„Ein anderer Typus als Haider“

Der neue FPÖ-Vizeparteichef Heinz-Christian Strache über Ewald Stadler, das „zweifelhafte Vergnügen“, mit Wolfgang Schüssel zu plaudern, und die „durchaus interessante“ Maria Vassilakou.

profil: Ist es nicht eine Ironie der FPÖ-Geschichte, dass einander nun zwei sehr ähnliche Lager gegenüberstehen: da die Familie Haider-Haubner, dort die Nationalen um Ewald Stadler und Andreas Mölzer?
Strache: Es gibt keine Lager in der FPÖ. Diese Diskussion ist völlig skurril und virtuell. Wir sind eine gemeinsame Partei. Ewald Stadler ist ein sehr gescheiter Kopf, der eine wichtige Rolle in der breiten freiheitlichen Gesinnungsgemeinschaft einnimmt. Auf einen wie ihn können wir nicht verzichten. Es gibt allerdings manchmal über den Weg und die Inhalte differenzierte Vorstellungen.
profil: Stadler verschreckt jedenfalls die Wechselwähler.
Strache: Er ist jemand, der eine gewisse Seite der FPÖ abdeckt. Ich selbst bin aber sicher ein ganz anderer Typus als Ewald Stadler.
profil: Haben Sie als bekennender „Nationalliberaler“ Andreas Mölzer bei der EU-Wahl Ihre Vorzugsstimme gegeben?
Strache: Das habe ich. Weil ich der Meinung bin, dass er ein sehr engagierter Intellektueller ist, der auch schon als Kolumnist in der „Kronen Zeitung“ die Probleme der Menschen angesprochen hat, und einer sein wird, der in Brüssel wirklich umrührt.
profil: Der FPÖ-Parteihistoriker Lothar Höbelt vertritt im Gegensatz zu Stadler und Co die These, die FPÖ sei in der Regierung besser aufgehoben, da ihre Anliegen zu einem Gutteil von der ÖVP übernommen worden seien und auf diese Weise auch Rot-Grün verhindert werde. Teilen Sie diese Meinung?
Strache: Wenn man Verantwortung übernommen hat, dann darf man sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Allerdings müssen wir es in der Regierung besser machen als bisher. Mehr soziale Wärme, bessere Altenbetreuung, eine Sicherheitsoffensive mit 3000 neuen Beamten und einem neuen Exekutivdienstgesetz. Mit der Aufhebung des Ausländerwahlrechts
in Wien haben gerade wir Freiheitliche, die den Verfassungsgerichtshof angerufen haben, das Heimatrecht der Staatsbürger gesichert.
profil: Nicht nur Ex-Justizminister Dieter Böhmdorfer, auch andere FPÖ-Politiker fühlen sich von Wolfgang Schüssel schlecht behandelt. Wie würden Sie Ihr Verhältnis zum Bundeskanzler beschreiben?
Strache: Ich habe zu ihm kein persönliches Verhältnis. Ich habe in meinem Leben noch nie das zweifelhafte Vergnügen gehabt, mit ihm zu plaudern.
profil: Jörg Haider hat Ihnen vor zwei Wochen sogar den Parteivorsitz angeboten. Wieso haben Sie dies abgelehnt?
Strache: Man hat vor dieser Bundesvorstandssitzung nicht das Gespräch mit mir gesucht. Erst in dieser Sitzung war das ein nebuloses Thema, das für mich zu diesem Zeitpunkt keine Aktualität hatte.
profil: Ist Ursula Haubner die geeignetste Parteichefin?
Strache: Sie ist eine Integrationsfigur in einer sehr schwierigen Situation.
profil: Wie finden Sie die neue Justizministerin?
Strache: Eine interessante Person, der man die Chance geben muss, sich zu behaupten.
profil: Sie zählt nicht zum allerletzten Aufgebot der FPÖ?
Strache: Mit Sicherheit nicht. Wir haben so viele kluge Köpfe, von Willi Brauneder über Beate Hartinger bis Barbara Kappel – die sollten alle stärker eingebunden werden. Das wäre ein Schritt in die Zukunft.
profil: Karin Miklautsch ist auch kein „Boxenluder“, wie Jörg Haider sie launig befunden hat?
Strache: Das ist ein Begriff, der nicht gerade fein ist und den ich gegenüber einer Dame nicht verwende.
profil: Aber hätte nicht gerade die ehemalige Honoratiorenpartei FPÖ einen kompetenteren Kandidaten für das Justizressort finden können als die Leiterin einer Landes-Wasserrechtsabteilung?
