Frühstart

Das Jahr ist zwar erst wenige Tage alt. Es scheint aber gleich von Beginn an zu wissen, was es uns schuldig ist.

Wiens Polizei hat sich bereits gleich nach Silvester ganz viele Gedanken gemacht, wie man renitente Fans bei der EM in den Griff bekommen könnte. Und rät der Gastronomie, vor allem musikalisch auf den p. t. Hooligan einzuwirken. Die Berieselung solle „dämpfend, aber nicht einschläfernd“ sein, weiters „auf das Publikum abgestimmt und eher zum Mitsingen anregen“. Damit könnten Schlachtgesänge unterbunden werden.

Dass Wiens Lokale also im Zuge der EM erstmals ihre Musik auf ihr Publikum abstimmen werden, darf schon einmal als Meilenstein gelten. Schade, dass es nach einem Monat damit wieder vorbei sein wird und die Gäste im Café Schwarzenberg wieder gegen Metallica anschreien müssen, während sich im Chelsea die Bach-Kantaten in den Nasenpiercings verfangen.

„Dämpfend, aber nicht einschläfernd“ ist ein weiterer interessanter Expertentipp, leider wird er nicht mit Beispielen untermauert. Wir raten konkret zu „Kuschelrock Vol. 1–23“, großartiger Musik also, die garantiert bei niemandem Aggressionsschübe auslöst – vor allem dann nicht, wenn sich sämtliche Nebentische von ihr zum Mitsingen angeregt fühlen.

Weitere sachdienliche Hinweise unserer Polizei, die niemals schläft und höchstens manchmal ein wenig gedämpft erscheint, sind in Ausarbeitung. Durchgesickert ist bisher nur, dass Ursula Stenzel auf der Fanmeile Eichendorff vortragen soll. Damit sei es bereits bei der letzten Bridge-WM gelungen, Ausschreitungen rivalisierender Fangruppen beinahe zur Gänze schon im Keim zu ersticken.

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Alexander Van der Bellen kündigt an, 2008 auf Bundesländer-Tour zu gehen, um über Klimaschutz zu referieren. Offenbar orientiert er sich hiebei an Al Gore. Das hat ja schließlich bereits beim möglichst nahen Hinriechen zu und dann Nichterringen von Regierungsverantwortung hervorragend geklappt. Hier hören sich die Gemeinsamkeiten dann aber auch schon wieder auf. Denn Gore hat ja zumindest noch eine theoretische Chance.

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Der Austropop-Titan Wolfgang Ambros – derzeit, wie stets um diese Jahreszeit, in Kenia aufhältig – gab in der „Kleinen Zeitung“ zu Protokoll, wie er nach den Unruhen mit hunderten Toten die Lage in seinem liebsten Urlaubsland beurteilt: „Es is halt Afrika und ka Kinderjausn.“ Als Kenner der örtlichen Folklore lässt man sich eben nicht so leicht aus der Ruhe bringen.
Ein anderer Satz aus dem Kurzinterview lässt die Fans allerdings sicher etwas unruhig werden: „Mir passiert bestimmt nix, außer i tua ma selber was an.“
Selbst geschulte Ambros-Exegeten sind sich uneinig, wie diese düstere Anmerkung zu bewerten ist. Plant Ambros ein Barbecue und hat zu diesem Zweck bereits einen Kanister Superbenzin eingelagert? Hört er sich seine eigenen Platten an?

Vielleicht findet sich ja der entscheidende Hinweis in einem zweiten Interview mit Ambros, das die Zeitung „Österreich“ veröffentlichte: „Bei uns in Diani Beach haben wir, abgesehen davon, dass es kein Bier mehr zu kaufen gibt, kein Problem.“

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Am Rande der SPÖ-Klausur stellte Bundeskanzler Gusenbauer fest, dass die neue Pflegeregelung überhaupt nicht kompliziert sei, und meinte: „Wenn man sich nicht auskennen will, kennt man sich nicht aus.“ Selbiges gelte im Übrigen auch für Quantenphysik, Molekularküche und Eurofighter-Verträge.
Dass Gabi Burgstaller und Hans Niessl daraufhin beleidigt den Tagungsort Hirschwang verlassen haben sollen, konnte nicht verifiziert werden – ebenso wenig wie die Behauptung, Sozialminister Erwin Buchinger habe von den 200 Euro, die Gusenbauer den zufällig schon am 3. Jänner anwesenden Sternsingern in ihre Schatulle gelegt hatte, wegen Überschreitung der Vermögensgrenze 100 wieder herausgenommen.

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Während die Mutter des österreichischen Neujahrsbabys mit ihren leicht ranzigen 16 sicherlich schon die biologische Uhr ganz laut ticken hörte, zeigten uns die deutschen Streber wieder einmal, was eine Harke ist: Die dortige Siegerin ist 14. Aber uns bleibt ja immer noch Córdoba.

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Die FPÖ gab bekannt, sich im Jahr 2008 vor allem den Themen Ausländer und EU widmen zu wollen. Das BZÖ hingegen lenkt sein Hauptaugenmerk auf die nicht minder spannenden Bereiche EU und Ausländer und betonte, daran erkenne man einmal mehr, wie fundamental es sich von der blauen Schmutzkonkurrenz unterscheide.

Die FPÖ verwies aber in diesem Zusammenhang darauf, dass sie als einzige Partei bereits eine Arbeitsgruppe eingesetzt hat, die dem Verdacht nachgeht, auch bei der EU könnte es sich möglicherweise größtenteils um Ausländer handeln. Damit sei ja wohl hinreichend geklärt, wer da die Themenführerschaft habe. Mit konkreten Ergebnissen dieser Untersuchung sei allerdings nicht vor 2009 zu rechnen, schließlich mache man, so Generalsekretär Vilimsky, in der FPÖ immer Nägel mit Knöpfen.

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Britney Spears hat … Ach, egal.