<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Pastrami am Strand

Die Gastronomin Haya Molcho (I): Tel Aviv am Donaukanal.

Gibt es so etwas wie eine Königin des Wiener Naschmarkts? Wenn ja, dann ist es wohl Haya Molcho. Da sitzt sie vor ihrem jüngsten Lokal namens „Neni“, drinnen leuchten die Eichenbänke von der vielen Sonne, und Molchos Kaffee wird langsam kalt, während das Ohr vom vielen Telefonieren sich zusehends erwärmt. „Ihr müsst unbedingt kommen“, sagt sie, „dann habt ihr ein bisschen Urlaubsstimmung.“ Die Gastronomin schwärmt derzeit oft von ihrem neuen Projekt: dem Export der multikulturellen „Neni“-Küche an den Donaukanal. Gegenüber der k47-keylounge sind die Wiesen noch nicht so schräg, wie einst von Heinz Conrads besungen; dort bleibt auch der Sand liegen, den der Staat Israel anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums von Tel Aviv aufschütten ließ.

Wenn Haya Molcho vom Tel-Aviv-Beach mit seiner in Blau und Weiß stilisierten Skyline erzählt, ist das gleichermaßen ein Bericht über ihre Kindheit: „Ich bin mit diesem Sand aufgewachsen, mit diesen Plastikstühlen, die man sich einfach vom Stapel nimmt, und mit der notwendigen Flexibilität, die dort herrscht. Auch hier sperren wir eben nicht auf, wenn das Wetter schlecht ist.“ Mit ihrem „Neni“-Kiosk am Wasser will sie aber vor allem „Israel von einer anderen Seite zeigen“, nämlich von seiner liberalen, weltoffenen, lebenslustigen: „Und ich hoffe, dass auch Palästinenser kommen, ich will dort so eine Art globale Friedensküche machen.“ Die wird sich, in arabischer Ausprägung, auf einem Tel-Aviv-Beach-Teller mit Humus, Falafel & Co finden – und dann gibt es auch noch den Melting Pot New York, repräsentiert durch ein Lower-East-Side-Feeling erzeugendes Pastrami-Sandwich. Die geräucherte Rinderbrust bezieht Molcho von einer Firma, die nach einem alten New Yorker Rezept arbeitet; bloß bei den Dimensionen sind in Wien Kompromisse nötig. „For the dedicated fresser only“, heißt es etwa auf der Speisekarte des Carnegie Deli; für solche Pastrami-­Towers reicht hier die Menge nicht aus. Wer sich so einen Turm aber zu Hause bauen möchte, kann die Pastrami im „Neni“ – zehn Deka gibt es um 2,80 Euro – auch ab Hof beziehen. Nein, ab Markt.
Nächste Woche: Haya Molcho über ihr Leben auf Märkten

klaus.kamolz@profil.at