahren in der „Cantinetta Antinori“, so wie die da unten am Meer immer schon gekocht haben. Was kann er denn dafür, dass dort unsterbliche Klassiker wie das Vitello Tonnato entstanden sind? „Man kann sie ja auch ein wenig anders machen, nämlich besser.“ Nächste Woche: Voithofers Pasta-Ambitionen

klaus.kamolz@profil.at