Hochwasser in Österreich

Die Hochwasserlage entspannt sich in weiten Teilen entlang der Donau: Nach den schweren Überflutungen im Westen Österreichs sinken nun auch im Osten die Pegel. In Wien wurde der Hochwasser-Höhepunkt bereits erreicht, während im Osten der Bundeshauptstadt die Pegel noch ansteigen können. Insgesamt wird in Österreich ein Schaden von 2,2 Milliarden Euro erwartet. Die wichtigsten Nachrichten zur Hochwasserlage auf profil online:

Entspannung der Hochwasserlage: Vor allem entlang der Donau in Ober- und Niederösterreich und Wien gehen die Wasserpegel zurück. Während im Westen Österreichs die Aufräumarbeiten in vollem Gange sind, steigen die Wasserpegel östlich von Wien immer noch an.

+++ Die wichtigsten Nachrichten - laufend aktualisiert +++

Evakuierungen an der Donau in Ungarn
Angesichts des Donau-Hochwassers hat es in Ungarn erste Evakuierungen gegeben. Die gesamte Armee wurde mobilisiert. Die Donau hat nördlich von Györ einen Pegelstand von mehr als acht Metern erreicht, bis Samstag soll der Wasserstand dort auf neun Meter steigen. In Budapest soll die Scheitelwelle am Montag eintreffen.

Pegel steigt östlich von Wien
Westlich von Wien scheint die kritische Phase überstanden sein. Östlich der Bundeshauptstadt steigt der Wasserpegel immer noch an. Die Feuerwehren sind vor allem mit Sicherungsarbeiten beschäftigt.

Hainburg: Unterspülung befürchtet
In Hainburg versucht die örtliche Feuerwehr weiterhin eine Unterspülung des Bahnhofs zu verhindern.

Hochwasser-Damm in Theiß gefährdet
Der völlig durchweichte Damm entlang des Kremsflusses bei Theiß (nahe Krems) ist durch einen hydraulischen Grundbruch gefährdet. Die Feuerwehr ist zuversichtlich den Erddamm halten zu können.

Wiederaufbau kurbelt Wirtschaft an
Das Hochwasser wir der österreichischen Volkswirtschaft einen Schaden von 2,2 Mrd. Euro zufügen, schätzt das Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria. Auf das Wirtschaftswachstum werde sich die Katastrophe aber positiv auswirken. Es wird mit 0,25 bis 0,5 Prozent mehr Wirtschaftsleistung gerechnet.

Höhepunkt in Wien erreicht, Rückgang erwartet
In Wien hat das Hochwasser wohl seinen Höhepunkt erreicht: Laut der Wiener Gewässerabteilung MA 45 liegt der für Wien relevante Donau-Pegel Korneuburg derzeit bei 7,93 Meter, das einer Durchflussmenge von 10.600 Kubikmeter pro Sekunde entspricht. Damit wurden die Werte der Flut von 2002 übertroffen. Für die nächsten Stunden werde der Pegelstand laut Prognosen gleich bleiben und dann voraussichtlich zurückgehen. Weiter unter Wasser standen die Häfen Lobau und Albern. Auch hier soll sich die Lage bald entspannen.

Hochwasserpegel der Donau gehen zurück
Die Hochwasser-Situation an der Donau in Niederösterreich hat sich verbessert: Die Pegel waren teilweise wieder fallend. Die Höchststände in Ybbs (Bezirk Melk) und in Kienstock in der Wachau wurden in der Nacht überschritten. Von Entwarnung war hier noch keine Rede.

Probleme bei einem Damm nahe Krems
Der Damm entlang des Kremsflusses bei Theiß (Bezirk Krems) ist durch einen sogenannten hydraulischen Grundbruch gefährdet. In der Früh zeigte man sich seitens der Feuerwehr zuversichtlich, den Erddamm halten zu können, sagte Franz Resperger, Sprecher des Landeskommandos.

Hochwasser bahnt sich Weg durch Wien
In Wien sind die ersten Ausläufe des Hochwassers zu spüren. Gastronomiebetriebe und Häfen in der Bundeshauptstadt sind bereits überflutet. Die Wiener Gewässerabteilung MA 45 rechnete damit, dass die Werte der Flut von 2002 in den nächsten 24 bis 48 Stunden überschritten werden. Die Häfen Lobau und Albern sowie die Copa Cagrana und die Sunken City an der Neuen Donau standen bereits unter Wasser. Auch der Wiener Donaukanal trat zum Teil über die Ufer, etwa in einer A4-Unterführung stadteinwärts im Bereich der Stadionbrücke. Diese musste gesperrt werden.

Massive Beeinträchtigungen im Verkehr
Während im Westen sukzessive immer mehr Straßen freigegeben werden, ist die Hochwassersituation Ober- und Niederösterreich weiterhin angespannt. Dramatisch blieb die Verkehrslage auch in Schärding, Eferding, Marchtrenk und Steyr in Oberösterreich. In Wien stand die A4 bei der Stadionbrücke unter Wasser, im Frühverkehr bildeten sich Staus. Ebenfalls überflutet war die Alberner Hafenzufahrtsstraße.

Essl Museum schließt vorübegehend
Die sich verschärfende Hochwasser-Situation in Klosterneuburg hat das Essl Museum dazu veranlasst, aus Sicherheitsgründen heute geschlossen zu halten und eine Ausstellungs-Eröffnung abzusagen. Der nächste Wasserschub werde um 14.00 Uhr erwartet. Bei Erreichen der Acht-Meter-Marke in Klosterneuburg würde der Parkplatz des Museums überflutet, an der Brücke bei der Zufahrt reichte das Wasser bereits am Vormittag knapp an die Straße heran.

