Freies Mandat

Die ÖVP-Spitze verteilt an ihre Abgeordneten eine Art Drehbuch mit den Fragen, die an Regierungsmitglieder zu richten sind – und deren Antworten. Ein Triumph des freien Mandats, der ausgebaut gehört.

X: Frau Minister, ich will nicht unbotmäßig erscheinen, aber kann es sein, dass ich hinter Ihren Ideen für die Reform des Gesundheitswesens einen beinahe übernatürlichen Weitblick verspüre?
Rauch-Kallat: Das haben Sie gut beobachtet. Ich stehe auch nicht an, dem lieben Gott zu danken, dass er mir so viel Kraft gegeben hat.
X: Herr Staatssekretär, stimmt es, dass kein österreichischer Künstler mit Ihnen spricht, weil seit der Wende alle einfach wunschlos glücklich sind und es somit nichts zu bereden gibt?
Morak: So ist es. Wissen Sie, manchmal fehlt mir die Auseinandersetzung mit den von mir so geförderten
kritischen Geistern ein wenig – aber das ist wohl der Preis des Erfolges.
X: Herr Minister, wie ich Sie kenne, planen Sie nicht
irgendeine Steuerreform, oder?
Grasser: Tatsächlich kommt nach dem nullsten Defizit, der gelungensten Privatisierung und der billigsten Homepage die größte Steuerreform der Zweiten Republik! Denn so viel ist klar: Karl-Heinz verleiht Flügel, nur ein Mercedes bleibt ein Mercedes, und der Gspritzte hat immer Saison!
X: Herr Bundeskanzler, wie werden Sie die Hippen der Secession umschiffen?
Schüssel: Herr Abgeordneter, ich nehme an, dass sich Ihre Frage eher auf die Klippen der Rezession bezieht, oder?
X: Was muss des a so klein gschrieben sein?