<i><small>eatdrink von Klaus Kamolz</small></i>
Stangenware

Weinviertel (I): Freilandwangen und Aromazwiebeln.

Jetzt ist das Weinviertel gerade so, wie es der Landesfürst wahrscheinlich immer gerne hätte: Pröllistan pur, mit blauem Himmel und gelben Rapsfeldern. Wer mit einer ortsfremden Nummerntafel durch die Straßendörfer fährt, sieht zwar immer noch kein Leben, sondern nur das verdächtige Flattern der Vorhänge. Allerdings gibt es immer mehr Menschen, die aus ihren Häusern kommen, weil sie etwas herzuzeigen haben. Und dabei geht es längst nicht nur um den Grünen Veltliner Weinviertel DAC. Heuer wollen es die Weinviertler endgültig wissen: Wie magnetisch sind Land, Leute und Produkte wirklich? „Tafeln im Weinviertel“ nennt sich die sommerliche Veranstaltungsreihe, bei der ambitionierte Wirte und Winzer unter besonderer Berücksichtigung lokaler Gourmandisen Freiluftgelage an jenen Orten ausrichten, die auf kontemplationsbedürftige Städter eine besondere Ausstrahlung ausüben: Weingärten und Kellergassen (ab 10. Juni; Infos und Termine: www.tafeln-im-weinviertel.at).

In Laa an der Thaya („Donn schrei i Feia!“) zum Beispiel will Martin Weiler, einer der Köche der kommenden Tafelrunde, in seinem Wirtshaus von Allerweltsküche nichts wissen, weshalb er sich auf Produkte verlässt, deren Entstehung er bestens kennt.

Als Vorgeschmack auf das große Tafeln: zwei Rezepte von Weiler & Co. Die Rinderbacken steuern Fred Zehetner und Daniela Wintereder aus Wildendürnbach bei; das Fleisch stammt von eigenen Kreuzungen zwischen Galloway und Aberdeen Angus, die – wie Zehetner sagt –
„auf der Weide den ganzen Tag machen dürfen, was sie wollen“. Und zu den Backen gibt es Zwiebelravioli vom Weiler-Onkel Karl, die deshalb so gut sind, weil es in der Gegend mit dem Grundwasser Probleme gibt: „Wir dürfen nicht aus Fließgewässern bewässern, deshalb wachsen die Zwiebeln langsamer, enthalten ­weniger Wasser und sind dadurch viel aromatischer.“
Nächste Woche: Maibock, Wein und Hexenkräuter.

klaus.kamolz@profil.at