Heimatroman

Diesmal in der großen Serie nie geführter Interviews zur Wahl: Heinz-Christian Strache zeigt uns endlich einmal seine menschliche Seite.

profil: Herr Strache, wann auch immer der nicht ganz fern liegende Vergleich zwischen Ihnen und Ihrem ehemaligen Vorbild Jörg Haider angestellt wird, heißt es sinngemäß: Strache ist ja an sich eine ganz gute Kopie – aber halt leider bei Weitem nicht so intelligent. Das muss doch höllisch weh tun, oder?
Strache: Ich bitte Sie! Das lässt mich völlig kalt! Ich weiß schon, wie klug ich bin.

profil: Eh. Alle anderen wissen das aber eben leider auch.
Strache: Hören Sie, seit ich Parteichef bin, hat die FPÖ bei jeder Wahl dazugewonnen. Schließen Sie etwa daraus, dass die Österreicher eine Schwäche für Trotteln haben?

profil: Hmm, mal sehen: DJ Ötzi, Richard Lugner, Michael Jeannée … – aber nein.
Strache: Na sehen Sie. Immer gehen alle auf mich los. Sie sind nämlich gegen mich, weil ich für sie bin, müssen Sie wissen.

profil: Äh …, ja. Jedenfalls lässt Sie das offenbar keineswegs so kalt, wie Sie vorher getan haben.
Strache: O. k. Nein. Sie haben ja keine Vorstellung davon, wie oft ich mich nachts in meinem Bett wälze, nachdem ich wieder ein Buch aus meiner Bibliothek durch habe und …

profil: Welche Bücher sind da so drin?
Strache: Heimatromane natürlich. Sie werden doch wohl nicht glauben, dass ich fremdlese?

profil: Äh, nein, eh nicht. Ich habe Sie vorhin beim Wälzen unterbrochen.
Strache: Also wie oft ich mich stundenlang in meinem Bett wälze und nicht schlafen kann, weil ich mir denke: Womit hab ich das verdient?

profil: Nun ja – ein, zwei Gründe würden mir schon einfallen.
Strache: Nur, weil ich sage, was endlich einmal gesagt gehört? Dass man alle Ausländer an den Eiern aufhängen sollte – vor allem die mit Kopftuch?

profil: Das wäre unter Umständen ein vorstellbarer Grund.
Strache: Weit haben wir es gebracht! Was für traurige, verdrehte Zeiten.

profil: Wirklich wahr. So wie vor 70 Jahren wird’s halt nie mehr.
Strache: Sagen Sie das nicht.

profil: Ihre klug differenzierte Haltung zur EU liegt ja voll auf der Linie der „Kronen Zeitung“. Jetzt hat Hans Dichand in diesem Wahlkampf aber leider Werner Faymann adoptiert – und nicht Sie. Haben Sie da etwas falsch gemacht?
Strache: Da treffen Sie jetzt einen wunden Punkt. Ich muss leider einräumen: ja.

profil: Was um Himmels willen ist passiert?
Strache: Als wir das letzte Mal mit seinen Zinnsoldaten Stalingrad gespielt haben, habe ich am Ende gesagt: Aber in echt hat doch der Russe gewonnen, oder?

profil: Oje.
Strache: Ja. Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist.

profil: Sie werden aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit am 28. September trotzdem der große Sieger sein.
Strache: Ja. Und was sagt uns das?

profil: Dass das allgemeine Wahlrecht durchaus auch seine Schwächen hat?
Strache: Sehr witzig. Es sagt uns, dass es einen Gott gibt. Und der heißt nicht Allah.

profil: Und das, obwohl Ihr Verbindungsmann zum Himmelvater, Ewald Stadler, zu Jörg Haider übergelaufen ist.
Strache: Er war vorher ja noch am Arbeitsamt. Aber die haben ihm gesagt, er sei nicht vermittelbar. Da kam dann klarerweise nur noch das BZÖ infrage. Der Mann muss schließlich sechs Kinder ernähren.

profil: Was glauben Sie, was Sie eigentlich heute machen würden, wenn Sie nicht Politiker wären?
Strache: Gute Leute sind in der Privatwirtschaft immer gesucht.

profil: Das schon. Aber wir reden ja jetzt von Ihnen.
Strache: War das jetzt am Ende eine Beleidigung? Ich bin bei so was sehr hellhörig, ich merke das sofort.

profil: Gut, lassen wir das. Um noch einmal auf Ewald Stadler zurückzukommen: Es wird immer wieder gemunkelt, er hätte noch ein paar gschmackige Fotos aus der Serie „Strache spielt im Wald“ in petto. Haben Sie Angst, die könnten im Wahlkampf auftauchen?
Strache: Nein. Und wenn doch, gäbe es auch für die sicherlich eine völlig einleuchtende Erklärung.

profil: So einleuchtend wie „Drei Bier“ oder „Paintball“? Oder noch ein bisschen lächerlicher?
Strache: Gegenfrage: Hat’s mir geschadet?

profil: Das ist ja das Problem: nicht im Geringsten.
Strache: Na also. Und damit jetzt eine Ruh ist, sag ich Ihnen gleich: Falls ein Foto von mir auftauchen sollte, auf dem die linkslinke Jagdgesellschaft erkennen will, dass ich den Hitlergruß mache – das stimmt natürlich nicht. Ich habe nur einem Freund gezeigt, wie hoch die junge Eiche in meinem Garten schon ist.

profil: Na gut. Aber dennoch will niemand mit Ihnen koalieren.
Strache: Sagt wer?

profil: Faymann und Molterer.
Strache: Sag ich doch: Sagt wer?