"Ich freue mich, wenn Haider antritt"

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache über Urlaub im Ausland, die „Krankheit Homosexualität“, den Fußballer Ümit Korkmaz und seine Traumjobs in der Politik.

profil: Sie sind der einzige Spitzenkandidat, der jetzt länger auf Urlaub fährt. Gehen Sie nicht ab?
Strache: Ich bin der einzige Ehrliche. Mich amüsiert, dass andere Politiker angeblich nie auf Urlaub gehen, und wenn, dann nur in Österreich. Dabei treffe ich oft im Flugzeug politische Mitbewerber. Peter Wes­tenthaler habe ich etwa auf dem Flug nach Thailand getroffen – dabei hat er behauptet, er sei zu der Zeit in Österreich. Wer hier viel arbeitet und behauptet, er braucht keinen Urlaub, der schwindelt. Ich schwindle nicht.

profil: Uns wundert auch die Wahl des Urlaubsortes. Sie sind Vertreter der Österreich-Partei – und fliegen ins Ausland.
Strache: Es ist doch Unfug, Patriotismus an der Wahl eines Urlaubsortes festmachen zu wollen. Das bemisst sich doch an ganz anderen Dingen.

profil: Sie werden nicht, wie erwartet, gegen Peter Westenthaler antreten, sondern wahrscheinlich gegen Jörg Haider. Wie ist das, wenn man gegen den einstigen Mentor und das große Vorbild kämpfen muss?
Strache: Haider war nie mein Mentor. Und ich trete ja nicht gegen Kleinstparteien an, sondern gegen die völlig verkrusteten Großparteien SPÖ und ÖVP. Ich würde mich sehr freuen, wenn Haider antreten würde und sich endlich einmal selbst die Niederlage abholt. Aber ich fürchte, er wird doch wieder zu feig dafür sein und irgendeinen Westenthaler-Verschnitt vorschicken.

profil: Ihr ehemaliger Parteiobmannstellvertreter Karlheinz Klement wurde aus der Partei ausgeschlossen und tritt jetzt in Kärnten mit einer eigenen FPÖ-Liste an. Wie soll sich der Wähler da auskennen?
Strache: Das ist ein Unsinn und nicht legitim. Die Wahlbehörde wird das auch so entscheiden. Es gibt nur eine FPÖ. Alles andere ist billige Wählertäuschung, wie wir das vom BZÖ ja kennen.

profil: Warum haben Sie Klement aus der FPÖ ausgeschlossen. War er sogar Ihnen zu extrem?
Strache: Er war nicht teamfähig, keine Verstärkung. Wer bei uns ein Mandat will, muss Leistungen bringen.

profil: Klement hat unter anderem Homosexualität als „Kultur des Todes“ bezeichnet. Stimmen Sie dieser Aussage zu?
Strache: Ich halte von Überzeichnungen nicht viel, das sind nicht meine Worte. Aber wir lehnen die Homo-Ehe ab. Wir brauchen in Österreich keine Förderung von Beziehungen nur aufgrund der Sexualität. Ich bin Katholik und Christ, auch die Kirche spricht von der Krankheit Homo­sexualität. Ich bin der Meinung des Heiligen Vaters, dass alle katholischen Politiker aufgefordert sind, die Homo-Ehe nicht zu subventionieren.

profil: Klement hat auch vom Gender-Wahnsinn gesprochen. Wenn wir uns Ihre Wahlliste anschauen, auf der kaum Frauen vertreten sind, dürften Sie seiner Meinung sein.
Strache: Der Gender-Wahnsinn spielt sich ja heute ab. Bei Scheidungen etwa werden Frauen bevorzugt.

profil: Finanziell werden Männer bei Scheidungen bevorzugt.
Strache: Das stimmt, aber es gibt unzählige Fälle, wo Männer ihre Kinder nicht mehr sehen dürfen. Da sind Männer benachteiligt.

