Expertenstreit im Salzburger Finanzskandal

Der Salzburger Finanzskandal wird über geraume Zeit Österreichs Gerichte beschäftigen.

Vergangenen Freitag begann der Arbeitsprozess der entlassenen Referatsleiterin Monika Rathgeber gegen das Land Salzburg. Sie klagt auf Wiedereinstellung. Aber auch auf einem Nebenschauplatz werden bereits die Messer gewetzt. Willi ­Hemetsberger – der vom Land Salzburg als Portfolio-Ausputzer engagierte Chef des Wertpapierhauses Ithuba – droht dem Wiener Derivatexperten Sascha Stadnikow mit Klage. Der Grund: Stadnikow habe in diversen Medien behauptet, Hemetsberger unterliege als ehemaliger Bank-Austria-Vorstand in der Beratung des Landes Salzburg einem Interessenkonflikt. Diese Behauptung sei unwahr und gefährde „den Kredit, den Erwerb und das Fortkommen“ seines Mandanten, schreibt Hemetsbergers Anwalt Armin Bammer und fordert von ­Stadnikow eine schriftliche Widerrufserklärung sowie die ­Zahlung von 2400 Euro für sein anwaltliches Einschreiten. ­Stadnikow: „Es ist mir unverständlich, warum ich Adressat ­dieses Schreibens bin. Ich habe mich zu Herrn Hemetsberger nie geäußert.“

Stadnikows Rechtsvertreter Michael Rami reagierte mit einem gepfefferten Antwortschreiben. Um Kalmierung ist der Anwalt, zu dessen Klienten unter anderen Bankier Julius Meinl V. und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser gehören, eher nicht bemüht. Im Gegenteil. Rami kontert, seine Mandantschaft würde im Rahmen eines Round-Table-Gesprächs mit Hemetsberger gern eine Reihe von Fragen diskutieren – etwa nach dem Ausmaß der Derivatgeschäfte des Landes Salzburg mit der Bank Austria in jenem Zeitraum, als Hemetsberger Vorstandsmitglied des Instituts war; oder zu kolportierten früheren Kontakten Hemetsbergers zum gestrauchelten SPÖ-Finanzlandesrat David Brenner.
Der Ithuba-Chef wollte sich auf profil-Anfrage nicht zum Scharmützel äußern.

Über die Eigentumsverhältnisse der Ithuba gab Hemetsberger dagegen bereitwillig Auskunft. Hauptaktionärin (79 Prozent) des Wertpapierhauses ist eine im zypriotischen Limassol ansässige Gesellschaft namens Depretis Investments, hinter der, laut eigenen Angaben, Hemetsberger selbst steht. Der Finanzexperte dazu: „Wir sind viel in Osteuropa tätig. Zypern bietet dafür im Gegensatz zu Österreich die geeigneten Strukturen.“ Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Hemetsberger, der vom Land Salzburg für einen möglichst steuergeldschonenden Abbau des hochriskanten Portfolios engagiert wurde, unterhält eine Gesellschaft in einem als Steueroase in Verruf geratenen ­Inselstaat.