"Dont worry, be happy"

Herbert Lackner über Fiona Swarovskis und Karl-Heinz Grassers Leben unter dem Damoklesschwert: immer lustig, fesch und munter.

Steht er im Dachgarten seiner Ringstraßen-Wohnung, könnte er hinüber auf den Ballhausplatz sehen, wäre da nicht der Klotz der Hofburg. Keine fünf Gehminuten sind es zum Zentrum der Staatsmacht, und wenn Fiona im nahen Volksgarten joggt, wie sie dem „Seitenblicke“-Magazin anvertraute, dann läuft sie direkt unter den Fenstern des Kanzlerbüros vorbei. Dort könnte heute ihr Karl-Heinz sitzen.

Zwischen dem Kanzleramt und dem Polit-Star von gestern liegen freilich größere Hindernisse als Hofburg und Heldenplatz. Es geht um viel Geld in Stiftungen in Liechtenstein, über das weder Karl-Heinz Grasser noch die diskreten Hüter seiner Briefkästen etwas sagen wollen. Erst vergangene Woche hat Liechtenstein der Wiener Korruptionsstaatsanwaltschaft, die die Öffnung der Konten verlangt, wieder einmal die lange Nase gedreht – ziemlich zeitgleich mit einem Interview Grassers in der Zeitung „Österreich“, in dem er die lange Dauer des Verfahrens beklagt.

Von vier bis neun Millionen auf Grassers Konten war zuletzt die Rede, und diese können weder aus seinem Ministerbezug – 16.000 Euro brutto – noch aus seinem nur 18 Monate währenden Engagement bei Meinl International Power (MIP) stammen. Wenn doch, wäre das erst recht ein Skandal: Die Käufer der MIP-Papiere haben immerhin ein Drittel ihres Geldes verloren.
Das Ehepaar Karl-Heinz Grasser und Fiona Pacifico-­Griffini-Grasser (Swarovski, wie sich Frau Fiona gern nennt, war ­eigentlich nur der Mädchenname ihrer Oma mütterlicherseits) wohnt am Burgring in einem jener gediegenen Ringstraßenhäuser, in dem einst die Lebenswelten des Adels und des Wiener Großbürgertums verschmolzen.

Die Familie ist dort durchaus beliebt:
Fiona sei stets freundlich zu den anderen Hausparteien und habe sich mehrfach für die Lärmbelästigung während des Umbaus entschuldigt, wird erzählt. Die Kinder von Nachbarn werden mitunter zu Spielnachmittagen ins Penthouse eingeladen.

600 Quadratmeter groß ist dieser Dachausbau mit Pool, nach Schätzungen von Immobilienexperten ist eine solche Anlage in dieser Gegend nicht unter 30.000 Euro pro Monat zu mieten (das Haus gehört der Wiener Städtischen Versicherung). Dazu kommen die Miete für das luxuriös hochgetunte Bauernhaus in Kitzbühel, das 1,3 Millionen teure Anwesen am Wörthersee und natürlich Fionas prächtige Villa in Capri mit Garten am Meer.

Karl-Heinz Grasser und seine Fiona führen das Leben sehr reicher Leute, die ihren Standard auch dann nicht einschränken müssen, wenn sie ein paar Jahre lang nicht arbeiten. Sie führen es allerdings in der Gewissheit, dass sich dieses Leben sehr schnell und sehr nachhaltig ändern kann.

Er habe die beiden heuer in der Wiener Partyszene nicht sehr oft gesehen, erzählt „Chili“-Macher Dominic Heinzl – und wen Heinzl nicht gesehen hat, der war meist tatsächlich nicht da. Wolfgang Fellner, Herausgeber der Tageszeitung „Österreich“, hat vor zwei Wochen ein nicht überhartes Interview mit Karl-Heinz Grasser geführt – eines der wenigen, zu denen sich der zuletzt sehr scheue Ex-Minister überreden ließ. Grasser sei „sicher nicht mehr so fröhlich wie damals“, erzählt Fellner; es sei nicht einmal zu dem am Rande von Interviews üblichen Smalltalk gekommen.

Das Interview fand im Ringstraßen-Hotel Le Méridien statt, in unmittelbarer Nachbarschaft von Grassers Wohnung. Der Ex-Minister zieht in Wien eher enge Kreise. Im Sommer sieht man ihn auf der Albertina-Terrasse am anderen Ende des Burggartens; oft frequentiert er den Nobel-Italiener Fabios auf der Tuchlauben, wo er schon als Minister gerne einkehrte. Später lag sein gemeinsames Büro mit Peter Hochegger und Walter Meischberger gleich nebenan.