profil: Warum ist die FPÖ eine männerdominierte Partei?
Strache: Wir sind eine Gerechtigkeits- und Freiheitspartei.

profil: Und das geht nicht mit Frauen?
Strache: Selbstverständlich. Wir erhöhen auch den Frauenanteil, aber wir haben keinen Quotenzwang. Frauen sind vielleicht nicht so große Egoisten wie Männer, die viel verbissener in ihren Karrieren sind. Die Frage, ob jemand die Frauenanliegen vertritt, kann man doch nicht auf das Geschlecht reduzieren. Ich zum Beispiel fühle mich als Mann ja auch ausgezeichnet von einer Politikerin wie Barbara Rosenkranz vertreten.

profil: Sie haben angekündigt, dass Ihr Wahlkampf etwas gemäßigter ausfallen werde. Wird es keine Plakate wie „Daham statt Islam“ geben?
Strache: Zu diesen Forderungen stehen wir. In unserem christlich-europäisch geprägten Abendland hat der Islam keine his­torische kulturelle Berechtigung. Es wird keinen Anti-Ausländer-Wahlkampf geben, aber wir wollen die Interessen der Österreicher in den Mittelpunkt stellen. Ausländer sollen etwa nicht alle Sozialleistungen bekommen.

profil: Das ist nicht praktikabel: Migranten zahlen ja auch Sozialversicherungsbeiträge.
Strache: Derzeit gibt es 22 Sozialversicherungsträger. Die wollen wir auf drei reduzieren: eine für Österreicher, eine für
EU-Bürger, eine für Nicht-EU-Bürger.

profil: Zwischen Österreichern und EU-Bürgern zu differenzieren, widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz in der EU.
Strache: Das behaupten ÖVP und SPÖ, das stimmt aber nicht.

profil: Das steht in allen Urteilen des Europäischen Gerichtshofes.
Strache: Wer sagt, dass etwas nicht geht, will bloß nicht. Wir wollen Leistungsgerechtigkeit: Staatsbürger haben Anspruch auf alle Sozial-Sonderleistungen. Zuwanderer hingegen sollen nicht vom ersten Tag an Familienbeihilfe, Kindergeld und soziale Wohnungen bekommen. Sie sollen zehn Jahre einzahlen und erst dann alles bekommen.

profil: Es gibt auch Österreicher, die Nettoempfänger des Sozialstaates sind.
Strache: Aber da haben Generationen eingezahlt, der Vater und der Großvater. Und es muss einen Unterschied geben zwischen Staatsbürgern und Nicht-Staatsbürgern. Staatsbürger können nicht alle Pflichten, aber keine Rechte haben. Zuwanderer liegen dem Sozialsystem auf der Tasche.

profil: Das gilt auch für manche Österreicher.
Strache: Beim Österreicher kann ich mir nicht aussuchen, ob er fleißig ist oder nicht. Ich kann mir aber beim Zuwanderer aussuchen, wen ich will.

profil: Es gibt eine Gruppe von Ausländern, die den Sozialstaat tatsächlich mehr kostet, als sie einzahlt: Jugendliche, die hier in die Schule gehen, aber abgeschoben werden, wenn sie zu arbeiten beginnen wollen. Das müsste Ihrem Ökonomieverständnis widersprechen. Sollen Jugendliche wie Arigona Zogaj bleiben dürfen?
Strache: Arigona ist ein Paradebeispiel dafür, wie Asylmissbraucher schöngeredet werden sollen. Das würde es unter uns nicht geben.

profil: Gefällt Ihnen die Busaktion Haiders?
Strache: Nein, ich halte gar nichts davon, Asylwerber von einem Bundesland ins andere zu schicken. Wenn einer kriminell wird, dann gehört er außer Landes gebracht.

