Flagge zeigen

HC Strache soll auf dem berühmten "3-Bier-Foto" auch noch eine Krawatte mit der deutschen Reichskriegsflagge getragen haben – einem Neonazi-Symbol. Aber sicherlich hat er im nie geführten Interview wie immer eine schlüssige Erklärung parat.

Strache: Und damit eines gleich klar ist: Sie klag ich auch!
profil: Aber ich hab doch noch gar nichts gesagt.

Strache: Aber Sie haben so geschaut, als würden Sie gleich etwas sagen.
profil: Und das reicht schon? Sie sind ja schon fast so drauf wie Jörg Haider in seiner besten Zeit.

Strache: So. Und jetzt klag ich Sie erst recht.
profil: Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich falschliegen sollte – aber der jetzige Prozess, den Sie gegen die Zeitung „Österreich“ angestrengt haben, war ja wohl ein klassischer Schuss ins eigene Knie, oder? Ihr Ex-Parteifreund Ewald Stadler hat ausgesagt, dass Sie auf dem Foto, auf dem Sie zweifelsfrei drei Bier bestellen und nicht etwa den Kühnen-Gruß machen, eine Krawatte mit der deutschen Reichskriegsflagge tragen – einem Neonazi-Symbol.

Strache: Ich weiß nicht, wie oft ich es noch sagen soll: Ich habe mit Neonazis nichts am Hut – und schon gar nicht auf der Krawatte.
profil: Wie ist dann diese Flagge auf Ihre Krawatte geraten?

Strache: Das war keine Flagge. Das war ein Fleck vom Paintball, den ich nicht richtig rausgebracht habe. Ich bin quasi dreimal ins Herz getroffen worden und, wie der Zufall so spielte, ausgerechnet in den Farben Schwarz, Rot und Gold.

profil: Und das soll Ihnen wer glauben?
Strache: Nicht?

profil: Nun ja. Nein.
Strache: Na gut. In diesem Fall war die Geschichte so: Ich habe diese Krawatte von meiner damaligen Schwiegermutter zu Weihnachten bekommen.

profil: Geh!
Strache: Zum Geburtstag?

profil: Zu Ihrem oder dem vom Führer?
Strache: Und noch eine Klage.

profil: Ach, wegen einer mehr oder weniger. Also gut – zu Ihrem Geburtstag. Und bei H&M waren damals gerade Reichskriegsflaggenwochen, oder wie?
Strache: Sie sagen es! Die waren damals gleich nach dem Hakenkreuz­abverkauf und vor den Mit-Eichenlaub-und-Schwertern-Designertagen. Und meine Schwiegermutter, mein Gott, sie war halt eine eher einfache Frau und hat leider nicht gewusst, was das ist.

profil: Und Sie offenbar auch nicht.
Strache: Ich bin ja auch eher ein ein­facher Mann.

profil: Manchmal kann man nicht einmal Ihnen widersprechen.
Strache: Sehen Sie! Also woher hätte ich das wissen sollen?

profil: Von Ihren kapperltragenden Freunden vielleicht?
Strache: Gegenfrage: Tragen Sie Baseballkappen?

profil: Manchmal.
Strache: Und können Sie deshalb auch einen Heimlauf schlagen?

profil: Einen was?
Strache: Einen Homerun!

profil: Nein.
Strache: Na sehen Sie! Ich trage das Burschenschafterkapperl aus einem einzigen Grund: Weil es mir so verdammt gut steht! Das bringt meinen bubenhaften Charme noch viel besser zur Geltung. Und da braucht bitte schön wirklich niemand etwas hineinzugeheimnissen.

profil: Wenn dem so ist, hätten vielleicht Ihre Bekannten von der Wiking-Jugend mit ein paar sachdien­lichen Hinweisen aushelfen können.
Strache: Dass die damals neben mir auch Carepakete an die Ostdeutschen verteilt haben, war reiner Zufall, das hab ich jetzt aber auch schon oft genug gesagt. Ich bekomme übrigens heute noch Dankesbriefe von Leuten, die ich damit vor dem Hungertod in einem linken Unrechtsregime bewahrt habe.

profil: Wissen Sie was? Die Schwiegermuttergeschichte funktioniert irgendwie auch nicht.
Strache: Das macht gar nichts, denn es war ja damals in Wirklichkeit so, dass mir der Stadler diese Krawatte geborgt hat. Und auch gebunden. Drum hab ich auch gar nicht sehen können, was da drauf ist.

profil: Das könnte ich mir im Prinzip sogar vorstellen …
Strache: Na endlich! Sehen Sie, was ich immer sag: Es gibt für alles, was man mir vorwirft, immer eine völlig harmlose Erklärung.

profil: … aber ich glaub Ihnen trotzdem nicht, wollte ich sagen.
Strache: Verdammt. Hab ich noch einen Versuch?

profil: Nur zu.
Strache: Ich war vorher auf einem Ländermatch und hab nach dem Schlusspfiff mit einem gegnerischen Fan Krawatten getauscht.

profil: Haben Sie nicht.
Strache: Eh nicht. Weil, es war nämlich so: Es war Fasching, und der Kostümverleiher hat nix Gscheites mehr gehabt. Hab ich mir gedacht: Na, geh ich halt als Neonazi. Dieser englische Prinz da, der hat das ja auch schon einmal gemacht.

profil: Ach bitte!
Strache: Auch nicht? Dann war es eine Luftspiegelung, eine klassische Fata Morgana! Oder nein, ein verirrter Regenbogenteil. He, wo gehen Sie hin? Bleiben Sie gefälligst da, oder ich klage! Es war nämlich ein …