Faule Eier

Die Notverstaatlichung der Hypo-Alpe-Adria-Gruppe ­gerät immer mehr zum Desaster. Die Bank sitzt auf ­uneinbringlichen Krediten in Höhe von 7,5 Milliarden Euro. Und die wird sie kaum mehr los.

Der Termin steht noch nicht fest, doch rund um Ostern geht es ans Eingemachte. Dann wird Gottwald Kranebitter , seines Zeichens Vorstandsvorsitzender der Hypo Alpe-Adria-Bank International AG, gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen den Canossagang nach Brüssel antreten. In den Räumlichkeiten der „Generaldirektion Wettbewerb“ der Europäischen Kommission an der Rue Joseph II wird die Delegation auf ein „Case Team“ – bis in jedes Detail der Hypo eingearbeitete Sachbearbeiter – treffen. Und die, so viel lässt sich jetzt schon sagen, werden eine Menge Fragen haben.

Milliarden an Staatsgeld wurden in die Hypo gepumpt. Jahr für Jahr musste nachgeschossen werden. In Summe stecken bereits 2,23 Milliarden Euro in der früheren Kärntner Landesbank. Für 2013 hat Finanzministerin Maria Fekter noch einmal 700 Millionen Euro vorgesehen.

Ein Ende? Nicht absehbar. Schlimmer noch: Die Bank sitzt auf einem Berg fauler Kredite, die sie kaum noch zu Geld machen kann.

Filetstücke verkauft
„Heta Asset Resolution“ heißt die Gesellschaft, die wie ein Mühlstein um den Hals der Bank hängt. Eine Art interne Bad Bank , in welche die Hypo den Großteil all ihrer Verlustgeschäfte geparkt hat. Ihr Volumen: kolossale 11,7 Milliarden Euro. Darin befindet sich ein buntes Potpourri aus Autos, Lastkraftwägen, Booten, Grundstücken, Immobilien und Maschinen – Objekte, die als Sicherheiten für Kredite gedient hatten und von der Bank einkassiert wurden. Etliche Mitarbeiter versuchen derzeit, diesen Gemischtwarenladen zu verwerten. Bis Ende vergangenen Jahres hat die Abverkaufsgesellschaft unter anderem Hunderte Lkws, Dutzende Boote und Tausende Autos verscherbelt und so rund 1,2 Milliarden Euro erlöst. Es ist davon auszugehen, dass die Filetstücke mittlerweile verkauft sind. Was noch da ist, wird möglicherweise auch da bleiben, weil unverkäuflich. So ging etwa 2012 etwa die letzte große Industriebeteiligung, die kroatische Verpackungsgruppe Aluflex, an den Wiener Investor Michael Tojner. Aktuell bietet die Hypo das Fünf-Sterne-Hotel „Grand Hotel Lav“ in Split zum Verkauf. Aber: Tourismusbetriebe waren zuletzt aufgrund der schlechten Konjunktur kaum an den Mann zu bringen. Der Rest ist mühsames Groschengeschäft. Da geht es etwa um Baukräne in der Ukraine, für die Käufer gefunden werden müssen – zum Stückpreis von maximal 10.000 Euro. Boote wiederum müssen regelmäßig gewartet und gepflegt werden, Schiffsmotoren einmal wöchentlich gestartet, damit sie in Schuss bleiben. Das bedeutet nicht unerheblichen Geld-, Personal- und Organisationsaufwand. Dass Autos Jahr für Jahr an Wert verlieren, ist jedem klar, der schon einmal einen Gebrauchtwagen verkauft hat. Und der Fuhrpark der Heta umfasst noch Tausende Gefährte, die keinen Käufer finden. „Da werden einige Objekte übrig bleiben, die keiner haben will“, muss denn auch Hypo-Sprecher Nikola Donig eingestehen.