Mit Freunden aus der Politik gibt es heute fast keinen Kontakt mehr. Grassers wichtigster Förderer, Wolfgang Schüssel, den Grasser immer hoch achtete, hatte schon im September 2010 in einem profil-Interview seine Sicht dieser Causa klargelegt: „Sollte es irgendein Fehlverhalten gegeben haben, darf nichts zugedeckt werden … Ich habe jedenfalls meine Freunde nicht von Aufträgen profitieren lassen, das ist nicht mein Stil. Aber das muss Grasser argumentieren, niemand anderer.“

Schüssel hatte diese Antwort auf die zu erwartende Frage der profil-Redakteure vorher mit Vertrauten genau abgezirkelt – in diesem heiklen Fall überließ er nichts dem Zufall. Das Auffliegen der Skandale aus den Hinterzimmern seiner eigenen Regierung hatte ihn schwer getroffen – umso bitterer, dass sie letztlich seinen endgültigen Ausstieg aus der Politik bewirkten.

Als die ÖVP und der schwarze Parlamentsklub ihrem Ex-Kanzler Montag vergangener Woche im Dachfoyer der Wiener Hofburg ein Abschiedsfest bereiteten, waren fast alle Regierungsmitglieder seiner Ära gekommen – nur Karl-Heinz Grasser war nicht dabei.

Am ehesten hat Grasser noch Kontakt mit den Freiheitlichen von früher. Mit Walter Meischberger verband ihn eine sich fatal entwickelnde Freundschaft untrennbar, im Sommer sah man ihn auf einem Fest im Garten des BZÖ-Abgeordneten Peter Westenthaler in Liesing. Auch seine politischen Ansichten haben sich wieder denen seines früheren politischen Lagers angenähert. Im erwähnten Interview in „Österreich“ meinte Grasser: „Es braucht heute Politiker in Europa, die diesen Irrweg der Milliardenverschwendung zulasten der Steuerzahler stoppen. Dass man unser Steuergeld den Griechen, Iren, Portugiesen, Italienern und Spaniern schickt, ist nicht in Ordnung … Lasst die Griechen pleitegehen.“
Wolfgang Schüssels Position ist das nicht – von H. C. Strache hört man es fast wortgleich.

So fern Grasser das Politische inzwischen geworden ist, in puncto Gesellschaft hatte das Jahr 2011 doch einiges zu bieten. Beim Hahnenkammrennen war er mit Fiona gleich auf vier Partys aufgekreuzt, und der Society-Reporter von „Österreich“ meldete erregt: „Fiona tanzt im Liebestaumel. So verschmust sah man sie selten.“ In Magazininterviews erzählt Fiona ein wenig von zu Hause. Alles sei prächtig, bloß: Der Karl-Heinz schnäuze sich immer so laut, und sie sage zu ihm schon manchmal „du Trottel!“. Nach Kitzbühel kam die Eröffnung der Roy-Lichtenstein-Ausstellung in der Albertina, und tags darauf ging es schon wieder zum „Kristallzauber“ im tirolerischen Seefeld.

Ende Jänner dann KHGs denkwürdiger Auftritt „Im Zentrum“ samt Verlesung des legendären „Zu intelligent, zu schön“-Briefs. Es war der YouTube-Hit der Saison. Magazine verlosten T-Shirts mit entsprechendem Aufdruck, Zeitungen boten Faschingsmasken „Karl-Heinz“ und „Fiona“ zum Ausschneiden, das Duo Christoph und Lollo, bekannt geworden durch seine Skispringer-Lieder, stellte Songs wie „Wann geht der Karl-Heinz endlich in den Häf’n?“ ins Netz, Ö3 jagte Textproben aus Grassers Briefverlesung durch die iPhone-App „Songify“, was sich recht witzig anhörte.

Weniger witzig wurde die Lage des Power-Couples, als Anfang Mai bekannt wurde, dass Grasser noch als Finanz­minister eine halbe Million Euro im Geldkoffer aus der Schweiz nach Österreich transferiert hatte – angeblich im Auftrag der Schwiegermama, die sein Veranlagungstalent testen wollte.
Wieder lachte das Land.

