<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Grenzerfahrungen

Kohfidisch & Co: eine Pfingstreiseempfehlung.

Dies ist eine Geschichte, in der die Vorzüge des Herumkurvens auf der Suche nach Orten, an denen man es sich gut gehen lassen kann, dargestellt werden sollen. Das Herumkurven, wir kennen es. Vom Friaul, von Istrien und auch vom Südburgenland. Man fährt los, wundert sich, dass einem die eine oder andere Kurve mit der Zeit bekannt vorkommt, aber es stört nicht weiter; irgendwo wartet die richtige Abzweigung, und man landet in Wachter-Wieslers in den Weinbergen gelegenem Wirtshaus „Ratschen“, im Gasthaus des Jürgen Csencsits oder im Gasthof „Zum Weinberg“ auf dem Csaterberg, der einzigen Übernachtungsmöglichkeit in der Umgebung, die Stadtmenschen im Übrigen wegen der aggressiven Stille, die hier herrscht, befremden kann; nur wer die Ohren spitzt, kann draußen den Welschriesling rascheln hören.

Zu Pfingsten ist immer was los hier. Folgen Sie einem Wagen, dessen Kennzeichen mit G oder W beginnt, und Sie landen an einem der drei erwähnten Orte, auf dem Ratschenberg etwa. Thomas Wachter und Gerda Wiesler aus den Winzerfamilien Wachter und Wiesler haben privat fusioniert, wodurch ein Weinkeller nicht mehr als solcher gebraucht wurde. Jetzt steht dort ein Wirtshaus mit gehobener Regionalküche, das auch schickere rurale Gebiete zieren würde.

Was den besonderen Reiz der Gegend ausmacht, ist von der Terrasse aus zu überblicken. Es geht um Wein, um Grenzüberschreitungen und somit auch um grenzüberschreitenden Wein. Ganz hinten liegt der Eisenberg, dem es wurscht ist, ob er sich auf österreichischem oder ungarischem Boden erhebt, daneben das magyarische Winzerdorf Vaskeresztes. Von dort stammt der Kékfrankos vaskeresztes, den Wachter mit dem Ungarn Imre Gager macht. Ziemlich würzig, doch noch kantig gibt sich der 2006er, aber Wachter schwört auf sein Potenzial.

Auch Uwe Schiefer, der Shooting Star der Gegend, ist mittlerweile in Ungarn aktiv, und seinen Blaufränkisch „Pala“ empfehle ich hier wärmstens; man sollte sich nicht von der Klassifizierung abschrecken lassen: Gelesen in Ungarn und vinifiziert im Burgenland, darf das feine Terroirgewächs nur „EU-Tafelwein“ heißen. Dass Schiefer nicht nur ein Rotweinspezialist ist, wird abends bei Jürgen Csencsits klar. Der ehemalige Vize von Walter Eselböck holt zum großartigen gebackenen Ei mit Schweinswangerl, Kren und Spinat eine Flasche von Schiefers stattlichem Weißburgunder. Jetzt wissen wir es: Zwischen Kohfidisch und Kotezicken können sie locker ein komplettes Menü flüssig bespielen. Hab ich den Uhudler-Frizzante zum Aperitif erwähnt?

klaus.kamolz@profil.at