Impact: Zigtausende Atombomben

Die Details des Asteroideneinschlags von Chicxulub lassen ahnen, wie verheerend die weltweiten Auswirkungen gewesen sein müssen.

Der Asteroid oder Kometenkern, der vor 65 Millionen Jahren die Erde traf, hatte nach Angaben des Wiener Geochemikers und Impact-Forschers Christian Köberl eine Einschlagsenergie, die dem Zehntausendfachen der gesamten, heute auf der Erde vorhandenen nuklearen Energiemenge entspricht. Im Augenblick des Einschlags vor der mexikanischen Halbinsel Yucatán wurde der Planet von einer Schockwelle erfasst, die rund um den Erdball ein Beben der Stärke zwölf auf der nach oben offenen Richterskala auslöste. Alle in der Geschichte der Menschheit aufgetretenen Erdbeben erreichten maximal die Stärke neun auf dieser Skala. Die durch das Geschoss ausgelöste Schockwelle wirkte im Augenblick des Aufpralls auch ins Geschoss zurück. Sobald diese Welle nach wenigen Sekundenbruchteilen die Rückseite des Geschosses erreichte, explodierte der Asteroid – mit Kurz- und Langfristauswirkungen rund um den Erdball. Das Meer an der Einschlagstelle war einige hundert Meter tief. Der durch den Einschlag ausgelöste und nach allen Seiten sich ausbreitende Tsunami (Wasserwalze) erreichte je nach Entfernung der Küste eine Höhe zwischen zehn und 1000 Metern. Daher kam es zu großflächigen Überschwemmungen. Im Augenblick des Einschlags verdampften tausende Kubikkilometer Wasser. Der Wasserdampf, der zusammen mit Staub und glühenden Gesteinsbrocken in die Stratosphäre hochgeschleudert wurde, erreichte ein geschätztes Volumen von bis zu 500.000 Kubikkilometern. Die glühenden Gesteinsbrocken wurden derart hoch in die Stratosphäre geschleudert, dass sie rund um den Erdball niedergingen und in vielen Teilen des Planeten verheerende Brände auslösten. Durch die erdumspannende Wolke aus Wasserdampf und Staub drangen viele Monate lang kaum zehn Prozent der Sonnenstrahlung. Dadurch hatten die meisten Pflanzen nicht genug Licht für die Photosynthese und starben ab. Die Beschaffenheit des Gesteins an der Einschlagstelle tat ein Übriges: Große, in die Atmosphäre aufsteigende Mengen Schwefeldioxid führten zu saurem Regen. Chlor und Brom zerstörten die Ozonschicht. Dieser Mix führte nach Meinung des französischen Dinosaurierforschers Eric Buffetaut zum Aussterben von 50 Prozent aller Arten, darunter auch der Dinosaurier.