Interview: "Der Fleisch gewordene völkische Tagtraum"

Die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz über Arnold Schwarzeneggers Körper, über Politik und Projektionsflächen, den Mythos der Unbesiegbarkeit und die Ohrfeigen der Mama.

profil: Das Auslaufmodell des letzten Action-Helden, den Arnold Schwarzenegger so oft dargestellt hat, scheint eine Fantasie jung gebliebener Männer zu sein - von Buben für Buben gemacht. Spielt die Frau in dieser Produktionsund Verwertungskette noch eine Rolle?
Streeruwitz: Natürlich. Im ersten Teil der "Terminator"-Serie gibt es die - allerdings entsexualisierte, partnerschaftliche - Freundschaft zur Frau: Das ist ja nicht unangenehm, einen Helden als Freund zu haben, der einen verteidigt und einem sogar erlaubt, hochaufgerüstet an dieser Verteidigung selbst teilzunehmen. Der große Vorwurf an die Frauen ist doch, dass die Verweiblichung der Welt zu einem Verlust von Gewalt führt und damit auch zum Verlust von Männlichkeit und Potenz - wobei Schwarzenegger zum Sexsymbol eigentlich nicht taugt. Aber vielleicht hat man diese Seite auch sorgsam wegretuschiert, zugunsten des neuen schmeichelweichen harten Mannes.
profil: Sie haben sich intensiv auch mit der Sprache des Rechtspopulismus befasst: Arbeitet Schwarzenegger - mit seinen pointierten Einzeilern - nicht mit einer zumindest verwandten rhetorischen Strategie? Macht nicht auch er Schlagwortpolitik?
Streeruwitz: Ja, Lakonik ist eines der Zauberwörter hier; alles muss rasch ablaufen, kurz sein und dennoch im Gedächtnis haften. Der Held gibt Kleinstkommentare ab - und das Bild liefert die überfüllte Metapher dazu, die in jede beliebige Richtung auslegbar ist: ein Riesenangebot, ein ganzes Warenhaus, aus dem sich alle bedienen können.
profil: Ähnelt die Überzeugungsarbeit, die in der Politik geleistet werden muss, um an Wählerstimmen zu kommen, der Arbeit, die man leisten muss, um Kinokarten zu verkaufen?
Streeruwitz: Das ist es doch, was Jörg Haider so gut gelernt hat: die Verkürzung, das prall gefüllte Bild und die Verbrüderung in der Idee des Das-wissenwir- doch-immer-schon. Das ist allerdings kein revolutionärer Text, sondern ein Unterhaltungstext, der selbstverständlich reaktionär verfestigt ist. Aber eben auf die lustigste Art.

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