Strache: Wir haben tatsächlich viele interessante freiheitliche Persönlichkeiten, die im Justizbereich tätig sind. Leider kann aber nur derjenige Minister werden, auf den die Entscheidung fällt. Und diese ist auf Karin Miklautsch gefallen.
profil: Ist, Kärntner zu sein, eigentlich schon genug Qualifikation, um in der FPÖ Karriere machen zu können?
Strache: Ich habe manchmal den Eindruck, dass man das Kärntner Erfolgsmodell eins zu eins auf die Bundesebene umlegen will. Ich glaube nur, dass das nicht funktionieren kann. Man sollte auch die anderen Landesgruppen stärker einbinden.
profil: Ist die blaue Regierungsfraktion ausreichend umgebildet worden, oder sollten weitere Änderungen folgen?
Strache: Ich war in diesen Entscheidungsprozess nicht eingebunden und bin über die Veränderungen nur informiert worden. Ich habe sie zur Kenntnis genommen, und wie ich höre, wird man keine weiteren Umbildungen vornehmen. Wäre ich in den Entscheidungsprozess eingebunden gewesen, hätte ich aber doch vieles anders gemacht.
profil: Zum Beispiel?
Strache: Das werde ich hier nicht ausführen, sondern nur in den Gremien.
profil: Wien wählt 2006 – wenn nicht schon früher. Wie es aussieht, wird die SPÖ ihre absolute Mehrheit weiter ausbauen können, denn Ihre Landes-FPÖ wird die 20 Prozent vom letzten Mal nicht halten können.
Strache: Man hört, dass die SPÖ in den Umfragen derzeit bei 57 Prozent liegt. Weil sie es geschafft hat, die Menschen anzuschwindeln. Die SPÖ unter Michael Häupl ist aber alleine verantwortlich für die Missstände und Belastungen in dieser Stadt. Die Belastungswelle des roten Wien treibt die Menschen in die Armutsfalle. Wir Wiener Freiheitliche sind jene Kraft, die das schonungslos aufzeigt. Wir haben einen Generationswechsel vorgenommen, wir haben frischen Wind in die Stadt hineingebracht, und wir küssen Wien derzeit wach. Wir strahlen heute Modernität und Urbanität aus.
profil: Wie gefällt Ihnen denn die neue Wiener Grünen-Spitzenkandidatin Maria Vassilakou?
Strache: Ich bin schon gespannt darauf, wie eine Stadträtin griechischer Herkunft die Interessen der türkischen Mitbürger in dieser Stadt vertreten kann. Als Person ist sie aber durchaus sehr interessant. Ich glaube, dass man mit ihr gut reden und auch sachpolitisch gemeinsame Wege finden kann.
profil: Gilt das auch für den neuen ÖVP-Frontmann Johannes Hahn?
Strache: Ich stelle fest: Wenn sich die Wiener ÖVP heute auflösen würde, es würde niemandem auffallen. Sie ist nicht existent. Und der Herr Hahn ist nicht wirklich der Lichtblick für das Wiener Bürgertum, vor allem nicht für wertkonservative Menschen, die für Ordnung, Sicherheit und Leistungsorientiertheit stehen.
profil: Im Vergleich zum eher liberalen Hahn ist Heinz-Christian Strache also der bessere Konservative.
Strache: Es gibt in der ÖVP eine große Wählerklientel, die mit dem grünen Kurs der jetzigen ÖVP-Spitze um Johannes Hahn einfach nichts anfangen kann. Wir wollen aber nicht nur diese Menschen ansprechen, sondern vor allem auch die Arbeiterschaft, die nicht links ist. Die fleißigen und anständigen Bürger, die von der SPÖ durch die vielen Tarif- und Gebührenerhöhungen belastet worden sind. Da können wir durch eine kantige Politik das Vertrauen der Menschen gewinnen.
profil: Würden Sie eines Tages gerne Bundesparteiobmann der FPÖ werden?
Strache: Das ist für mich zurzeit kein Thema. Ich fühle mich in Wien sehr wohl. Hier liegt mein ganzes Herz.
profil: Auf den in ganz Wien affichierten HC-Strache-Plakaten versuchen Sie aber doch sehr bewusst, Erinnerungen an den jungen Haider zu wecken.
Strache: Das ist ein liebenswürdiger Vergleich. Ich bin aber ein ganz anderer Typus als Jörg Haider. Ich bin der junge Strache.