Hochwasserschutz und - hilfe

Hochwasser. Wie Behördenschikanen eine ordentliche Vorsorge verhindern können

Drucken

Schriftgröße

Der niederösterreichische Landwirt Edmund Goebel sitzt gemütlich beim Frühstück und blickt aus dem Fenster in den Regen. „Heuer haben wir Glück. Dreißig Kilometer entfernt von hier liegt Melk. Heute kämpfen die mit dem Hochwasser.“ Vor 15 Jahren sah die Lage in seinem Hof im Mostviertler Pielachtal anders aus: 1997 war Edmund Goebel in der Sondersendung des ORF zur sehen, sein Hof war völlig versunken, kurzfristig abgeschnitten von jeglicher Versorgung. Die Tiere mussten evakuiert, die Milchkühe konnten nicht gemolken werden – ein schmerzhaftes Leiden für die Rinder. Genau 100 Jahre davor, 1897, überflutete ein ebenso heftiges Hochwasser den Hof. Damals ertranken sämtliche Tiere in den Fluten.

Regelmäßig wurde der an der Pielach gelegene Hof von Wassermassen heimgesucht. Schon vor 1997 hatte Goebel deshalb um eine Genehmigung für den Bau eines Schutzdammes angesucht. Doch die Behörden reagierten nicht. „Erst als ich nach dem Hochwasser 1997 beweisen konnte, dass eine 100 Meter entfernte Brücke einen Rückstau bildete, bekam ich die Wasserbaugenehmigung,“ ärgert er sich noch heute.

Die behördlichen Vorgaben zum Hochwasserschutz sind eindeutig – und kostspielig: Das Überschwemmungsgebiet darf nicht kleiner werden. Ansonsten würde das Wasser an einer anderen, unvorhergesehenen Stelle austreten und dort möglicherweise zu einem noch größeren Schaden führen. Die Projektkosten beim Zivilingenieur hätten Goebel zwischen 80.000 und 100.000 Schilling gekostet. So viel konnte und wollte er damals nicht ausgeben.

„Dabei war der Fall ganz einfach: Durch den Damm wird einfach die gegenüberliegende Wiese überflutet, auf der eben kein Haus steht,“ so Goebel. Nach einigem Hin und Her sah das auch das Gebietsbauamt ein, der Zivilingenieur war plötzlich nicht mehr notwendig. Doch auch damit war der Hochwasserschutz nicht durch. Jene Wiese nämlich, die bei einem Hochwasser nun geflutet wird, gehört einem Nachbarn, der seine Zustimmung zunächst nicht geben wollte. Mit einem Appell an die Menschlichkeit und unter Mithilfe des Bürgermeisters wurde schließlich auch dieses Hindernis überwunden.

Im Jahr 2000 konnte der Damm endlich fertig gestellt werden. Auch das „Jahrhunderthochwasser“ von 2002 konnte dem Hof nichts mehr anhaben. Über das Behördenwirrwarr, das seinen Hochwasserschutz-Damm fast verhindert hätte, kann Goebel bis heute nur den Kopf schütteln. Sein Resümee: „Erst wenn etwas passiert, erhält man Geld aus dem Katastrophenfonds. Für eine Vorsorge gibt es keine entsprechende Hilfe, stattdessen wird man noch mit Formalitäten gequält. Ich finde, dass die öffentliche Hand sich viel mehr darum kümmern sollte, dass eine Katastrophe erst gar nicht eintritt.“

(Red)