Am 26. Mai dann das traumatische Erlebnis für die Familie: In den Grasser-Wohnungen in Wien, Kärnten und Kitzbühel begehren 60 Staatsanwälte, Polizisten und Steuerfahnder am frühen Vormittag Einlass und durchwühlen im Zuge einer Hausdurchsuchung alle Schreibtische und Schränke. Wenige Minuten später sind plötzlich Journalisten zur Stelle, vorinformiert von der Justiz.

In der Wohnung am Wiener Burgring werden die Reporter von Anwalt Manfred Ainedter in Empfang genommen: Der Hausherr sei im Ausland, erzählt er. Die Zeitungsleute vermuten Grasser in einer der hinteren Räumlichkeiten der 600-Quadratmeter-Wohnung.

Fiona sagt wenige Tage später in einem „News“-Interview, sie werde jetzt drei Monate lang definitiv nicht in Österreich sein und überlege sich, ob sie überhaupt je zurückkomme.

Es ist Sommer, und die Familie begibt sich nach bella Italia. Am Rande der Biennale besucht man in Venedig die „Big-Bambu-Cocktailparty“, bei der laut Regenbogenpresse auch Monaco-Prinzessin Charlotte Casiraghi („Sie hat sich viermal umgezogen“) feiert. Danach geht’s in Fionas Villa in Capri, wo schon Paparazzi lauern und KHGs Sixpack – er hat sichtlich Zeit fürs Training – und Fionas Allerwertesten fotografieren. Die beiden sind natürlich zu Gast, als „die quirlige Society-Lady Januaria Piromallo di Montebello dei Duchi di Capracotta“ („Bunte“) auf Capri einen Mailänder Anwalt mit deutlich kürzerem Namen heiratet und ein „feuchtfröhliches Dreitagefest“ gibt. Anfang August verfügen sich Grassers in die Villa am Wörthersee, aber schon geht’s für Fiona wieder nach Sardinien in Flavio Briatores „Billionaire Club“ an der Costa Smeralda; dort feiert ein sehr reicher Juwelier Geburtstag. Mit dabei ist diesmal Fionas Sohn Arturo (20), der bei dieser Gelegenheit seine neue Freundin, die Fiat-Erbin Julia Nasi, zeigt. Kurz zuvor hatte er mit einer russischen Oligarchentochter gebrochen.

Karl-Heinz bleibt allein zu Hause.
Auch bei den Filmfestspielen in Venedig taucht Fiona nicht mit dem Gatten, sondern mit einem Herrn Toto Bergamo Rossi auf, der sich der Restaurierung Venedigs widmet. Die Klatschpresse hyperventiliert. Sie telefoniere fünfmal am Tag mit ihrem Karl-Heinz, beruhigt Fiona die Meute.

In Wien wird bekannt, Grasser habe im Lauf der vergangenen Monate von acht verschiedenen Handynummern aus telefoniert, unter anderem mit Walter Meischberger (fünf verschiedene Nummern). Alle Nummern wurden im Auftrag der Staatsanwaltschaft überwacht. Ein Gerichtsakt konstatiert „konspiratives Vorgehen“.

Anfang November sieht man Familie Grasser-Swarovski wieder vereint im Berliner „Grill Royal“, dem angesagtesten Gourmettreff der Stadt. „Sie waren freundlich und entspannt, sind nicht am besten Tisch gesessen, und sie haben nicht den teuersten Wein getrunken“, erzählt ein Besucher der Edelkneipe, der zeitgleich mit den Grassers im „Grill Royal“ dinierte. In Berlin war man wegen der Präsentation eines Nobelwinzers aus Kampanien. In Wien wird am selben Tag ein im Porr-Konzern gefundener Aktenvermerk bekannt, der Grasser und seine Freunde weiter belastet.

Ende November treten Karl-Heinz Grasser und Fiona Swarovski bei der Ronald-McDonald-Kinderhilfe-Gala auch in Wien wieder gemeinsam auf. Fiona hat laut Augenzeugen einen Damenspitz, sitzt auf dem Schoß des Gatten, nuckelt an seinem Ohr, grault seinen Nacken und ist überhaupt „nicht peinlich“, wie sie einer Dame am Nebentisch energisch Bescheid gibt, die Gegenteiliges behauptet hatte.

Und so schließt dieses Jahr. Das nächste wird wohl entscheidend sein im Leben dieser beiden reichen Menschen von so aufregender Gegenwart und so ungewisser Zukunft.