Exklusiv: Gewaschene Kredite

Die Ermittlungen der kroatischen Justiz gegen Ex-Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec bringen nun auch den ehemaligen Hypo-Vorstand Günter Striedinger in arge Bedrängnis. Er wird der Geldwäsche bezichtigt.

Andere Zeiten. Juli 2003, der Vorstand der Hypo Alpe-Adria lädt handverlesene Journalisten zur Pressereise nach Istrien. Sommer, Sonne und Charteryacht sorgen für ausgelassene Stimmung. Auf der Terrasse des mondänen Grandhotels Bernardin in Portoroz plaudert der sonst eher wortkarge Vorstandsdirektor Günter Striedinger entspannt über die höchst erfolgreichen Kroatien-Geschäfte der Kärntner Landesbank. „Wir haben im Ausland keine Risiken. Den Begriff gebrauche ich nicht“, so der Banker.

Kaum vier Jahre später hat sich das Blatt gewendet. Günter Striedinger musste mittlerweile gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Kulterer im Zuge der Swap-Affäre (die Bank hatte im Jahr 2004 erlittene Spekulationsverluste in der Höhe von fast 300 Millionen Euro nicht ordnungsgemäß bilanziert) seine Demission aus dem Vorstand der Bank zur Kenntnis nehmen. Und auch die Folgen der scheinbar so risikofreien Geschäfte in Kroatien holen den 47-Jährigen jetzt ein. Die kroatische Staatsanwaltschaft interessiert sich derzeit nämlich brennend für die Rolle Striedingers bei Kreditvergaben an den in Zagreb der Untreue verdächtigten Ex-Vizeverteidigungsminister Vladimir Zagorec. Der Mitte März infolge eines profil-Artikels in Wien verhaftete und mittlerweile gegen eine Kaution von einer Million Euro wieder auf freien Fuß gesetzte Exgeneral war in den neunziger Jahren dafür verantwortlich, die junge kroatische Armee im jugoslawischen Bürgerkrieg zu bewaffnen. Finanziert wurden die Waffendeals über zahlreiche Schwarzkonten, alleine 77 soll es in Österreich gegeben haben. Insgesamt sollen Zagorec und ein äußerst kleiner Kreis an Eingeweihten um Staatspräsident Franjo Tudjman in den neunziger Jahren 360 Millionen US-Dollar bewegt haben. Nach dem Krieg befanden sich immer noch hohe Geldbeträge auf verschiedenen Konten. Bis auf Zagorec war jedoch kaum einer der Geheimnisträger noch am Leben. Und genau diese Millionen soll Vladimir Zagorec – er gilt heute als einer der reichsten Kroaten – als Besicherung für Immobilienprojekte eingesetzt haben. Mit Wissen und Unterstützung von Günter Striedinger. Diesen Schluss legt das profil vorliegende Rechtshilfeersuchen nahe, das der österreichischen Justiz aus Kroatien übermittelt wurde.

Das an die Abteilung IV/1, Oberstaatsanwalt Dr. Stefan Florian Benner adressierte Schreiben (siehe Faksimile) datiert vom 15. März 2007 und trägt den Betreff „Vladimir Zagorec – Verdacht auf Amtsmissbrauch und Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte“. Darin äußert der kroatische Staatsanwalt Lazo Pajic die Vermutung, dass „die auf den Bankkonten in der Republik Österreich und in anderen Ländern hinterlegten Geldmittel (...) auf Privatkonten von juristischen und natürlichen Personen gelandet sind und später zum Erwerb von Privateigentum (...) genutzt wurden“. Neben Informationen über mehrere Bankkonten bei verschiedenen österreichischen Geldinstituten interessiert sich Pajic vor allem für die „Verknüpfung zwischen Vladimir Zagorec und Personen in der Hypo Alpe-Adria-Bank“. Nach Erkenntnissen der kroatischen Ermittler soll Zagorec, der seit dem Jahr 2000 seinen Wohnsitz im steirischen Mürztal hat, für Immobiliengeschäfte „in Zagreb, Pula, Rovinj, Dubrovnik und auf Hvar“ bei der Kärntner Hypo-Bank Kredite von insgesamt 260 Millionen Euro aufgenommen haben. Als Besicherung soll der 43-jährige Exgeneral das kroatische Schwarzgeld bei österreichischen Banken deponiert haben.

