Fernsehen zum Gernsehen

Am Donnerstag wird die neue ORF-Führung gewählt. In unserem nie geführten Exklusivinterview spricht das nicht gänzlich parteiferne Favoritenpaar Monika Lindner und Werner Mück Klartext.

profil: Darf ich mit einer persönlichen Frage beginnen?
Mück: Ach Gott, das musste ja kommen … Also gut: Ich liebe die Frauen, ehrlich. Wenn ich kein Mensch wäre, wär ich selbst gern eine. Und auch mit Hintern habe ich in Wirklichkeit überhaupt kein Problem. Letztens im Freibad, da …
profil: Ich wollte eigentlich nach Ihrer derzeitigen Lieblingssendung im ORF fragen.
Mück: Oh. Ja. Nun, da fällt mir die Antwort leicht, das ist die „Zeit im Bild 2“, vor allem, wenn sie Armin Wolf moderiert. Haben Sie damals das Interview mit dem Grasser gesehen? Das war ja vielleicht eine Hetz!
profil: Äh, reden wir von demselben Armin Wolf? Dem, mit dem Sie sich so blendend verstehen? Dem mit der Brandrede?
Mück: Selbstverständlich! Da können Sie einmal sehen, wie ungeheuer liberal es bei uns zugeht. Und der Herr Wolf, der ja fürwahr einer unserer Besten ist, ist ja sogar für noch höhere Aufgaben vor-gesehen.
profil: Tatsächlich?
Mück: Ja! Es wird da diesen „Willkommen Österreich“-Wetterballon geben! Mehr will ich aber noch nicht verraten.
profil: Da bin ich aber gespannt. Und Ihre Lieblingssendung, Frau Generaldirektorin?
Lindner: Ach, wissen Sie, ich hab so viel um die Ohren, ich komm ja praktisch nie zum Fernsehen.
profil: Böse Zungen sagen, Sie hätten vor allem Telefone mit ÖVP-Politikern dran um die Ohren.
Lindner: Das ist eine üble Unterstellung, die durch die ständige Wiederholung auch nicht wahrer wird.
Mück: Dem kann ich nur voll und ganz beipflichten. Dieser Vorwurf ist erstunken und erlogen.
profil: Woher wissen Sie das?
Mück: Na, ganz einfach: Weil die nicht bei ihr anrufen, sondern bei mir.
Lindner: Das Wetter.
profil: Das Wetter?
Lindner: Das Wetter schau ich gern. Weil, wissen Sie, wenn man’s nicht schaut, dann hat man vielleicht am nächsten Tag zehenfreie Pumps an, und es rinnt einem das Wasser hinten rein und vorne raus.
Mück: Was man als Frau alles erdulden muss! Diese Benachteiligungen müssen wirklich endlich aufhören. Wir werden hier eine Kommission einsetzen. Die könnte auch der Wolf machen. Er sieht ja als Erster, wie das Wetter wird.
profil: Was wird denn nun alles besser werden, sollten die Stiftungsräte Ihrer Bewerbung den Vorzug geben?
Lindner: In der Information muss die Pluralität unbedingt gestärkt werden. Es geht nicht an, dass Willi Molterer bestimmt, was in der „Zeit im Bild“ gesendet wird.
Mück: Genau. Es muss auch einmal ein Reinhold Lopatka mitreden können. Der hat meistens gar nicht einmal so falsche Ansichten.
Lindner: Oder der Erwin Pröll.
Mück: Nicht zu vergessen die Elisabeth Gehrer.
Lindner: Naja, die wird ohnehin ziemlich beschäftigt sein mit der Präsentation von „Mei liabste Weis“.
profil: Äh …
Mück: Ich dachte, die kriegt „Frisch gekocht“?
Lindner: Nein, nein, das macht die Rauch-Kallat-Mitzi. Ihr Hirn ist ein Gedicht.
profil: Also, mit Verlaub …
Lindner: Nein. Mit Ei.
profil: Und als Nächstes erzählen Sie mir, dass Franz Morak „Treffpunkt Kultur“ moderiert und Vera Russ-wurm die nächsten „Sommergespräche“ macht.
Lindner: Geh.
Mück: Also, so ein Blödsinn.
profil: Jetzt bin ich doch ein bisschen erleichtert.
Lindner: Die Sendung heißt natürlich nur mehr „Sommergespräch“. Wir haben uns entschlossen, die Ressourcen hier ein wenig zu bündeln und nur mehr Bundeskanzler Schüssel zu interviewen.
Mück: Und die Russwurm war wirklich hervorragend beim Casting.
profil: Gegen wen?
Mück: Lizzy Engstler, Sepp Forcher und Rolf-Rüdiger von „Confetti--Tivi“.
Lindner: Obwohl die auch alle gut waren. Es ist schön, wenn man im eigenen Haus so unerhört talentierte Politjournalisten hat.
profil: Aber woher wollen Sie denn wissen, dass der nächste Bundeskanzler auch wirklich Schüssel heißt?
Lindner: Der ist ja vielleicht gspaßig.
Mück: Braucht der Papst ein Doppelbett? Schneit es im Winter? Hören Sie, wir verstehen unser Geschäft. Natürlich wird das der Schüssel.
profil: Wird eigentlich noch irgend-jemand im ORF vorkommen, der kein Schwarzer ist?
Mück: Hören Sie, wir sind nicht so vermessen zu behaupten, dass wir keine Fehler machen.
Lindner: Sicher nicht.
Mück: Das wird schon das eine oder andere Mal passieren. Wir werden uns aber bemühen, diese Ausrutscher im Wesentlichen auf eine Sendung zu konzentrieren.
profil: Welche denn?
Lindner: „Heimat, fremde Heimat“.