„Herr Seidl, erklären Sie Ihre Filme gern?“

„Herr Seidl, erklären Sie Ihre Filme gern?“

Ulrich Seidls letzter Teil seiner „Paradies"-Trilogie feiert am Freitag (8. Februar) bei der Berlinale Uraufführung. Der Regisseur über Öffentlichkeit, Festival-Overkill und Kälte.

Interview: Stefan Grissemann

profil: Sie haben die Weltpremieren Ihrer „Paradies“-Trilogie zwischen Mai 2012 und Februar 2013 en suite auf den drei bedeutendsten Filmfestivals der Welt untergebracht – in Cannes , Venedig und Berlin. So etwas gab es in der Kinogeschichte erst ein einziges Mal.
Seidl: Ja, Krzysztof Kieslowski gelang dies 1993/94 schon einmal – mit seiner „Drei Farben“-Trilogie.

profil: Ursprünglich war „Paradies“ als ein etwa dreistündiger Film geplant. Als der Film länger wurde, beschlossen Sie, ihn in drei Teile zu spalten. Hatten Sie nie Angst, dass Spannung und Zusammenhalt verloren gehen könnten?
Seidl: Nein. Im Gegenteil: Mir leuchtete das Argument ein, dass man einem durchlaufenden Fünfeinhalb-Stunden-Epos medial und festivaltechnisch nur beschränkt gerecht werden konnte.

profil: Sind Sie nicht froh, dass der Festival-Overkill mit der Uraufführung Ihres Teenager-Diätcamp-Films „Paradies: Hoffnung“ Ende dieser Woche in Berlin abklingen wird? Oder fühlen Sie sich mittlerweile wohl auf Festivals?
Seidl: Nein, das nicht. Aber ich will der Herausforderung und meiner Arbeit gerecht werden. Dazu muss ich öffentlich Stellung beziehen. Es genügt nicht, die Filme einfach rauszulassen. Man muss sie auch begleiten.

profil: Es gibt Filmemacher, die jede Öffentlichkeit scheuen und dennoch wahr- und ernst genommen werden.
Seidl: Das ist nicht meine Art. Ich will mich ja nicht zum Mythos stilisieren.

profil: Sie erklären Ihre Filme gern?
Seidl: Ich habe gelernt, dass es sehr dazu beiträgt, meine Arbeit besser zu verstehen und Interesse dafür zu wecken, wenn ich meine ungewöhnliche Methode, diesen Grenzgang zwischen Dokumentarischem und Fiktionalem, näher erläutere.

profil: Die Trilogie als Ganzes wird ihre Uraufführung nun allerdings nicht im Rahmen der Berlinale feiern, sondern nur als Spezialvorführung an der Akademie der Künste laufen. Warum wollte Festivaldirektor Dieter Kosslick nicht alle drei Teile zeigen?
Seidl: Er meinte, er könne nicht vertreten, dass zwei Filme, die schon in den Wettbewerbsschienen anderer Festivals zu sehen gewesen seien, in seinem offiziellen Programm liefen. Schade. Ich hätte das gerne im Rahmen der Berlinale gemacht.

profil: Die Teile eins und zwei hatten in Cannes und Venedig wohltemperierte Rahmenbedingungen. Ihr „Paradies“-Finale wird in Berlin wohl von Eis und Schnee begleitet werden. Passt das?
Seidl: Nur bedingt, denn alle drei Filme spielen ja in der Hitze des Sommers, was aber viele Kinogänger im Winter gern sehen. Ich persönlich mag Kälte und Schnee sehr. Mir passt es also gut.