FPÖ: Wilde Schlägerei bei einer Party der Burschenschaft "Silesia"

Bei einer Party der Burschenschaft Silesia in einem Wiener Gürtel-Etablissement wurde ein Mitarbeiter von Martin Graf zusammengeschlagen. Auch Gottfried Küssel tauchte auf.

Die Einladung zum „Red Room Clubbing“ der Wiener Burschenschaft Silesia am 12. März gab sich flott, wenn auch sprachlich etwas holprig: „Music by DJ Charly. Dresscode: modisch, sexy, stylish. Eintritt wird verlangt – Getränke frei. Location: Pour Platin Lounge, Neubaugürtel 13–15“. Zahlreiche Mitglieder und „Freunde“ der rechten Recken von Silesia, darunter viele FPÖ-Mitarbeiter, strömten an diesem Abend in das Rotlicht-Etablissement am Wiener Gürtel.

Doch das Pour Platin war keine gute Wahl.
Die Rotlicht-Disco ist das „Büro“ des Gürtel-Zampanos Richard Steiner, dem Schutzgelderpressungen, Menschenhandel und vieles mehr vorgeworfen werden. Auf der Jagd nach Steiner und Konsorten (die in der Zwischenzeit verhaftet wurden) hatten Fahnder des Bundeskriminalamts das Pour Platin mit versteckten Mikrofonen und Kameras ausgestattet. Nun konnte man zufällig auch beobachten, was auf der Silesia-Fete so vor sich ging. Und da ging so manches vor sich, das nun auch den Staatsanwalt interessiert.

Die rotlichterprobten Türsteher des Pour Platin sind außerdem aus einem anderen Holz geschnitzt als etwa der Referent des Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf. Denn genau dieser, Hubert Keyl, wurde nach dem Clubbing mit mehreren „Gesichtsbrüchen“ ins Wiener AKH eingeliefert, wo er zwei Wochen lang stationär behandelt werden musste.

Tumult.
Die Party war laut und feucht verlaufen. Gegen drei Uhr Früh setzte ein Tumult ein, der unterschiedlich dargestellt wird. Zahlreiche Augenzeugen sagen: Elisabeth Keyl, wasserstoffblonde Chefsekretärin von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, sei umschwärmt von betrunkenen Partytigern auf der Bar gesessen. Hubert Keyl, ihr Ehemann und enger Mitarbeiter von Martin Graf, wollte das nicht mehr mit ansehen und griff ein. Er habe seine Frau von der Bar gezerrt. Dabei sei sie zu Fall gekommen. Und Hubert Keyl habe zweimal auf seine am Boden liegende Gattin eingeschlagen.

Nun schritt die Security des Pour Platin ein. Die hünenhaften Aufpasser langten nach Hubert Keyl, um ihn aus der Kampfzone zu entfernen. Nun soll Keyl seinen nächsten Fehler gemacht und sich gegen die Hinausschmeißer gewandt haben. Auch seine Frau Elisabeth soll sich mit Stöckelschuhen in der Hand auf die Türsteher gestürzt haben, um ihren Mann zu beschützen. Doch jetzt hagelte es Hiebe für Hubert Keyl, unter denen mehrere Gesichtsknochen zu Bruch gingen und Keyl schwer verletzt liegen blieb. Als er dann noch über schwere Atemnot klagte, entschlossen sich Partyteilnehmer den Verletzten mit einem Taxi in das AKH zu bringen. Die Ärzte erstatteten Anzeige und behielten Keyl zwei Wochen in stationärer Behandlung.

Doch Elisabeth Keyl habe die Sache nicht auf sich beruhen lassen und Verstärkung geholt, erzählen Beobachter. Sie habe das Lokal verlassen, um gegen fünf Uhr wieder zurück zu sein. In Begleitung eines ihrer angeblich besten Freunde, des bekannten Rechtsradikalen Gottfried Küssel. Küssel, so Augenzeugen, sei am Eingang des Pour Platin stehen geblieben, während Frau Keyl lautstark damit gedroht habe, ihren Kontrahenten „ein Projektil durch den Schädel jagen“ zu wollen.

Auf Fragen von profil wollte Elisabeth Keyl nicht antworten. Es habe sich um eine „private Feier“ gehandelt, die die Öffentlichkeit nichts angehe. Es seien auch keine Rechtsradikalen zugegen gewesen. Sie wundere sich sehr, dass profil das Informationsmaterial vorliege. Und eines sei ganz sicher, so Keyl: „Mein Mann hat mich nicht geschlagen. Wir führen eine gute Beziehung.“

Ähnlich die Darstellung von Hubert Keyl:
„Ich habe meine Frau sicher nicht geschlagen. Wir haben eine glückliche, hervorragende Beziehung zueinander. Das ist definitiver Blödsinn.“ Er selbst fühle sich nun wieder fit, „nachdem ich derartig zusammengeschlagen wurde“. Die Körperverletzung zur Anzeige gebracht habe aber nicht er selbst, sondern das Allgemeine Krankenhaus.

Dem Vernehmen nach hat die FPÖ mit der Gürtel-Affäre ihre liebe Not, weil man nun schon wieder öffentlichen Wirbel um Nationalratspräsident Martin Graf befürchten muss. In der FPÖ wird der Plan kolportiert, Graf und seinen engsten Mitarbeiter Keyl „in die Volksanwaltschaft abwandern“ zu lassen. Problem: Die Amtsperiode der gegenwärtigen Volksanwälte dauert noch mehr als drei Jahre …