profil: Der Fußballer Ümit Korkmaz hat in einem profil-Interview gefragt: Was macht der Strache, wenn das Stadion „Ü-ܓ schreit? Was machen Sie?
Strache: Was soll ich machen? Wenn einer gut Fußball spielt, dann freue ich mich. Und ich freue mich, wenn es gut Integrierte gibt. Es gibt genügend Menschen, die aus Europa zu uns zugewandert sind, etwa Serben, die exzellent integriert sind. Aber gerade Zuwanderer aus islamischen Ländern zeigen oft keine Integrationsbereitschaft.

profil: Sie haben jetzt die Serben gelobt, waren selbst auch oft in Belgrad. Zur Festnahme von Radovan Karadzic haben Sie auffällig geschwiegen. Warum?
Strache: Ich kann diese Festnahme nur schwer beurteilen. Offenbar konnte sich Herr Karadzic bisher sehr frei bewegen, und erst jetzt hat sich Serbien in einem Kniefall vor der EU entschieden, ihn auszuliefern. Das zeigt schon, welch Geistes Kind hier am Werk war.

profil: Karadzic wird für Massaker und Genozid verantwortlich gemacht. Zweifeln Sie das an?
Strache: Ich maße mir nicht an, jemanden vorzuverurteilen. Es gilt die Unschuldsvermutung.

profil: Sonst legen Sie auf die Unschuldsvermutung weniger Wert.
Strache: Ich habe die Vorwürfe gegen Herrn Karadzic nicht überprüft. Aber ich verurteile jedes Völkerrechtsver­brechen. Solange es keine Urteile gibt, gilt es abzuwarten, wer verantwortlich ist für die Verbrechen.

profil: Wie stehen Sie zum Kriegsverbrechertribunal?
Strache: Es macht Sinn, dass Völkerrechtsverbrechen international behandelt werden. Mich entsetzt nur, dass die Amerikaner den Gerichtshof nicht anerkennen. Das ist eines der größten Verbrechen der Bush-Administration. Eine selbst ernannte Supermacht stellt sich nicht unter eine internationale Gerichtsbarkeit. Es wäre klüger, wenn sich Europa nicht nur an den USA und der Nato orientieren, sondern etwa mehr nach Russland schauen würde. Die EU müsste jeden Kontakt ausbauen.

profil: Uns ist Ihre EU-Linie nicht ganz klar: Wenn Sie es heute entscheiden könnten – würden Sie aus der EU austreten oder nicht?
Strache: Die Frage stellt sich nicht.

profil: Wir stellen Sie Ihnen.
Strache: Aber wir haben andere Probleme: Die EU ist sozial nicht gerecht und bürgerfern. Ich will Europa verändern und nicht zu einer Provinz von Brüssel werden. Die Mehrheit der Bevölkerung wäre für ein sozial gerechtes Europa.

profil: Was ist für Sie sozial gerecht?
Strache: Die größte Problematik sind die Teuerung und die Inflation. Bei den Energiekosten, Grundnahrungsmitteln und Medikamenten soll der Staat preisregulierend eingreifen. Außerdem soll die Mehrwertsteuer halbiert werden. Und mittelfris­tig müssen wir den Mittelstand stärken. Verflachung aller Steuersätze nach unten. Ein Höchststeuersatz soll nicht mehr bei 50 Prozent, sondern bei 45 Prozent liegen.

profil: Derzeit liegt er real bei 43 Prozent, wenn man das 13. und 14. Monatsgehalt einrechnet.
Strache: Ich rede aber von den zwölf Monaten, Weihnachts- und Sommergehalt rechne ich nicht dazu.

profil: Allein die Halbierung der Mehrwertsteuer würde fast zwei Milliarden Euro kosten. Ihr Gesamtpaket käme auf zig Milliarden. Wie wollen Sie das finanzieren?
Strache: Der Finanzminister hat Lohnsteuermehreinnahmen von acht Milliarden Euro seit dem Jahr 2000, eine Verwaltungsreform würde fünf Milliarden an Einsparungen bringen, ein Bürokratieabbau eine Milliarde. Es gibt also ein Riesenvolumen, wenn ich ein bissl innovativ bin und ein bissl Mut habe. Aber der Finanzminister ist ja das Gegenteil, er ist blutleer. Unser Konzept kostet sechs Milliarden Euro. Und wir haben auch noch ein Kindererziehungsgeld dabei, das bis zum sechsten Lebensjahr ausbezahlt wird.

