„Hochegger versucht jetzt alle anzupatzen“

Der ehemalige SPÖ-Kommunikationschef Heinz Lederer zum Vorwurf, er habe Telekom-Geld an die SPÖ weiter­gegeben.

Interview: Herbert Lackner

profil: Herr Lederer, seit wann kennen Sie Peter Hochegger?
Lederer: Ich kenne Peter Hocheggers Bruder Paul seit Mitte der neunziger Jahre, Peter Hochegger habe ich erst 2001 kennen gelernt – und auch das eher zufällig.

profil: Was heißt zufällig?
Lederer: Er ist mit seinem Bruder aufgetaucht. Peter Hochegger hat die Hochegger Communications ab 2000 geleitet, vorher hat das sein Bruder gemacht.

profil: Sie haben damals ja selbst gerade Ihre Firma gegründet.
Lederer: Erst 2001. Ich bin im Jahr 2000 bei der SPÖ ausgeschieden, war dann bei Libro Pressesprecher und kurz in Deutschland.

profil: Und mit Ihrer neuen Firma haben Sie dann mit Hochegger zusammengearbeitet?
Lederer: Nicht ausschließlich. Aber der ­Telekom-Bereich war eines der ersten Projekte, bei denen wir zusammengearbeitet haben.

profil: Was war dabei Ihre Aufgabe?
Lederer: Das, was man in der Branchensprache „Reputation Management“ nennt, also bestimmte Inhalte gegenüber den Kunden, gegenüber der Öffentlichkeit und gegenüber den Medien darzustellen.

profil: Es heißt, Sie hätten auch Telekom-Mitarbeiter an den Bund vermittelt.
Lederer: Das war etwas anders. Die Telekom hat damals aufgrund der technologischen Entwicklung die Zahl ihrer Mitarbeiter reduziert, und es gab diesen Personal-Pool, in dem die Leute dann daumendrehend gesessen sind und sehr unzufrieden und frustriert waren. Da hat man sich dann bemüht, neue Verwendungsmöglichkeiten für sie zu finden. Da ich wegen meiner beruflichen Vergangenheit zu dieser Problematik starken Bezug hatte, habe ich versucht, da mitzuhelfen.

profil: Peter Hochegger behauptet in einem Interview in „News“, er hätte Sie 2001 für 100.000 Euro im Jahr unter Vertrag genommen, damit Sie Kontakte zur SPÖ herstellen. Stimmt das?
Lederer: Die Agentur Hochegger war eine sehr große Agentur, zeitweise sogar die größte des Landes. Die hat meiner Dienste, was den Zugang zur SPÖ betrifft, sicher nicht bedurft. Hochegger hatte damals insgesamt 60 Mitarbeiter, davon etwa 20 Leute im Telekom-Bereich, die in verschiedenen Teams tätig waren: eines für Nachhaltigkeit, eines für Marktentwicklung, ein anderes für Events etc. Ich sollte dafür sorgen, dass sich dabei auch andere Teile der politischen Landschaft als die damaligen Regierungsparteien in diesen Aktivitäten wiederfinden.

profil: Also etwa die SPÖ.
Lederer: Nicht nur. Es ging um alle Organisationen, die sich für Arbeitnehmerinteressen interessiert haben. Bei Journalistenkontakten und in einem Newsletter sollten diese arbeitnehmerorientierten Inhalte mehr vorkommen. Die Telekom war damals ja gerade an die Börse gegangen und erschien in der Öffentlichkeit sehr „börsengetrieben“. Dinge wie ihre Lehrlingsoffensive sind dabei in der Außendarstellung viel zu kurz gekommen.

profil: Ihre Aufgabe war es, Hochegger zu beraten, damit er die Telekom beraten kann, wie sich die Telekom arbeitnehmerfreundlicher darstellen könnte?
Lederer: Nein. Meine Aufgabe war es, mit Hocheggers Team solche Inhalte zu entwickeln, damit sie in der Öffentlichkeit präsentiert werden konnten.

profil: Dafür haben Sie laut Hochegger sieben Jahre hindurch je 100.000 Euro bekommen.
Lederer: Erstens stimmt die Summe nicht, sie ist wesentlich geringer. Und zweitens: Die Zusammenarbeit lief nur bis Ende 2006.

