„Es ist Geld bezahlt worden“

Franz Limpl, geheimer Organisator des Haider-Trips zu Saddam Hussein, über dessen Spende für die Besucher aus Kärnten.

Interview: Herbert Lackner

profil:
Herr Limpl, was hat Sie in den Irak verschlagen?
Limpl: Ich bin seit 1981 in Bagdad, habe dort meinen Wohnsitz und war elf Jahre lang direkt beim irakischen Staat angestellt. Jetzt bin ich wieder selbstständiger Consultant für Wirtschaftsangelegenheiten in Bagdad.

profil: Hatten Sie Kontakt mit wichtigen Staatsfunktionären?
Limpl: Praktisch zur gesamten ehemaligen Staatsspitze, inklusive Saddam Hussein.

profil: Wie ist es zu diesen Kontakten gekommen?
Limpl: Als Angestellter des irakischen Industrieministeriums hatte ich Kontakte zu fast allen Ministern durch meine Tätigkeit als Projektmanager.

profil: Kannten Sie Jörg Haider?
Limpl: Natürlich. Ich bin ja Kärntner, kannte Jörg seit über 25 Jahren persönlich, und meine Frau war jahrelang FPÖ-, dann BZÖ-Funktionärin und auch Landtagsabgeordnete.

profil: Können Sie beschreiben, wie es zum Besuch Haiders bei Saddam Hussein gekommen ist?
Limpl: Ich habe in einem persönlichen Gespräch von Saddam Hussein den Auftrag erhalten, eine Verbindung zum international bekannten „Revoluzzer“ Jörg Haider herzustellen und auszuloten, ob er bereit wäre, das Image des Iraks und auch jenes von Saddam Hussein in Europa positiv zu beeinflussen. Ich habe Haider darauf angesprochen, und er war sofort damit einverstanden.

profil: Wollen Sie damit sagen, das ist alles zwischen Saddam Hussein, Franz Limpl und Jörg Haider gelaufen?
Limpl: Nein. In alle Aktivitäten war der damalige Botschafter in Wien, Naji Sabri al-Hadithi, eingebunden. Er war ja dann bis zum Ende des Regimes auch Außenminister des Iraks.

profil: Hat Haider Geld von Saddam bekommen?
Limpl: Ja, ich weiß, dass Geld dafür bezahlt worden ist. Meinen Informationen nach waren es nicht genau die Summen, die zuletzt kolportiert wurden. Für diese Geldangelegenheiten war immer Haiders Sekretär Karl Heinz Petritz zuständig. Ich hatte den Eindruck, Haider selbst wollte offiziell nichts damit zu tun haben.

profil: Um welche Summen ging es Ihren Informationen nach?
Limpl: Die Summen, die ich kenne, sind einmal 500.000 US-Dollar, die Haiders Delegation beim ersten Besuch zugesagt wurden. Petritz hat sich danach in meinem Haus in Bagdad darüber aufgeregt, dass dies zu wenig sei. Er habe mit ein bis zwei Millionen Dollar gerechnet. Das Geld ist dann in Österreich von einem in Sankt Veit/Glan lebenden irakischen Geschäftsmann an Petritz übermittelt worden. Nach dem zweiten Besuch hat es zwei Millionen US-Dollar für Haider gegeben. Wie die Übergabe dieses Gelds erfolgte, weiß ich nicht. Saddam hat mich danach gefragt, ob diese Summe wohl okay war.

profil: Wissen Sie, was mit dem Geld geschehen ist?
Limpl: Petritz hat immer gesagt, man müsse die leere Parteikasse auffüllen, um Geld für die Wahlkämpfe beziehungsweise Werbekampagnen zu haben.

profil: Wissen Sie von Zahlungen an Ewald Stadler?
Limpl: Nein, zu diesem Zeitpunkt des Besuchs, bei dem er mit war, war ich in Kärnten und habe mit einer Sekretärin des Protokolls die Vorbereitungen für die Ankunft und Behandlung der beiden schwer kranken irakischen Kinder vorbereitet.

profil: Hat Saddam die von Stadler gegründete Irakisch-Österreiche Gesellschaft unterstützt?
Limpl: Indirekt sicher, denn für diese Aktion gab es Geld. Wie viel und wie und wo die Übergabe erfolgte, das weiß ich nicht.

profil: Stadler sagt, Geld habe es nur für die Behandlung der kranken irakischen Kinder in Klagenfurt gegeben.
Limpl: Dafür gab es auch Geld. Nach dem Besuch von Haider und Stadler war ich in Kärnten damit beschäftigt, alle Voraussetzungen für die Behandlung der beiden Kinder im LKH ­Klagenfurt zu organisieren, zusammen mit der Protokollchefin des Landeshauptmanns, Frau Zwarnig. Bei der Abrechnung gab es dann lange Zeit große Schwierigkeiten mit den Zahlungen, sowohl jener an das Landeskrankenhaus als auch jener an den Gasthof Krall, wo die Väter der Kinder untergebracht waren. Auch wegen der AUA-Tickets gab es Probleme. Ich glaube, dass die vereinbarten Zahlungen für dieses Imageprojekt Haiders sehr verspätet erfolgt sind. Für die Finanzfragen war wieder Petritz zuständig.

profil: Hatte Saddam etwas mit Haiders legendärem Al-Jazeera-Auftritt zu tun?
Limpl: Ohne Zweifel. Es soll nach dem Interview auch zu einer weiteren Zahlung gekommen sein, deren Höhe ich aber nicht kenne.

profil: Haider nahm später immer wieder zugunsten des Iraks Stellung, etwa zu Beginn des zweiten Irak-Kriegs. Ist dafür Geld geflossen?
Limpl: Zu diesem Zeitpunkt hat, so glaube ich, Saddam eingesehen, dass Haider ihm kaum noch helfen konnte, und hat sich andere Wege gesucht, um seinen Kopf zu retten.

profil: Walter Meischberger schrieb in sein Tagebuch, Haiders Ex-Sekretär Franz Koloini habe ihn über fünf Millionen Dollar informiert, die Haider von Saddam bekommen habe. Kann Koloini einen solchen Wissensstand gehabt haben?
Limpl: Ja. Ich bin überzeugt, dass viele Mitglieder der damaligen „Buberlpartie“, aber auch jetzige Spitzenpolitiker in Wien und vor allem in Kärnten von all diesen „Einkünften“ gewusst haben. Damals waren die ja schon in Partei- und Politikfunktionen.

profil: Wie sieht man den Fall heute im Irak?
Limpl: Die Aufdeckung dieser Zahlungen hat vor zwei Wochen große Wellen geschlagen. In einer irakischen Tageszeitung wurde das Haider-Foto aus dem Al-Jazeera-Interview – mit dem Falken – abgebildet, und es wurde gefragt, ob man nicht von der österreichischen Partei Haiders das Geld am Klageweg zurückfordern könne, denn es sei ja Volksvermögen des Iraks gewesen. Daraus ersieht man, dass diese Sache nicht nur in Österreich wieder alte Erinnerungen weckt.