Freispiel

Und wieder ein nie geführtes Interview zur packenden Nationalratswahl: Heide Schmidt, liberale Nachwuchshoffnung.

profil: Frau Schmidt, das Liberale Forum ist 2002 zum letzten Mal als eigenständige Liste bei einer Nationalratswahl angetreten, damals mit dem Spitzenkandidaten Reinhard „Wurlitzer“ Jesionek. Haben Sie selbst das LIF damals ernsthaft gewählt?
Schmidt: Oje. Wäre es sehr schlimm, wenn ich jetzt Nein sage?

profil: Nicht so schlimm, wie wenn Sie zum Beispiel Ja sagten.
Schmidt: Also gut: dann nein. Wenn ich einen Spaßkandidaten unterstützen wollte, hätte ich ja gleich bei Jörg Haider bleiben können.

profil: Wer weiß, wozu das gut gewesen wäre.
Schmidt: Ich! Zu nichts.

profil: Aber wir wüssten dann zum Beispiel möglicherweise alle miteinander nicht, wer Susanne Riess-Passer ist.
Schmidt: Na ja. Wenn das alles ist.

profil: Sie sollten das nicht kleinreden. Das wäre schon ein schöner Erfolg ­gewesen.
Schmidt: Den feiere ich jetzt lieber mit den Liberalen.

profil: 1999 haben Sie selbst das letzte Mal kandidiert und sind an der 4-Prozent-Hürde gescheitert. Was haben Sie eigentlich seither gemacht?
Schmidt: Ich war Vorstandsvorsitzende beim Institut für eine offene Gesellschaft.

profil: Ja, ich weiß. Aber ich meinte ­beruflich.
Schmidt: Das sagte ich doch gerade.

profil: Sprechen wir von jenem Institut, das von Hans Peter Haselsteiner finanziert wird, alle paar Monate einen Diskussionsabend mit sicherlich gleich zig Zuhörern veranstaltet und alle paar Jahre ein schmales Heftchen mit liberalen Gedanken herausgibt?
Schmidt: Ja. Und?

profil: So etwas zu leiten fällt jetzt auch schon unter Arbeit?
Schmidt: Wollen Sie damit etwa andeuten, dass mir Hans Peter Haselsteiner einfach so ein arbeitsloses Einkommen bezahlt?

profil: Nun ja: ja.
Schmidt: Sie müssen das so sehen: Das LIF ist ja für eine Mindestsicherung. Und in dem Bereich, wo wir sie durchsetzen konnten, haben wir sie schon eingeführt.

profil: Einfach so von einem Großindus­triellen fürs Liberalsein bezahlt zu werden ist aber schon cool.
Schmidt: Das ist die Propaganda der Grünen, die Sie da wiederkäuen. Der Alexander Zach hat auf die SPÖ-Liste gehen müssen. Da hab ich’s allerweil noch besser erwischt.

profil: Legt der Herr Deripaska vielleicht auch was drauf? Die Überstundenpauschale oder so? Und brauchen Sie vielleicht in Ihrem Institut noch Teilzeit-Liberale? Montags würde mir zum Beispiel ganz gut passen, da könnte ich liberal sein, dass es nur so staubt.
Schmidt: Könnten wir vielleicht langsam zu einem angenehmeren Thema wechseln?

profil: Na gut. Sie haben vor ungefähr zweieinhalb Jahren in einem Interview gesagt: „Wir brauchen einen politischen Wechsel in diesem Land, und ich spüre, dass Alfred Gusenbauer der richtige Mann dafür ist.“
Schmidt: Was verstehen Sie eigentlich so generell unter einem angenehmen Thema?

profil: Und was spüren Sie diesmal so?
Schmidt: Dass die Zeit jetzt endlich reif ist für die Rückkehr des Liberalen Forums ins Parlament.

profil: Gott sei Dank!
Schmidt: Wieso?

profil: Ich fürchtete schon, Sie spüren, dass Rapid Meister wird.
Schmidt: Wer oder was ist Rapid?

profil: Gute Frage, die mich zu meiner nächsten bringt: Ihnen wird mitunter vorgeworfen, Sie seien etwas, nun ja, elitär.
Schmidt: Das stimmt überhaupt nicht. Ich kann jedes Bierzelt zum Toben bringen.

profil: Echt? Wie?
Schmidt: Ich brauche einfach nur hineinzugehen.

profil: Sie haben unlängst gemeint, Sie wollten ein Angebot an die denkenden Wähler sein – denn die anderen hätten eh genügend Auswahl.
Schmidt: Ja, genau.

profil: Und dann stellen Sie Karin Resetarits als Spitzenkandidatin in Salzburg auf?
Schmidt: Da können Sie einmal sehen, wie ungeheuer liberal wir sind.

profil: Was müsste passieren, damit die Liberalen in Österreich, sagen wir, zehn Prozent kriegen?
Schmidt: Dazu müsste man wahrscheinlich ungefähr der Hälfte der Bevölkerung die Staatsbürgerschaft aberkennen. Der richtigen Hälfte.

profil: Diese Idee ist jetzt aber nicht unbedingt hochgradig von liberalem Gedankengut durchsetzt.
Schmidt: Nein, das wohl nicht. Aber reizvoll ist sie allemal.

profil: Es könnte durchaus sein, dass Sie nicht nur ins Parlament, sondern sogar in die Regierung kommen. Mit wem würden Sie lieber koalieren – mit Rot oder Schwarz?
Schmidt: An sich war ich in den letzten Jahren näher an der SPÖ.

profil: Aber wenn Sie der Faymann in eine Regierung nimmt, kommt er in der „Krone“ auf einen Schlag nur mehr als Suchbildrätsel vor.
Schmidt: Ja.

profil: Also Schwarz.
Schmidt: Unappetitlich brauchen Sie aber nicht werden.