Hintergrund: „Es ist besser, zu schweigen“

Krenns konservative Josefsbruderschaft soll nun den angeschlagenen Ruf der Diözese retten.

Am Nordrand von St. Pölten, im Ortskern von Kleinhain, in einem ehemaligen Dorfgasthaus, das aufwändig renoviert wurde, hat die Josefsbruderschaft ihren Sitz. Wenn man in diesen Tagen dort anläutet, öffnet ein verschreckter Kleriker, devot gebeugt, die Hände Hilfe suchend von sich gestreckt und vor Angst stotternd. Pater Werner Schmid sei nicht da, stößt der junge Mann hervor, und die Tür fällt ins Schloss. Sekunden später fährt Pater Schmid auf dem Gelände vor, der wohl gerade aus jener Sitzung der hausinternen Kommission in St. Pölten kommt, die die Vorgänge im Priesterseminar untersuchen soll. Vor wenigen Tagen hat ihn Bischof Kurt Krenn – zur Empörung vieler Gläubigen in der Diözese – zur Nachfolge des zurückgetretenen Regens Küchl bestellt. Schmid ist, ganz im Gegensatz zu seinen Jüngern, von aufrechter Gestalt mit der Aura eines Großinquisitors. „Es ist besser zu schweigen“, sagt er, bevor er abgeht und mit weitläufiger Geste die Erlaubnis erteilt, das Haus von außen zu fotografieren.

Pater Schmid ist in Kleinhain eine geheimnisvolle und gefürchtete Figur. Vor zehn Jahren hat er als Obmann des „Vereins zur Förderung geistlicher Berufe“, der auch „Marienwerk“ genannt wurde, das alte Gasthaus um 470.000 Euro erworben. Es hieß damals, die Gelder stammten aus dem Engelwerk. Vorher war Schmid im Priesterkollegium „Sanctissimae Trinitatis“ in Mayerling gewesen, das auch Anhänger des Engelwerks beherbergt hatte. Im Dorf kam es zu Protesten, als sich die Gemeinschaft dort ansiedelte. 1995 wurde der Josefsbruderschaft, wie sie fortan hieß, von Krenn die Genehmigung zur Einrichtung eines eigenen Priesterseminars erteilt. Schmid fand die landläufigen Priesterseminare „zu modernistisch“, seine Leute, sagte er, fänden dort „keine Heimat, weil sie zu konservativ sind“. Seit 1996 gehört Schmid dem reaktionären, von Krenn geförderten Priesterzirkel der Servi Jesu et Mariae an.

Krenn kümmerte sich rührend um seine neue Gemeinschaft. Er erlaubte Schmids Zöglingen, auch solchen, die keine Matura hatten, an der theologischen Fakultät in St. Pölten zu inskribieren. Dafür setzte er sogar das Hochschulgesetz außer Kraft.
Die Josefsbrüder halten die Messe in lateinischer Sprache mit dem Rücken zu den Gläubigen. Der rechtskonservative Publizist Kurt Dieman hat zu Zeiten, als er mit Krenn noch befreundet war, auf Wunsch des Bischofs dort Rhetorikseminare abgehalten. Die Freundschaft ist passé, weil Krenns Pressesprecher regelmäßig in der Gazette des FPÖ-Nationalen Andreas Mölzer schreibt. Dieman hat in Kleinhain „unglaublich verkrampfte Männer, denen kaum ein natürlicher Ton zu entlocken ist“, kennen gelernt.