<i><small>Cyberama von Thomas Vašek</small></i>
Glasshole!

Warum Google Glass an der Sympathie­front scheitern könnte.

Es gibt Technologien, die so toll sind, dass keiner sie haben will. Denken Sie an den Segway-Roller. Das ist dieses geniale Fahrgerät, das man durch Verlagerung des Körperschwerpunktes steuert. Vor Jahren war der Segway ein „großes Ding“. Die Internet-Auguren überschlugen sich vor Begeisterung. Der kuriose Roller werde den gesamten Stadtverkehr revolutionieren, so hieß es. Heute sieht man gelegentlich ein paar Touristen mit Leih-Segways. Oder irgendwer kurvt auf dem Golfplatz damit herum. Sonst hat sich die Erfindung nicht bloß nicht durchgesetzt. Gemessen an den Erwartungen war der Segway ein Flop. An der Technik lag es sicher nicht, dafür an allen möglichen anderen Umständen. So ist der Elektroroller in vielen Städten gar nicht zugelassen oder es gibt zumindest erhebliche Einschränkungen. Zudem kostet der Segway immer noch ein paar Tausend Euro. Vielen ist das Gefährt auch nicht ganz geheuer. Zu allem Unglück stürzte dann auch noch der Chef des US-Herstellers mit einem seiner eigenen Roller von der Klippe. Wenn die Leute ein Produkt nicht mögen, dann schmiert es eben ab.

Das bringt mich zur Google-Brille. Da scheint die Stimmung gerade etwas zu kippen. Tester in den USA berichten von ablehnenden Reaktionen aus der Bevölkerung. Manche mokieren sich über das unmögliche Design oder die mühsame Bedienung, offenbar müssen Google-Leute die Early Adopter persönlich schulen. Und natürlich gibt es die Sorge um die Privatsphäre. Nicht zu Unrecht, denn was soll man schließlich von einem Device halten, mit dem man Menschen unbemerkt fotografieren und die Bilder auch gleich ins Netz hochladen kann – und das alles, ohne auch nur die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen. Die größte Gefahr für Google Glass droht an der Sympathiefront. Will man wirklich jemandem gegenübersitzen, der die Brille trägt? Und möchte man selbst derjenige sein, der sie trägt? Ein US-Blogger prägte für die künftigen Brillenträger neulich den Begriff „Glasshole“. Man darf gespannt sein auf die deutsche Übersetzung.

thomas.vasek@profil.at