'Faymann persönlich durchaus umgänglich':
Strache nimmt Stellung im profil-Interview

Interview. FPÖ-Parteichef Heinz-Christian Strache über die Krisen in EU und SPÖ, die eigenen Kanzler-Ambitionen und dänisches Bier.

profil: Herr Strache, in einem „Presse“-Interview kritisierten Sie die Teilnahme der Türkei an der Fußball-EM. Der Erfolg der Türken bei der EURO muss Ihnen wehgetan haben.
Strache: Überhaupt nicht. Man muss den Türken gratulieren. Sie haben toll gespielt. Dennoch ist es unverständlich, dass Mannschaften, die nicht europäisch sind, bei einer EURO teilnehmen.

profil: Bei Ihnen schwingt immer ein gewisses Maß an Boshaftigkeit mit. Warum sollen die Türken nicht mitspielen?
Strache: Auch beim Eurovisions-Songcontest sind nichteuropäische Länder vertreten. Da gibt es ein Muster. Den Europäern soll auf Dauer beigebracht werden, dass die EU ein euro-asiatisch-afrikanisches Projekt werden soll. Man will offenbar eine Bewusstseinsänderung.

profil: Sie sehen also eine Verschwörung, an der sogar die UEFA beteiligt ist.
Strache: Es ist eine Europameisterschaft und keine euro-asiatische Meisterschaft. Durch die Teilnahme der Türkei an der EURO 2008 soll deren EU-Beitritt vorweggenommen werden.

profil: Welches Motiv steckt da dahinter?
Strache: Die EU-Technokraten wollen die Türkei, Algerien, Marokko und dann Israel in die EU holen. Hier geht es um wirtschaftliche, außenpolitische und militärische Interessen. Die Europäer sollen in den Nahostkonflikt hineingezogen werden und diesen auch bezahlen. Dahinter steckt auch die Bush-Administration.

profil: Maßgebliche EU-Länder wie Deutschland sind auf Distanz zu Bush.
Strache: Dass sich die EU einmal einen Millimeter Eigenständigkeit zutraut, heißt noch lange nicht, dass Europa von den USA abrückt. Europa muss eigenständig werden. Die EU ist heute der Gipfel des Globalisierungswahnsinns. Wenn ich heute in den EURO-Fanzonen von Wien bis Innsbruck Wahnsinnspreise zahlen muss und aus­schließlich schlechtes dänisches Bier dafür bekomme, hat das nichts mehr mit freier Marktwirtschaft zu tun.

profil: Was für ein Europa wollen Sie eigentlich? Sie lehnen den Lissabon-Vertrag ab, auch den Nizza-Vertrag. Was halten Sie vom Maastricht-Vertrag?
Strache: Wir wollen vor allem kein Europa, in dem abgehobene Bürokraten die europäischen Nationalstaaten zu Brüsseler Provinzen machen. Die Völker Europas haben erkannt, dass dieser Weg falsch ist.

profil: Woher wissen Sie das?
Strache: Die Iren haben den EU-Vertrag abgelehnt, genau an meinem 39. Geburtstag am 12. Juni, wozu ich ihnen gratuliere. Und wenn ich nach Frankreich schaue, wo ich vor Kurzem war, erlebe ich ähnliche Ablehnung.

profil: Das sind die persönlichen Erfahrungen des Touristen Heinz-Christian Strache.
Strache: Des Politikers. Die FPÖ hat in Europa politische Partner, mit denen wir uns austauschen.

profil: Nicht sehr viele.
Strache: Europa ist mehr als die EU. Seit 2005 kooperieren wir mit vier Partnerschaftsparteien innerhalb der EU und mit weiteren außerhalb der EU.

profil: Darunter sind Schmuddelkinder.
Strache: Demokratisch gewählte Parteien können keine Schmuddelkinder sein. Der belgische Vlaams Belang ist dominant in Flandern. Der Front National hat bis zu sechs Millionen Wähler in Frankreich. Das Establishment versucht, unangenehme Kritiker zu bekämpfen, und daher haben wir nicht eine Politikverdrossenheit, sondern eine Politikerverdrossenheit in Europa. Der neue SPÖ-Vorsitzende Werner Fay­mann mag persönlich umgänglich sein, als Regierungsmitglied hat er aber alle unsozialen Entscheidungen der Regierung mitgetragen. Die Politikerverdrossenheit hat rote, schwarze und grüne Gesichter.

