Ex-Generalstabschef Edmund Entacher: "Das sind alles Ausreden“

Ex-Generalstabschef Edmund Entacher über die Hintergründe des Abzugs vom Golan.

Interview: Otmar Lahodynsky

profil: Verteidigungsminister Gerald Klug beschwerte sich, die UN hätten Forderungen Österreichs nach besserem Schutz und Ausrüstung für unsere Golan-Truppen nicht erfüllt.
Entacher: Das ist eine Ausrede, um den aus innenpolitischen Gründen erfolgten Abzug unserer Soldaten vom Golan zu rechtfertigen. Es stimmt zwar, dass die UN-Stellen immer etwas langsam agierten, aber der Schutzgrad wurde schon vor einigen Monaten sehr deutlich erhöht. So haben wir von den benachbarten Unifil-Truppen aus dem Libanon gepanzerte Fahrzeuge erhalten. Wir haben auch durchgesetzt, dass die Rotation über Israel erfolgt und nicht über die gefährliche Route aus Damaskus. Und wir haben zwei hochrangige Posten im Headquarter der Undof bekommen. Unterm Strich waren die UN also nicht säumig.

profil: In einer "Internen Kommunikation“ an Bundesheer-Einheiten wird behauptet, der Beschluss zum Abzug vom Golan sei auf eine "militärische Empfehlung“ hin erfolgt.
Entacher: Auch das ist eine glatte Desinformation. Wir hätten - so wie auch mein Nachfolger Othmar Commenda im profil-Interview gesagt hat - weiter auf dem Golan bleiben können. Aber der politische Druck war offenbar stärker. Unsere Soldaten wurden nicht direkt beschossen und nicht verletzt, da auch unsere Unterstände gut ausgebaut sind. Aber man hat nach einem Anlass gesucht und unsere jahrzehntelange Präsenz beendet.

profil: Hätte sich Österreich beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen um ein neues Mandat bemühen sollen?
Entacher: Ein solches "robustes Mandat“ hätte stärker bewaffnete Truppen bedeutet. Ich glaube nicht, dass Syrien dem zugestimmt hätte. Außerdem wären die Österreicher die Ersten gewesen, die an solchen Kampftruppen nicht mehr teilgenommen hätten. Das sind alles Scheingefechte und Ausreden.