profil: Das kann sich nicht ausgehen.
Strache: Wie viel Kinder werden pro Jahr geboren?

profil: Rund 80.000.
Strache: Dann wird es etwas mehr kosten. Aber das Kindererziehungsgeld sollen auch nur Österreicher bekommen. Dass Ausländer in den Sozialstaat nichts einzahlen ...

profil: … das hatten wir schon. Wie soll die Preisregelung beim Benzin funktionieren?
Strache: Die OMV macht Milliardengewinne und tut so, als hätte sie mit dem Staat nichts mehr zu tun. Dabei hat der Staat Anteile und kann auf die Preise einwirken.

profil: Sie können sich ausmalen, was mit der OMV-Aktie passiert, wenn ihr der Staat Preislimits vorschreibt.
Strache: Das ist schon richtig. Aber man kann ja kurzfristige Maßnahmen setzen, die nicht auf ewig anhalten müssen.

profil: Um das alles umzusetzen, müssen Sie mitregieren. Im Februar haben Sie gesagt, die SPÖ ist Ihnen sympathischer, weil sie Sie charmanter belogen hat. Gilt das noch?
Strache: Der menschliche Unterschied sagt nichts über die politischen Qualitäten. Wir erleben seit zwei Jahren, dass SPÖ und ÖVP Arbeitsunwilligkeit und Arbeitsunfähigkeit zeigen. Jetzt provozieren sie zwar Neuwahlen, die zig Millionen Euro kosten und denken trotzdem nicht um. Weder ÖVP noch SPÖ wollen mit uns koalieren. Diese Präpotenz wird am 28. September bestraft werden.

profil: Wollen Sie jetzt mitregieren oder nicht?
Strache: Ich will Rot und Schwarz vom hohen Ross herunterholen und eine Koalition mit den Österreichern machen.

profil: Koalitionen macht man mit Parteien, nicht mit der Bevölkerung.
Strache: Doch. Ich werde gemeinsam mit den Österreichern die Zweidrittelmehrheit der Großkotzigen von SPÖ und ÖVP brechen. Dann werden Wilhelm Molterer und Werner Faymann Geschichte sein und Menschen ans Ruder kommen, die die FPÖ nicht ausgrenzen. Wir müssen so stark werden und die anderen so schwach, dass ein Umdenken in den Parteien einsetzt.

profil: Ab welchem Prozentsatz findet dieses Umdenken statt?
Strache: Wir starten bei elf Prozent, vielleicht gelingt ein blaues Wunder, und wir schaffen die 20 Prozent.

profil: Sie haben uns schon mehrfach an Ihren Plänen teilhaben lassen. Sie wollen Kanzler werden und Bürgermeister von Wien. Welcher Job wäre Ihnen lieber?
Strache: Man macht seine Arbeit, dort, wo man hingestellt wird.

profil: Sie sind ja der Chef, Sie können sich selbst wo hinstellen.
Strache: Zurzeit steht eine Bundeswahl an, darauf konzentrieren wir uns. Wäre jetzt eine Wiener Wahl, würden wir darüber nachdenken, wie wir die marode Wiener SPÖ auf dem Bürgermeistersessel er­setzen.

profil: Werner Faymann hat ein sehr enges Verhältnis zu Hans Dichand. Gehen Sie auch mit Dichand frühstücken?
Strache: Ich zolle Dichand größten ­Respekt, er ist eine herausragende Per­sönlichkeit unseres Landes. Ich treffe ihn immer wieder, wie auch andere Chef­redakteure.

Interview: Eva Linsinger, Rosemarie Schwaiger