„Die beschriebene Vorgangsweise bietet hinreichend Verdacht, dass es sich dabei um einen klassischen Fall von Geldwäsche handelt“, schreibt Pajic in seiner Sachverhaltsdarstellung. Der kroatische Staatsanwalt vermutet, „dass Herr Striedinger als Vorstandsmitglied dieser Bank, zusammen mit seinem Verwandten (Hermann G., Name der Redaktion bekannt, Anm.), der als Steuerberater für diese Bank tätig war, die Projekte von Vladimir Zagorec finanzierte, weil sie wussten, dass er Einlagen in der Republik Österreich und im Fürstentum Liechtenstein hatte. Wir verfügen nämlich über Informationen, dass G. und Striedinger Firmen in Liechtenstein gegründet hatten. Eine dieser Firmen ist ‚Sambuca Establishment‘ (...) Danach wurde auf das Konto dieser Firma Geld aus Kroatien überwiesen, das als Depositum für die Genehmigung von Krediten an die Firma ‚Sambuca‘ sowie an andere Firmen in Kroatien diente.“ Die angeblich vom damaligen Hypo-Vorstandsdirektor gegründete Sambuca Establishment trat bislang bei zumindest einem Bauprojekt auf der kroatischen Insel Hvar in Erscheinung. Kolportierte Investitionssumme: 70 Millionen Euro. Genau jener Betrag also, den die Hypo Alpe-Adria nach offizieller Darstellung für Projekte des Vladimir Zagorec vorgestreckt hat. Im Rechtshilfeersuchen heißt es weiter: „Nach der Umsetzung der Projekte wurde das aus Straftaten stammende Geld ‚gewaschen‘, wobei nach der Veräußerung von Liegenschaften mit Bürogebäuden diese Mittel als legales Geld in das System zurückgeführt wurden.“ Kurz: Die kroatische Justiz bezichtigt den ehemaligen Hypo-Alpe-Adria-Vorstandsdirektor Günter Striedinger der Geldwäsche.

Enge Verbindungen. „Das ist aus meiner Sicht alles Blödsinn“, so Günter Striedinger, von profil mit den Vorwürfen konfrontiert. Der 47-Jährige, der mittlerweile als selbstständiger Investmentberater arbeitet, bestätigt jedoch, geschäftliche Kontakte zu Zagorec gepflegt zu haben. „Ich habe das im Rahmen meiner Hypo-Funktion gemacht“, so Striedinger. Zwischen ihm und dem genannten Hermann G. bestünde keinerlei Verwandtschaft. Dieser wäre in der Vergangenheit „steuerlich für die Hypo tätig gewesen“. Nicht nur das. Der Steuerberater sitzt außerdem im Aufsichtsrat der Klagenfurter Gigweh Holding GmbH, die unter anderem Alleineigentümerin von Striedinger’s Lust & Laune Hotelbetriebs GmbH ist. Geschäftsführer dieser beiden Gesellschaften ist niemand anderer als Gerald Striedinger, der jüngere Bruder des Ex-Bankers. Hermann G. unterhält aber auch enge Beziehungen zu Vladimir Zagorec. Der Kroate ist laut Firmenbuch nur an zwei Gesellschaften beteiligt, darunter die Aktor Immobilienverwertung GmbH mit Sitz in der Wallnerstraße 2 in der Wiener Innenstadt. An selber Adresse residiert jedoch auch eine CEE Invest Holding Aktiengesellschaft, deren Vorstand Hermann G. ist. Und auch eine Mercurius Immobilieninvest AG findet sich dort, Aufsichtsrat: Hermann G. Auch in zwei Privatstiftungen, die Zagorec zuzuordnen sind, scheint G. als Vorstand auf. Für Günter Striedinger „sozusagen ein Zufall“. Die Behörden hätten sich bei ihm jedenfalls noch nicht gemeldet. Die Klagenfurter Staatsanwältin Carmen Riesinger bestätigt indes, dass „aufgrund des Rechtshilfeersuchens gerichtliche Vorerhebungen wegen des Straftatbestands der Geldwäsche gegen Verantwortliche der Hypo aufgenommen wurden“.

Auch mit Striedingers Nachfolger im Hypo-Vorstand, Josef Kircher, will der kroatische Staatsanwalt so bald wie möglich Kontakt aufnehmen. Weil dieser „nach unseren Erkenntnissen gerade wegen der dubiosen Umstände in Zusammenhang mit der Genehmigung von Krediten (...) den Rücktritt von Striedinger forderte“. Ein Gerücht, das sich auch in österreichischen Bankenkreisen seit Monaten hartnäckig hält. Josef Kircher dementiert: „Ich kenne weder diese Vermutung, noch habe ich das vorangetrieben. Das sind Schmutzkübel, wie sie seit Monaten über die Hypo ausgeleert werden.“

Statt derlei Anwürfe zu kommentieren, würde Kircher wohl viel lieber von den Erfolgen seiner Bank erzählen. So konnte erst kürzlich ein 50 Projekte in Serbien und Kroatien umfassendes Immobilienpaket mit einem Gewinn von 60 Millionen Euro an eine kroatische Investorengruppe verkauft werden. Für die rechtliche Abwicklung des Deals sorgte jene Anwaltskanzlei, die in Österreich die Interessen von Vladimir Zagorec vertritt.

Von Josef Redl