Impfung gegen HPV ist ein Millionengeschäft

Ab 2014 zahlt der Staat die Impfung gegen Humane Papillomaviren. Ein Millionengeschäft für jenen Pharmakonzern, der den Zuschlag erhält.

Von Elisabeth Postl

Die Vorfreude ist kaum zu überhören. "Jeder fragt nach einer Impfung gegen Krebs“, sagt Doris Kiefhaber, die Geschäftsführerin der Krebshilfe Österreich, "und es gibt sie. Endlich ist sie auch in Österreich für alle zugänglich.“

Vor nunmehr drei Wochen präsentierte SPÖ-Gesundheitsminister Alois Stöger öffentlich die, wie er sie nannte, "nächste Ausbaustufe des nationalen Impfkonzepts“. Ab Februar 2014 können Kinder ab dem vollendeten neunten Lebensjahr im Rahmen des Schul-impfprogramms gratis gegen Humane Papillomaviren (HPV) geimpft werden. Wobei der Begriff "gratis“ zu relativieren ist. Musste die rund 600 Euro teure Impfung gegen HPV bisher privat bezahlt werden, werden die Kosten ab kommendem Jahr mit öffentlichen Mitteln, also Steuergeldern, finanziert.

Viren sind sexuell übertragbar
Mit HPV ist nicht zu spaßen. Die Viren gelten als Erreger von Gebärmutterhals- und Kehlkopfkrebs und sind obendrein für Genitalwarzen verantwortlich. Sie sind sexuell übertragbar; mehr als drei Viertel aller Frauen und Männer infizieren sich mindestens einmal im Leben damit, 90 Prozent dieser Infektionen heilen allerdings unbemerkt wieder aus. 2010 erkrankten laut Statistik Austria 380 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 161 starben daran.

„Taktische Gründe”
Das ist der eine Teil der Geschichte. Der andere: Das Kabinett Stöger weigert sich beharrlich, die budgetierten Kosten der HPV-Impfung zu nennen - aus "taktischen Gründen“. 2007 ermittelte das Ludwig-Boltzmann-Institut in einer Studie Kosten von 24 Millionen Euro pro Jahr; mittlerweile soll der Preis etwas gesunken sein. Das Ministerium verweist auf eine internationale Ausschreibung durch die Bundesbeschaffungsgesellschaft noch im Herbst. Viel Auswahl hat diese aber nicht: Nur zwei Pharmakonzerne bieten HPV-Impfstoffe an - GlaxoSmithKline und Sanofi Pasteur MSD. Und nur einer, Sanofi, verfügt mit "Gardasil“ über das vom Ministerium gewünschte Präparat aus vier Komponenten - die gegen die krebserregenden Virusstämme HPV-16, HPV-18 und Genitalwarzen wirken.

Der französisch-amerikanische Konzern ist einer der weltweit bedeutendsten Hersteller von Impfstoffen. Und hat es in den vergangenen Jahren durchaus geschickt verstanden, die eigenen Interessen im Lande zu vertreten. So gilt etwa der renommierte Gynäkologe Paul Sevelda, nebenbei Präsident der Krebshilfe Österreich und Mitglied des Obersten Sanitätsrats, als einer der glühendsten Verfechter der HPV-Impfung. Wie die Krebshilfe warb auch Sevelda seit der Zulassung 2006 unentwegt für die Impfung, vor allem für deren Aufnahme in das nationale Impfprogramm. Ab 2007 war Sevelda auch einer der Proponenten der - vorgeblich unabhängigen und mittlerweile nicht mehr aktiven - "Österreichischen Initiative gegen Gebärmutterhalskrebs“. Wie profil bereits 2008 berichtete, wurde ebendiese Initiative klammheimlich von Sanofi finanziert. Und nicht nur das: Auch Sevelda selbst stand dem Konzern immer wieder zur Verfügung. Unter anderem für bezahlte Vorträge: "Ich erwarte für solche Tätigkeiten selbstverständlich eine Aufwandsentschädigung“, sagte er damals gegenüber profil (Nr. 7/08).

„Die gute Sache zerstören”
"Ich bitte Sie, in Ihrer Berichterstattung zur HPV-Impfung von negativen Tönen abzusehen“, sagt Sevelda heute gegenüber profil, "das würde die gute Sache zerstören.“ Er legt Wert auf die Feststellung, dass er seit seiner Berufung in den Obersten Sanitätsrat 2009 "keine entgeltlichen Tätigkeiten“ mehr für Sanofi erbracht habe. Seveldas Engagement für die HPV-Impfung bleibt dennoch einseitig, auch nach eigenem Bekunden: "Im Bereich HPV habe ich nie mit GlaxoSmithKline zusammengearbeitet.“

Die von Sevelda präsidierte Krebshilfe lässt sich weiterhin von Sanofi finanziell unter die Arme greifen. Beim Druck von Broschüren etwa. Die Organisation, die laut ihrer Kampagnenmanagerin Ulrike Krogger ab Mai 2013 mit ihrem Wunsch nach der kostenlosen HPV-Impfung "verstärkt an die Regierung herangetreten“ ist, beruft sich zwar darauf, ihre Inhalte unabhängig von Sponsoren im Allgemeinen und Sanofi im Konkreten zu gestalten. Dennoch findet sich in einer Informationsbroschüre vom Juni 2009 ein Vorwort von Astrid Dworan-Timler - der damaligen Direktorin der Medizin- und Zulassungsabteilung von Sanofi. Bei Transparency International spricht man gar von "massivem Lobbying“, das die Krebshilfe für die HPV-Impfung betrieben habe.

Mit den geschäftlichen Interessen von Sanofi Pasteur hatte das natürlich nichts zu tun.