profil: Auch ein blaues Antlitz, Ihre persönlichen Werte sind nicht die besten.
Strache: Das finde ich lustig. Die von den Medien veröffentlichten Sympathiewerte werden bewusst gesteuert. Beliebtheit kann man nur am Wahltag festmachen. Ich hatte bei den Wahlen 2006 über 18.000 Vorzugsstimmen in meinem Wahlkreis und habe alle meine Mitbewerber deutlich geschlagen. Ich bin sehr beliebt.

profil: Strache mag man eben?
Strache: Man mag meine gerade, authentische, ehrliche Art. Es gibt genug rückgratlose Politiker, die nur Karriere machen wollen. Es braucht einen neuen, unverbrauchten Typ Politiker, der nicht in Netzwerken und Parteipolitik verfangen ist.

profil: Ein neuer Typ Politiker, der wie Sie nie Regierungsverantwortung übernehmen wird oder will. Sie sind ein genuiner Oppositionspolitiker.
Strache: Das ist völlig falsch.

profil: Das heißt, Sie wollen 2010 regieren?
Strache: Wir wollen so stark werden, dass das politische System aufgebrochen werden kann. Das bedeutet, dass die Massenzuwanderung gestoppt werden muss und soziale Leistungen zuerst den Österreichern zugutekommen.

profil: Die Regierungsparteien haben die Zuwanderungsregeln ohnehin verschärft.
Strache: Das war doch eine Farce. Es gibt nach wie vor 50.000 Zuwanderer pro Jahr.

profil: Wollen Sie in eine Bundesregierung oder nicht?
Strache: Ich gehe nicht in eine Regierung, wenn ich inhaltlich nichts bewegen und ändern kann. Ich will die unverantwortlichen roten und schwarzen Politiker abstrafen.

profil: Sie waren für die große Koalition.
Strache: Falsch. Weil ich ein politischer Realist bin, habe ich schon vor den Wah­len gesagt, dass eine große Koalition unvermeidlich sein wird. Wenn die Großparteien nach den nächsten Wahlen so sehr geschwächt sind, dass sie unsere Positionen übernehmen müssen, werden wir Regierungsverantwortung übernehmen.

profil: Dann gibt es einen Vizekanzler Heinz-Christian Strache.
Strache: Warum nur Vizekanzler? Warum nicht Bundeskanzler?

profil: Weil Sie behauptet haben, Sie seien ein politischer Realist.
Strache: Ich bin ein großer Realist und habe Perspektiven. Ich schaue in die Zukunft.

profil: Nennen Sie ein Datum für den Beginn Ihrer Kanzlerschaft: 2014, 2018?
Strache: Mein erstes Ziel ist es, in Wien Bürgermeister zu werden. Wir werden 2010 die absolute Mehrheit der präpotenten SPÖ von Michael Häupl brechen.

profil: Wenn Sie Wiener Bürgermeister sind, wird es dann im Rathaus auch weiterhin einen Life Ball geben?
Strache: Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es beim Life Ball in den letzten Jahren mehr um das Spektakel als um den guten Zweck der Aidshilfe geht.

profil: Ihr stellvertretender Parteichef Karlheinz Klement bezeichnet den Life Ball als ein „Homofestl“ und Homosexualität als „Kultur des Todes“.
Strache: Von der „Kultur des Todes“ hat der Papst gesprochen, aber ich kommentiere nicht Zitate anderer Abgeordneter.

profil: Klement ist Ihr Stellvertreter als Parteichef.
Strache: Fragen Sie ihn selbst.

profil: Ist Homosexualität wider die Natur, wie Klement behauptet?
Strache: Sexualität ist Privatsache. Ich bin aber nicht geneigt, Sexualität zu fördern, zu subventionieren oder zu kommentieren.

profil: Was verstehen Sie unter „Sexualität fördern“?
Strache: Beziehungen sind dann förderungswürdig, wenn Kinder gezeugt werden können. Deshalb lehnen wir auch die Homo-Ehe ab und wollen die Familie und die Ehe zwischen Mann und Frau mit Kindern fördern.

profil: Ist Homosexualität Ihrer Meinung nach abnormal oder nicht?
Strache: Ich würde solche Worte nicht verwenden.

Interview: Gernot Bauer