Always online

Da es uns aus technischen Gründen nicht möglich war, die Diskussion mit zu filmen, gibt es hier anstatt eines kleinen Films eine schriftliche Nachbetrachtung der Diskussion:

Vergangenen Dienstag, dem 4. Juni, luden BAWAG P.S.K. und profil zu einer spannenden und höchst aktuellen Diskussion zum Thema „always online“ in den 15. Stock des Newstowers.

Nach der Begrüßung durch BAWAG P.S.K. Generaldirektor Byron Haynes moderierte Angelika Hager (profil) das Gespräch über die neuen, vielseitigen Kommunikationsmöglichkeiten, Big Data und den Umgang damit.

Als Gäste geladen waren die Digitaltherapeutin Anitra Eggler , der Unternehmensberater Daniel Kapp , der Medienunternehmer Rudi Klausnitzer und Thomas Schwabl , Marktforscher und Gründer von Marketagent.com.

Anitra Eggler, die u.a. den Begriff Facebook-Inkontinenz prägte, erklärte diesen so: „Darunter leiden Menschen, die schon früh morgens, quasi nach dem Aufstehen und vor dem Clogang online gehen, um zu sehen, ob Facebook noch steht“. Für sie sind diese Facebook-User Live-Reporter ihres kleinen, drolligen Lebens, die ihre Umwelt mit ihren Erlebnissen „beglücken“. Trotzdem hält sie es für kontraproduktiv Facebook zu verbieten, sondern hält es für notwendig „den Leuten einen menschenverstandsgetreuen, klugen, kritischen Umgang mit den Medien“ beizubringen.

Daniel Kapp weist darauf hin, dass sich die Möglichkeiten, zu kommunizieren vervielfacht haben. Wie er meint „sind wir da noch ein bisschen verloren und haben uns noch nicht angepasst bzw. noch nicht gelernt, damit umzugehen. Die vielen Möglichkeiten zu kommunizieren verleiten uns zum Glauben, man muss kommunizieren“. Er sieht das Ganze als eine Frage des Umgangs und glaubt, dass weniger die Technologien das Problem sind und das Handling sich mit der Zeit von alleine regeln wird.

Rudi Klausnitzer bemerkte, dass wir in einer Besorgnisgesellschaft
leben: „Aber wir haben auch gelernt, mit Messer und Gabel umzugehen und uns nicht jeden Abend beim Essen abzustechen, und haben es geschafft, einen gesellschaftlichen Konsens zu finden, was der richtige Umgang damit ist“. Nach seiner Einschätzung braucht es noch Zeit, bis die Menschen die neuen Technologien adäquat benutzen werden. Er weist auch darauf hin, dass es immer um den Nutzen geht und Facebook kein Freund ist, sondern ein börsennotiertes Unternehmen. Als Autor des Buches „Big Data“ wies er aber auch auf ein anderes Problem des „always online“-Seins hin: die gesammelten und verwendeten Datenmengen. Z.B. können Supermärkte feststellen, ob eine Kundin schwanger ist, Versicherungen, ob man innerhalb der nächsten zwei Jahre ins Krankenhaus kommt oder Banken an Hand der Kreditkartenbenutzung eines Paares, ob es sich bald trennen wird. Er warnt eindrücklich davor, Datenmissbrauch als Kavaliersdelikt zu betrachten.

Thomas Schwabl stellte fest, dass „wir nicht online gehen, sondern online sind“. Innerhalb von vier Jahren gab es eine 9-fache Erhöhung des mobilen Datenvolumens. Auch Senioren sind online aktiver geworden. Zum Thema Werbung informierte er über Studien, die zeigen, dass das Zeit budget nicht mit dem Werbebudget korreliert, speziell in Österreich ist der Online-Werbekuchen gering, da wird es zukünftig Veränderungen geben.