Fototechnische Innovation

Das österreichisch-französische Künstlerpaar Bele Marx und Gilles Mussard verhilft den Lumière-Autochromen zu neuen Dimensionen.

Am Anfang stand eine Linde. Die Künstlerin Bele Marx fotografierte den Baum 1997 für eine Installation im Steiermärkischen Landesarchiv. Die Frage der wetterfesten Konservierung der auf die Originalgröße des Baumes vergrößerten Diapositive konnte damals von der Fotoindustrie nicht befriedigend gelöst werden. So erfand Bele Marx gemeinsam mit ihrem französischen Ehemann, dem Regisseur Gilles Mussard, ein Verfahren, das es ermöglicht, Kopien von Fotos oder Gemälden dauerhaft in einer Glasschicht zu integrieren. Dank der Hilfe eines fotochemischen Konzerns konnten die beiden die Entwicklung der Erfindung vorantreiben, die sich, so nebenbei, als einzigartig herausstellen sollte: Noch nie war es jemandem gelungen, ein derartiges Verfahren zu entwickeln.

Erstaunt über die eigene Fähigkeit zur technischen Innovation, reihten Marx und Mussard ihre künstlerischen Projekte hintan. Doch ihre erste und einzige Erfindung kostete zunächst nur Zeit und Nerven.

Es waren die Jahre der Start-up-Pleiten, in die diese Entwicklung fiel. Zudem suchten sich die beiden einen Geschäftspartner aus, der nicht über den nötigen finanziellen Rückhalt verfügte. Ohne ein paar Preisgelder, die Unterstützung von Freunden und die Partnerschaft des Konzerns Ilford hätten Marx und Mussard das Projekt wieder hinschmeißen müssen. Erst letztes Jahr konnten sie die Finalentwicklung zum Patent einreichen. Seitdem reißt die Nachfrage nach Photoglas nicht mehr ab.

Schon vor dem Musée Lumière beauftragten das Restaurationszentrum des Louvre und das Musée Toulouse-Lautrec die Wiener Neu-Unternehmer mit der Präsentation von Werken des Malers Georges de la Tour. Ähnlich wie bei der Installation der Autochrome des Louis Lumière geht es vor allem um die Lichtführung als kompositorisches Element. Die Durchsichtplatten von Photoglas schlucken die Lichtquelle nur minimal und vermitteln so die Brillanz der Vorlagen.

Längst schon arbeiten Marx und Mussard mit Architekten zusammen: In der Nähe von Zürich gestalten sie ein repräsentatives Gebäude der Gemeinde, und für ihre Gestaltungs- und Überbauungsvorschläge im öffentlichen Raum konnten sie zahlreiche Preise entgegennehmen. Marx’ Ausbildung als Malerin kommt ihr so auf unerwartetem Gebiet auch ökonomisch entgegen.

Photoglas ist eine direkte Weiterentwicklung der Autochrome der Brüder Lumière. Vor dem Auftrag, die Ausstellung in Lyon zu gestalten, wussten die Künstler nichts von dieser Verwandtschaft. Nun werken diese letzten Nachgänger der antiquierten Autochrome-Technologie an der Konservierung der ersten Farbfotos.