<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Karst-Connections

Ami Scabar und Veit Heinichen (II): Laurenti, Bora und Osmizza.

Tja, kam nicht so gut, die Frage: Noch ein kulinarischer Kommissar, Herr Heinichen? Veit Heinichen nimmt einen Schluck von Flasche Nummer zwei, die seine Lebensgefährtin Ami Scabar gerade gebracht hat – Sandi Skerks Vitovska aus dem Karst –, und sagt: „Die Frage langweilt mich schon.“

Trotzdem klingt die Antwort so, als würde ihn das Thema gar nicht langweilen. Wir haben wieder Salz auf der Zunge; die Mineralität der Karstweine scheint belebend auf den Redefluss zu wirken. „Ich schreibe Romane, keine Fabeln“, sagt Heinichen – und erklärt Laurenti. Aus kulinarischer Sicht ist Kommissar Proteo Laurenti, dessen Name übrigens von dem in den Karsthöhlen lebenden Grottenolm Proteus anguinus Laurenti stammt, nämlich das Alter Ego des Autors. Man könnte die Laurenti-Krimis auch als Guide verwenden; die Adressen fehlen halt. Aber die liefert Heinichen über andere Schienen nach. Mit Ami Scabar hat er vor einiger Zeit ein wunderbares Buch über die kulinarischen Traditionen der Stadt geschrieben. Es geht, wie Ami Scabar sagt, „um Öl, Wein, Sonne, ­Zitrone und Kräuterduft – alles, was meine Küche prägt“. Und es geht, Heinichen mischt sich wieder ein, um die vielen Winde aus allen Richtungen in der Stadt, die die vielen kulturellen Einflüsse gleichsam herangeweht haben: Bora, Maestrale, Libeccio, Scirocco.

Wir sind bei den Primi aus Scabars Küche gelandet: exotisch gewürzter Pasta mit rohem Thunfisch und Melanzani-Pesto und mit Steinpilzen und Stracchino-Käse gefüllten Panzarotti – Kreationen auf Basis vieler Winde. Das Buch heißt ja auch „Stadt der Winde“.

Ich muss übrigens in den Karst hinauf, fällt Heinichen beim dritten Wein ein. Der kommt nämlich von Benjamino Zidarich. Vitovska schon wieder, so serviert, wie es der Winzer befiehlt: bei 14 Grad im Rotweinglas, dazu Wolfsbarsch aus Wildfang mit mediterranem Gemüse und Olivenöl aus dem Val di Rosandra nahe der slowenischen Grenze. Heinichen steht seit Kurzem Pate für eine Karst-Kollektion der österreichischen Vinothek Wagner aus Laakirchen. Da darf er jetzt ein bisschen Werbung machen.

Anderntags gehorche ich dem Autor. Ich habe einen vollgekritzelten Zettel von ihm, auf dem steht, wie ich zu Zidarich komme, in seine Osmizza, die Buschenschank im Winzerdorf Prepotto. Der Zettel und eine verzweifelte Frauenstimme aus dem Navi streiten während der Fahrt fürchterlich. Ich vertraue Heinichen. Dort, wo die Tram nach Opicina hinauffährt (man könnte auch sagen: dort, wo der große Showdown in einem der Krimis stattfand), geht es los. Dann taucht die erwähnte Efeumauer auf. Und dann ist da dieses Tor und dahinter dieser Hof, und dann diese Terrasse mit diesem Blick aufs Meer und dieser von den Karstwinden getrocknete Schinken und dieses Salz auf der Zunge beim ersten Schluck … na, jetzt darf dreimal geraten werden … Vitovska. Danke, Herr Heinichen, grazie, Signor Laurenti.

klaus.kamolz@profil.at