Frequency Festival 2013: Nostalgie im Sonnenschein

Eigentlich meiden ja Leute wie ich Festivals wie das Frequency. Denn einerseits erinnern diese schmerzhaft an die eigenen Teenagertage und das nahende Ende der Twens – außerdem fühlt man sich fürs Camping zu alt und ist zu genervt von den halbstarken Biervernichtungsmaschinen Tina Goebel war dennoch beim Frequency Festival in St. Pölten.

Doch manchmal zahlt es sich wirklich aus, dieses Terrain wieder zu betreten, von dem man innerlich schon Abschied genommen und es der nächsten Generation übergeben hat.

Vor allem an Tagen wie diesem Wochenende, an denen jegliche Regenwolken fern blieben und schon einmal witterungsbedingt für die besten Verhältnisse sorgten.

Nostalgie-Besucher
Und dann dieses Line Up, mit der perfekten Aufteilung von melodisch-melancholischem auf der einen Bühne und die eher härten Klänge auf der anderen. So kann je nach Gemütsverfassung mal von der einen Seite des Festival-Geländes zur anderen gewechselt werden – und ich schwöre, bei so einem Nostalgie-Besucher wie mir kann die Stimmung schneller umspringen, als Frank Stronach Teamkandidaten abspringen.

Einziger Wehmutstropfen: Die von mir heiß verehrte Regina Spektor musste leider absagen. Dafür versöhnte Jonathan Jeremiah mit seinen melancholischen Liebesliedern umso mehr meine melancholischen Bedürfnisse, genau so wie der sehr publikumsnahe Tricky ein Highlight darstellte. Die anderen, die eher rockig-hüpfenden, kamen natürlich ebenfalls voll auf ihre Kosten, wobei für mich die kalifornische Indie-Rockband Awolnation die absolute Neuentdeckung darstellte. Sie begeisterten mit einer einwandfreien Show, die sogar in der Hitze die Menge zum Springen brachte.

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Und dann natürlich diese Bands, deren Songs die eigene Pubertät einläuteten und sich zu diesen unvergesslichen Momenten wie den ersten Liebeskummer ins Hirn brannten. Ein Trigger der Sonderklasse also.
Und da stellen sich natürlich immer wieder diese bangen Sorgen ein, ob die Helden von damals der riesigen Erwartungshaltung, die sich seit diesen Tagen der Adoleszenz aufgebaut haben, überhaupt noch Stand halten können sie.

Die Sängerin Skin von Skunk Anansie sang „Hedonism“ wie frisch von der Platte und hatte das Publikum so weit im Griff, dass sie sogar zwischen der Menge, die sie zuvor zum niederhocken brachte, singend herumschreiten konnte. Headliner System of a Down – die später auf jeder coolen Schulparty auf und ab gehört wurden – boten zwar musikalische Spitzenklasse, jedoch eine etwas blutleere Show.

Qual der Wahl: Hosen oder Cave?
Und am Ende wurde die Entscheidung überhaupt sehr hart – Tote Hosen oder Nick Cave. Aus reinen Nostalgiegründen musste ich erstere vorziehen. Außerdem war hier immerhin im Vorfeld klar, dass diese auch nach dreißig Jahren im Geschäft mit Sicherheit eine großartige Show bieten würden. Und so wurde der rosige Nostalgie-Reigen glorreich abgerundet. Fazit: Unter einer Menge grölender Teenager kann man manchmal wieder selbst zu einem werden.