profil: In einigen Zeitungen wurde die Vermutung aufgestellt, Sie hätten Geld an die bekanntlich immer klamme SPÖ weitergegeben.
Lederer: Ich habe noch nie auch nur einen Cent an irgendjemanden weitergegeben. Das wäre unmoralisch und unseriös. Ich lehne so etwas zutiefst ab. Wenn einige Kommentatoren konservativer Provenienz so etwas schreiben, dann wollen sie nur von den schwarz-blauen Verwicklungen ablenken.

profil: Hatten Sie mit Hochegger Streit, dass er jetzt solche Dinge über Sie behauptet?
Lederer: Nein. Ich habe ja schon seit zwei oder drei Jahren keinen Kontakt mehr mit ihm. Das Verhältnis hatte sich aber schon vorher auseinanderentwickelt, weil sich Hochegger mit seiner Firma Valora anderen Dingen zugewendet hat. Wie man weiß, sind manche davon heute gerichtsanhängig. Er versucht jetzt alle anzupatzen, das ganze politische Spektrum.

profil: Hochegger sagt in diesem „News“-­Interview: „Lederer hat dem Telekom-Vorstand auch kurzfristige und vertrauliche Gespräche mit Cap und Gusenbauer vermittelt.“ Wie viele waren das?
Lederer: Das wär nicht unrechtmäßig. Ich habe es aber nicht gemacht. Es hat in Österreich jeder Politiker Kontakte mit den großen Firmen und deren Spitzenrepräsentanten. Die machen sich ihre Termine selbst aus und brauchen doch mich nicht dazu. Sie benötigen bloß ein Telefon und eine Sekretärin.

profil: Diese Gespräche habe es im Vorfeld der Glücksspielnovelle 2006 gegeben, als die Telekom gemeinsam mit Novomatic eine Gesetzesänderung wollte.
Lederer: Absurd! Jeder kann die Geschichte dieses Projekts in profil nachlesen …

profil: Die Regierungsparteien ÖVP und BZÖ wollten kurz vor den Wahlen eine solche Novelle beschließen. Deren Initiator war Karl-Heinz Grasser.
Lederer: Genau. Dazu benötigte man ja nicht die SPÖ. ÖVP und BZÖ hatten bekanntlich die Mehrheit im Nationalrat. Die SPÖ war in Opposition.

profil: War das ein Gesprächsthema zwischen Ihnen und Alfred Gusenbauer?
Lederer: Nein. Ich hatte bei der Glücksspielgesetz-Novelle gar keinen Auftrag.

profil: Die Öffentlichkeit erfährt erst jetzt im Zusammenhang mit diesen Skandalen mehr über die Berater-Branche. Bemerkenswert, um welche Honorarsummen es da geht.
Lederer: Wenn es um Millionenbeträge geht, handelt es sich meist um sehr mitarbeiterintensive Projekte. Das sieht das Publikum ja nicht.

profil: Mitunter scheint es sich aber auch um Schmiergeld gehandelt zu haben, das dann von „Beratern“ an Behörden oder Politiker weitergegeben wurde.
Lederer: Das werden die Gerichte klären. Meine Tätigkeiten sind darstellbar und nachvollziehbar. Ich habe die Leistungen, die ich verrechnet habe, tatsächlich erbracht.

profil: Kommt jetzt die ganze Branche in Verruf?
Lederer: Die Gefahr besteht. Darum finde ich es ganz hervorragend, dass jetzt ein Lobbyistengesetz kommt.

profil: Lobbyisten im politischen Bereich müssen sich dann registrieren. Werden Sie das tun?
Lederer: Ich bin zwar nicht im Gesetzes-Lobbyismus unterwegs – obwohl auch das nichts Illegales wäre –, werde mich aber registrieren lassen, damit ja kein Zweifel aufkommt.

profil: Wie eng ist Ihr Kontakt zur SPÖ noch?
Lederer: Ich bin politisch nach wie vor sehr interessiert und habe gute Gesprächspartner in der SPÖ wie mittlerweile in anderen Parteien auch. Aber ich sitze in keinem einzigen politischen Beratungsgremium.