Was noch viel schwerer wiegt: 64 Prozent des Gesamtvolumens der Heta – das sind 7,5 Milliarden Euro – entfallen auf faule Kredite. Also solche, die über einen längeren Zeitraum, teils über Jahre, nicht mehr bedient wurden. „Wir wollen diese Kredite zügig restrukturieren“, erklärt Hypo-Sprecher Nikola Donig. Soll heißen, die Bank will den Kreditnehmern längere Laufzeiten und geringere Raten zugestehen. Was schwierig werden dürfte: Wer seine Schulden heute nicht bedienen kann, wird es aller Voraussicht nach auch morgen nicht können. Zumal von Ländern die Rede ist, die mit massiver Arbeitslosigkeit und steigenden Insolvenzraten zu kämpfen haben. Theoretisch könnte die Hypo die uneinbringlichen Forderungen auch an Dritte verkaufen. Dass andere Banken sich für nicht werthaltige Forderungen rasend interessierten, darf stark bezweifelt werden. Man kann getrost davon ausgehen, dass der überwiegende Teil uneinbringlich bleiben wird. 2,5 Milliarden wurden bereits rückgestellt.

Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Und es werden noch weitere Risikokredite in der Heta landen. Denn die operativen Banktöchter wollen für den Verkauf herausgeputzt werden. Besonders bei den Banken in Italien und Südosteuropa (Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina) liegt noch einiges im Argen. Deren Anteil an faulen Krediten beträgt 14 beziehungsweise 16 Prozent. Als gerade noch vertretbar werden fünf Prozent erachtet. Nicht von ungefähr erweisen sie sich als Ladenhüter. Anders die Österreich-Sparte. Sie ist saniert, hat einen Anteil an faulen Krediten von lediglich drei Prozent und erfüllt bereits alle Kapitalvorschriften. Sie soll noch heuer unter den Hammer kommen.
Hypo-Vorstand Kranebitter will für die Problemtöchter in Brüssel mehr Zeit für eine geordnete Abwicklung herausschlagen. Laut EU-Vorgaben muss der Staat für die Bankentöchter bis Ende 2014 neue Eigentümer finden. Allerdings: Die rund zwei Milliarden Euro, mit denen die Bankbeteiligungen in den Büchern stehen, werden ohnehin nicht zu erlösen sein. Und ob er mit seiner Bitte um Zeitaufschub auf Gehör stößt, ist fraglich.

EU-Kommission droht mit Schließung
Vorvergangenes Wochenende jedenfalls stellte EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia den österreichischen Behörden die Rute ins Fenster. Die Kommission droht mit Schließung der notverstaatlichten Hypo. „Die Bank erhält seit 2008 staatliche Unterstützung, und die österreichischen Behörden sind noch immer nicht in der Lage, uns eine endgültige Entscheidung oder einen sinnvollen Restrukturierungsplan für diese Bank vorzulegen“, monierte Almunia. Der Anfang Februar vorgelegte Maßnahmenkatalog dürfte, so scheint es, den Ansprüchen der EU nicht genügen.

Kranebitter zeichnet indes ein Horror­szenario: „Wenn wir zu Notverkäufen gezwungen werden, muss der österreichische Staat wieder nachschießen.“ Nämlich fünf bis sechs Milliarden Euro. Unter anderem weil Haftungen schlagend und konzerninterne Finanzierungen umfallen würden. Ob sich die EU von dieser Drohgebärde beeindrucken lässt, wird sich zeigen.

So oder so: Auf die Republik wird noch einiges zukommen. Wie viel die Rettung der Bank den Steuerzahler, abgesehen von den Finanzspritzen durch die Republik, letztlich kosten wird, weiß man erst, wenn das Portfolio der Heta abgebaut ist. Das verheißt nichts Gutes.

Hintergrund
Teures Geschäft
Eines ist sicher: Für die Republik ist die Bankenhilfe ein Verlust. Wie hoch dieser ausfällt, lässt sich aber erst beziffern, wenn die verstaatlichten Banken Hypo und KA Finanz (Bad Bank der Kommunalkredit) abgewickelt sind und der Anteil an der ÖVAG wieder verkauft ist. Neben der Hypo (700 Millionen Euro) sind auch bei der KA Finanz (500 Millionen) bereits weitere Zuschüsse budgetiert. Ob die ÖVAG um weitere Hilfen ansuchen wird, ist derzeit noch offen.

Die Bawag ist nun die erste Bank, die das eingeschossene Partizipationskapital (PS-Kapital) zu tilgen beginnt. 50 Millionen von insgesamt 550 Millionen Euro will die ehemalige Gewerkschaftsbank demnächst an den Staat überweisen. Raiffeisenbank International (1,75 Milliarden PS-Kapital) und Erste Bank (1,2 Millliarden) denken derzeit nicht daran, ihre Milliardenhilfen zurückzuzahlen.