Ungarn bietet Hilfe an
Der ungarische Innenminister Sandor Pinter hat in einem Brief an seine Ressortkollegin Johann Mikl-Leitner die Unterstützung seines Landes für Hochwasser-Einsätze in Österreich angeboten.

Donauinsel schützt Wien
Für den Hochwasserschutz wurde in den 70er- und 80er-Jahren in Wien das sogenannte Entlastungsgerinne - die Neue Donau - errichtet. Der Aushub wurde aufgeschüttet und zur Donauinsel umfunktioniert. Die Kapazitäten des Hochwasserschutzes dürften auch dieses Mal ausreichen und die erwarteten Wassermengen aufnehmen . Im Bereich des Alberner Hafen werde es vermutlich zu Überschwemmungen kommen, da dort das Entlastungsgerinne mit der Donau zusammenfließe.

+++ Donauinsel - Der einst umstrittene Hochwasserschutz Wiens +++

Niederösterreich: Donau vor Höchststand
In Niederösterreich zittern die Menschen in den Hochwassergebieten dem erwarteten Höchststand der Donau entgegen. Laut Prognose sollte mit 10,90 Metern beim Pegel Kienstock in der Wachau der selbe Wert wie beim Jahrhundert-Hochwasser 2002 erreicht werden. Nach den tagelangen Regenfällen sind viele Dämme aufgeweicht. Die Schutzwälle werden daher mit Tausenden Sandsäcken verstärkt.

Situation in Deutschland entspannt sich
Die Hochwasser-Situation in Deutschland entspannt sich allmählich. Die Donau erreichte im bayerischen Passau am Montag gegen 21.00 Uhr mit 12,80 Metern ihren Scheitelpunkt. Der Wasserspiegel fiel bis 04.00 Uhr auf 12,40 Meter. In Regensburg wird der Pegel noch bis Dienstag steigen. Die Wassermassen drohen jedoch Deiche einzureißen.

Zweites Todesopfer
Das Hochwasser forderte indes auch ein zweites Todesopfer: In Mäder in Vorarlberg, wurde ein seit Sonntag gesuchter 58-Jähriger tot aufgefunden. Der Mann hatte am Samstagabend eine Feier besucht, von der er nicht nach Hause zurückkehrte. Er dürfte am Heimweg in den Koblacher Kanal gestürzt und ertrunken sein.

Oberösterreich: Schärding schwer betroffen
In Schärding wurden mehr als 200 Häuser überflutet und Bewohner evakuiert. 500 Menschen seien bereits evakuiert worden und in Notunterkünfte des Roten Kreuzes oder zu Verwandten und Bekannten gezogen. Die Stadt stelle Wohnungen zur Verfügung, um die kommenden Tage zu überbrücken. Die Schule und Kindergarten blieben am Montag und am Dienstag geschlossen. "Niemand hat gedacht, dass das Wasser so hoch wird", zeigte sich Bürgermeister Franz Angerer fassungslos.

Kosten noch nicht abschätzbar
Laut Vizekanzler Michael Spindelegger sind die Kosten sowie die budgetären Auswirkungen des Hochwassers noch nicht abschätzbar. "Es wäre zu früh, über ein Schadensausmaß zu reden, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Umweltminister Nikolaus Berlakovich. Gemeinsam mit den betroffenen Nachbarstaaten werde man bei der EU um Unterstützung ansuchen. Der Krisenstab im Innenministerium tage ständig.

Pegelstände an Salzburgs Flüssen stark im Sinken
So schnell wie die Pegelstände an den Salzburger Flüssen ab Samstagabend zu steigen begonnen haben, so rasch gingen sie wieder zurück. Auch an den Nebenflüssen seien Durchflussmengen und Wasserstand stark rückläufig. Laut Barbara Staudinger vom Hydrografischen Dienst des Landes Salzburg dürfte daran auch die nächste, von Norden kommende Schlechtwetterfront nichts mehr ändern.

Vermisster Vorarlberger tot aufgefunden
Ein 58-jähriger Vorarlberger, nach dem seit Sonntag gesucht wurde, ist tot aufgefunden worden. Der Mann hatte am Samstagabend eine Feier besucht, von der er nicht nach Hause zurückkehrte. Weil sein Heimweg am Koblacher Kanal in Mäder (Bezirk Feldkirch) entlangführte, wurde befürchtet, dass er in das Hochwasser führende Gewässer gestürzt ist. Am Montagvormittag wurde die Leiche des Mannes im Bereich des Ortsendes von Altach (Bezirk Feldkirch) entdeckt.

Zug entgleiste wegen Murenabgangs in Tirol
Ein ÖBB-Zug ist in der Nacht auf Montag wegen eines Murenabganges auf die Brennerbahnstrecke in Tirol entgleist. Nach Angaben der Polizei versuchte der Lokführer noch eine Notbremsung einzuleiten, konnte aber ein Auffahren der Lok auf die Erdmassen nicht mehr verhindern. Sie entgleiste mit beiden Vorderachsen. Verletzt wurde niemand. Die Brennerstrecke ist gesperrt.

+++ Angst vor Jahrhundertflut in Deutschland +++

Angespannte Wettersituation in ganz Mitteleuropa
Nicht nur weite Teile Österreichs, auch Deutschland und Tschechien wurde vom Hochwasser getroffen. An zahlreichen Messständen wurden neue Höchstmarken gemessen. In Bayern war die Lage an Donau und Inn besonders kritisch. Passau und andere Städte wie Rosenheim riefen Katastrophenalarm aus. Auch in Tschechien wurde für weite Teile Böhmens der Notstand ausgerufen.

(APA/Red/Ph. D.)